Die Kirchenrechtlerin Astrid Kaptijn wird den Papst in Fragen der Ökumene beraten. Sie untersucht dabei die gegenseitige Abhängigkeit von Synodalität und Primat auf verschiedenen Ebenen der Kirche und widmet sich dem Thema der eucharistischen Gastfreundschaft. Ihre Ernennung kommt nicht ganz unerwartet.
Jacqueline Straub
Sie wurden zum Mitglied der Studiengruppe zur «Rezeption der Früchte des ökumenischen Weges in der kirchlichen Praxis» ernannt. Herzlichen Glückwunsch. Kam diese Ernennung überraschend für Sie?
Astrid Kaptijn*: In gewisser Weise war das nicht ganz unerwartet. Als ich Kardinal Grech anlässlich seines Besuchs in der Schweiz im März dieses Jahres kennengelernt hatte, hatte er mir bereits gesagt, dass er es begrüssen würde, wenn in allen Arbeitsgruppen, die in der Pressemitteilung vom 14. März 2024 vorgesehen sind, Kanonisten vertreten wären.
«Allerdings weiss man nie, ob und wie das Ganze umgesetzt wird.»
Es gibt weniger Kanonistinnen und Kanonisten als Theologinnen und Theologen.
Kaptijn: Genau. Oft werden dieselben Personen herangezogen. Es gab eine Chance, für diese Arbeit angefragt zu werden. Allerdings weiss man nie, ob und wie das Ganze umgesetzt wird.
Sie arbeiten bereits in einigen römischen Gremien mit. Könnte das einen Einfluss gehabt haben?
Kaptijn: Durchaus. Das Staatssekretariat muss normalerweise seine Zustimmung zu den Personen geben, die als Mitglieder dieser Gruppen vorgeschlagen werden. Seit 2019 bin ich Konsultorin im Dikasterium für die Ostkirchen, mein Dossier ist also bereits irgendwo bekannt und ich denke, dass ich gerade wegen meiner Kompetenzen im östlichen Kirchenrecht angefragt wurde. Darüber hinaus habe ich gehört, dass man nach Personen gesucht hat, deren Erfahrung sich nicht auf einen einzigen nationalen, kirchlichen oder kulturellen Kontext beschränkt. Diese Vielfalt spiegelt sich bereits in der Zusammensetzung dieser Arbeitsgruppen, aber auch in den Personen selbst wider. Bezeichnend ist auch, dass diese Arbeitsgruppen von Personen geleitet werden, die einen Blick und eine Erfahrung über den römischen Kontext hinaus haben, aber gleichzeitig mit dieser römischen Welt ausreichend vertraut sind, um zu wissen, wie sie funktioniert.
Was genau werden Sie dort machen?
Kaptijn: Die zehn Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Themen, die nicht auf der Synode im Oktober 2024 diskutiert werden, aber noch vertieft werden müssen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten müssen dem Papst im Juni 2025 vorgelegt werden. Die Form und der Umfang der zu erwartenden Reflexionen sind noch nicht ganz festgelegt. Da die Studienthemen für die Arbeitsgruppe Ökumene durch die ökumenischen Dialoge mit mehreren christlichen Kirchen ein sehr weites Feld berühren, wird es wahrscheinlich Untergruppen geben, die entsprechend der unterschiedlichen Kompetenzen zu bilden sind.
Welche Themen stehen in dieser Studiengruppe oben an?
Kaptijn: Auf der Grundlage des im Oktober 2023 veröffentlichten Syntheseberichts und insbesondere von dessen Nummer 7 betreffend den Weg zur christlichen Einheit soll diese Arbeitsgruppe unter anderem die gegenseitige Abhängigkeit von Synodalität und Primat auf verschiedenen Ebenen der Kirche untersuchen, wobei der Primat als der Einheit dienend zu betrachten ist.
«Es wird daher notwendig sein, diese Öffnungen hervorzuheben.»
Was sind weitere Themen?
Kaptijn: Zweitens soll aus theologischer, kirchenrechtlicher und pastoraler Sicht die Frage der eucharistischen Gastfreundschaft im Lichte der Verbindung zwischen sakramentaler und kirchlicher Gemeinschaft bedacht werden, insbesondere unter Berücksichtigung der Erfahrung und ökumenischen Bedeutung von Ehepaaren und Familien, deren Mitglieder verschiedenen Kirchen angehören. Und schliesslich hat unsere Arbeitsgruppe die Aufgabe, das Phänomen der nicht-denominationalen Gemeinschaften und der christlich inspirierten «Revival»-Bewegungen gründlich und offen zu reflektieren, eine Aufgabe, die eher mit charismatischen und pfingstlichen Gemeinschaften in Verbindung steht.
Welche Themen sind Ihnen persönlich wichtig und wofür werden Sie sich in der Gruppe stark machen?
Kaptijn: Innerhalb dieses Rahmens werde ich aufgrund meiner kirchenrechtlichen Kompetenzen nach konkreten Möglichkeiten suchen, wie die Fortschritte, die durch die ökumenischen Dialoge bereits erzielt wurden, zum Ausdruck gebracht werden können. Einige Dinge sind bereits auf der Grundlage des derzeit geltenden kanonischen Rechts möglich. Es wird daher notwendig sein, diese Öffnungen hervorzuheben, indem man die Normen durch dieses spezifische Prisma untersucht. Ich halte es für wichtig, sich systematisch und auf allen Ebenen zu fragen, wie unser Handeln die Annäherung zwischen den christlichen Kirchen zum Ausdruck bringen und fördern kann. Dies bedeutet auch, dass die ökumenische Dimension stärker in das gesamte Leben der Kirche integriert werden muss. Es handelt sich nicht um einen gesonderten Bereich. Synergien mit anderen Arbeitsgruppen scheinen mir ebenfalls wichtig zu sein. Wenn man aus verschiedenen untersuchten Themen zu übereinstimmenden Schlussfolgerungen kommt, um die katholische Kirche synodaler und missionarischer zu gestalten, wird dies meiner Meinung nach mehr Wirkung haben.
Was bedeutet Ihnen diese Berufung in die Gruppe?
Kaptijn: Es ist eine Ehre, als Beraterin des Papstes berufen zu werden. Gleichzeitig gilt es, die bereits geführten Diskussionen und die Orientierungen zu berücksichtigen, die insbesondere durch den Austausch innerhalb des weltweit verteilten Volkes Gottes bereits vorgegeben sind. Es geht darum, Dinge zu entwickeln, die dem entsprechen, was gewünscht wird und den Bedürfnissen an den verschiedenen Orten entspricht. Das bedeutet auch, die unterschiedlichen Rhythmen in den verschiedenen Kontexten zu berücksichtigen.
Was ist Ihrer Meinung nach eines der grundlegenden Themen?
Kaptijn: Die Verbindung zwischen den allgemein anerkannten Elementen des Glaubens und den unterschiedlichen Arten, sie zu leben oder umzusetzen. Das ist ein Thema, das in den katholischen Ostkirchen mit ihren verschiedenen Riten und Traditionen sehr prägnant ist: Der Glaube ist derselbe, aber die Arten, ihn zu leben, können unterschiedlich sein. Persönlich fasziniert mich immer wieder das Sprichwort, das augustinischen Ursprungs zu sein scheint: «Im Notwendigen herrsche Einmütigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber Nächstenliebe.»
* Astrid Kaptijn ist Professorin für Kirchenrecht an der Universität Freiburg i.Ü. Das Interview wurde schriftlich geführt.
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