Bischofswahl: Favorit Guido Scherrer erklärt, warum er sich selber nicht wählen wird

Eine Aussage von Guido Scherrer liess aufhorchen. Am Fernsehen sagte der St. Galler Domdekan, er werde sich bei der Wahl des neuen Bischofs von St. Gallen die Stimme nicht selber geben. Nun erklärt er sich unter Verweis auf den Eid, den die Domherren vor dem Wahlakt ablegen müssen.

Barbara Ludwig

Guido Scherrer ist Mitglied des St. Galler Domkapitels, das den neuen Bischof von St. Gallen wählen wird. Am Montag fiel in der Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens SRF ein Satz aus seinem Mund, der aufhorchen liess. «Ich werde mir selber die Stimme nicht geben», sagte Scherrer, der als Domherr zu den Favoriten zählt – also Chancen hat, Bischof von St. Gallen zu werden.

Die Aussage war vieldeutig und gab Raum für Spekulationen: Will Scherrer etwa nicht Bischof werden? Oder würde er einen anderen Kandidaten vorziehen? Oder hält er sich – aus welchen Gründen auch immer – bezüglich der eigenen Wahl zurück? Isabella Awad, Mitarbeiterin Kommunikation beim Bistum, löst das Rätsel schliesslich auf, indem sie kath.ch mitteilte: Als Domherr darf man sich nicht selber wählen.

Kryptischer Satz in den Statuten

Und nun erklärt sich Domherr Scherrer persönlich unter Verweis auf die Statuten des Domkapitels. Genau so streng, wie er es spontan beim Interview am Fernsehen formulierte, sei es nicht in den Statuten festgehalten, lässt er kath.ch wissen. Aber: Der Eid, den die Domherren vor dem Wahlakt ablegen und der Teil der Statuten sei, beinhalte den Satz: «… ich werde dem die Stimme nicht geben, von welchem ich weiss, dass er unmittelbar oder mittelbar für seine Ernennung gearbeitet hat».

Auch dieser Satz erfordert einiges an Exegese. Es scheint, als ob damit verhindert werden soll, dass machtgierige Priester den Bischofssitz besteigen. Domherr Scherrer deutet ihn so: «Würde ich mir selber die Stimme geben, würde ich doch während der Wahl für meine Ernennung arbeiten. So meine Interpretation.» Ob seine zwölf Kollegen im Domkapitel dies auch so interpretieren, bleibt offen. Vielleicht hat Scherrer als Domdekan, also Leiter des Domkapitels, die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.


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