Exkommunizierter Erzbischof Viganò auf der Flucht

Im Juli hat der Vatikan den früheren Papstbotschafter in den USA, Erzbischof Viganò, exkommuniziert. Nun hat der Abgestrafte in einem Interview neue Vorwürfe gegen den Papst erhoben. Er bezeichnete das Zweite Vatikanische Konzil als «Krebsgeschwür».

Der vom Vatikan exkommunizierte Erzbischof Carlo Maria Viganò (83) lebt nach eigenen Angaben aus Furcht um sein Leben an wechselnden Wohnorten. Bisher hiess es in Medienberichten, dass er in Viterbo nördlich von Rom lebe, wo er eine Ausbildungsstätte für konservative Theologen ins Leben gerufen hat.

Nicht enden wie George Pell

In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung «Il Messagggero» sagte Viganò, er wolle nicht so enden wie der australische Kurienkardinal George Pell (1941-2023) oder wie der ehemalige Vatikanbotschafter in den USA, Pietro Sambi (1938-2011). Beide waren bei chirurgischen Eingriffen gestorben.

Sambi war Viganòs Vorgänger als US-Nuntius. Wie Viganò war auch Sambi an kirchenrechtlichen Ermittlungen gegen den früheren Erzbischof von Washington D.C., Kardinal Theodore McCarrick, beteiligt. Diesem wurden zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch vorgeworfen.

McCarrick leidet an Demenz

Der ehemalige Kardinal (94) wurde 2019 aus dem Klerikerstand entfernt und ist wegen fortgeschrittener Demenz nicht mehr gerichtsfähig. Er war in seiner aktiven Zeit einer der einflussreichsten Männer der katholischen Kirche in den USA und gehörte zu deren fortschrittlichem Flügel.

Viganò hatte 2018 Papst Franziskus öffentlich vorgeworfen, er gehe nicht konsequent gegen McCarrick vor. In dem Interview deutete er nun zudem an, der Kardinal sei im Vatikan durch Spendengelder lange sehr einflussreich gewesen. Franziskus habe ihm seine Wahl zum Papst zu verdanken. Auch sei der Amerikaner beim Zustandekommen des Geheimabkommens zwischen Peking und dem Vatikan hilfreich gewesen.

Vorwürfe gegen Papst Franziskus

Deshalb, so Viganò, habe Franziskus bis 2019 an McCarrick festgehalten. Danach habe er ihn ohne Prozess aus dem Priesterstand entfernt. So habe er versucht, den Ruf seines Pontifikats zu retten und zugleich einen Prozess mit peinlichen Zeugenaussagen vermieden.

Viganò trat im Jahr 2016 aus Altersgründen von seinem Amt als Papstbotschafter zurück. Als Ruheständler veröffentlichte er ab 2018 seine Vorwürfe gegen Papst Franziskus wegen dessen Verhalten in der Causa McCarrick und forderte dessen Rücktritt. In den folgenden Jahren näherte sich Viganò verschwörungstheoretischen und traditonalistischen Kreisen am Rand der katholischen Kirche an. Er kritisierte das Vorgehen des Papstes gegen die Anhänger der lateinischen Alten Messe und die kirchliche Öffnungen gegenüber homosexuellen Paaren.

Schimpfwort «Krebsgeschwür»

Nachdem er Franziskus öffentlich vorgeworfen hatte, nicht der rechtmässige Papst zu sein, eröffnete das vatikanische Glaubensdikasterium ein kirchenrechtliches Verfahren gegen Viganò und verkündete am 5. Juli seine Exkommunikation wegen des Tatbestands der Kirchenspaltung (Schisma). In dem nun veröffentlichten Interview bezeichnete Viganò das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) als ein Krebsgeschwür, das die gesamte katholische Kirche befallen habe. (cic)


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/vigano-auf-der-flucht-exkommunizierter-erzbischof-lebt-an-wechselnden-wohnsitzen/