Guido Scherrer gehört dem Gremium an, das den neuen Bischof von St. Gallen wählen wird. Und er gilt als Favorit für die Nachfolge von Markus Büchel. Eine Aussage des Domherrn lässt aufhorchen.
Barbara Ludwig
Guido Scherrer ist einer der dreizehn Domherren, die den Nachfolger von Markus Büchel wählen werden. Dieser hat am 9. August dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Der Domdekan und Generalvikar des Bistums St. Gallen hat grosse Chancen, selber auf der Wahlliste zu landen. Auch weil er Mitglied des Wahlgremiums ist. Denn bislang gehörten bis auf zwei alle bisherigen St. Galler Bischöfe vor ihrer Wahl dem Domkapitel an.
In der Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens SRF vom Montag sagt Scherrer dazu: «Ich werde mir selber die Stimme nicht geben.» Das könnte heissen: Er möchte nicht Bischof werden. Oder er würde einen anderen Kandidaten vorziehen. Oder einfach: Er hält sich bezüglich eigene Wahl zurück – aus welchen Gründen auch immer.
Scherrer äusserte sich in der Sakristei der Kathedrale St. Gallen, in die sich das Domkapitel zur geheimen Wahl des Bischofs unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurückziehen wird. Mit dem Satz zeigte er indes an, dass er auf der Wahlliste figurieren könnte.
Wie bei den beiden bisherigen Bischofswechseln soll es auch dieses Mal wieder eine sogenannte Konsultation geben. Damals wurde nach den Eigenschaften gefragt, die ein künftiger Bischof haben sollte. Beteiligen durften sich an der Konsultation neben Räten und Gremien die ganze Bevölkerung. Noch ist unbekannt, wie die Konsultation dieses Mal gestaltet wird.
Die St. Galler Bewegung «Reformen jetzt» fordert nun, dass öffentlich bekannt wird, welche Anforderungen die Bevölkerung an den künftigen Bischof stellt. «Wir setzen uns sehr dafür ein, dass die Ergebnisse der Umfrage, der Konsultation, auch veröffentlicht werden, sobald sie abgeschlossen ist», sagte die Theologin Ann-Katrin Gässlein in der Sendung.
«Wenn man Umfragen macht, die nachher nicht öffentlich sind, kann man sie sich eigentlich auch sparen», begründete sie die Forderung. Domdekan Guido Scherrer verschliesst sich dem nicht. Die Anforderungen der Bevölkerung an den Bischof zu veröffentlichen sei dieses Mal möglich, heisst es in der Sendung. Denn in der Konsultation werde nach Kriterien, nach Eigenschaften gefragt, nicht unbedingt nach Namen, sagte Scherrer. «Sobald es um Namen geht, ist es schwierig zu veröffentlichen.»
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