Am 9. August hat der St. Galler Bischof Markus Büchel dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Seinen Nachfolger wählt das Domkapitel. Wer sind die dreizehn Männer, und unter denen sich möglicherweise der künftige St. Galler Bischof findet? Ein Überblick von kath.ch
Barbara Ludwig
Mit dem kommenden Rücktritt von Bischof Markus Büchel (75) rückt das St. Galler Domkapitel ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Gremium mit 13 Mitgliedern ist für die Wahl des Nachfolgers zuständig. Sobald der Papst den Rücktritt von Büchel annimmt, ist der Bischofssitz vakant und das Domkapitel darf aktiv werden. Bis die Vakanz eintritt, kann es erfahrungsgemäss jedoch mehrere Monate dauern.
Das St. Galler Domkapitel setzt sich aus fünf residierenden Domherren und acht nicht residierenden Domherren zusammen. Seit der Wahl des jüngsten Kanonikers Mathai Ottappally ist das Gremium wieder komplett. Wer sind die dreizehn Männer, die den zwölften Bischof von St. Gallen wählen werden? kath.ch gibt einen Überblick. Denn die Domherren sind auch interessant, weil sich unter ihnen der künftige Bischof befinden könnte. Bislang gehörten nämlich bis auf zwei alle bisherigen St. Galler Bischöfe vor ihrer Wahl dem Domkapitel an.
Die grössten Chance für einen Platz auf dem Sechser-Ticket hat Guido Scherrer. Als Generalvikar ist er die Nummer zwei im Bistum und hat entsprechende Führungserfahrung. Gegen ihn sprechen könnte sein Alter, er ist 64, da St. Gallen keinen Übergangsbischof benötigt wie das etwa in der gespaltenen Diözese Chur der Fall war. Der zehn Jahre jüngere Dompfarrer Beat Grögli wäre altersmässig ideal. Er hat langjährige Seelsorgeerfahrung im städtischen Umfeld und hat nebst Theologie auch Psychologie studiert. Auch die Domherren Albert Wicki, Roman Giger, Lukas Hidber sind zwischen 50 und 60 Jahre alt und kämen vom Alter her in Frage. In der gleichen Altersklasse ist auch Michael Pfiffner, über das Bistum hinaus bekannt als ehemaliger Radioprediger. Faktisch nicht wählbar sind Felix Büchi mit Jahrgang 1956 und der noch drei Jahr ältere Erich Guntli.
Amtsältester Domherr ist Guido Scherrer (*1960). Seit 2000 ist er Mitglied, zunächst als Landkanoniker. Seit 2003 ist er residierender Domherr und seit 2007 Domdekan. Als solcher leitet er das Gremium und vertritt es nach aussen. Seit 2016 ist Scherrer Generalvikar und damit die Nummer zwei im Bistum. Scherrer ist in Bütschwil im Toggenburg aufgewachsen. Er hat in Freiburg (Schweiz) Theologie studiert. 1989 wurde er zum Priester geweiht. Von 1989 bis 1995 war Scherrer Kaplan in Wil, anschliessend bis 2003 Pfarrer in Neu St. Johann und Ebnat-Kappel. Von 2003 bis 2015 war er Regens des Bistums. 2006 nahm er als Domherr an der Wahl von Markus Büchel zum Bischof teil. Die kommende Wahl ist für den Domdekan also keine Premiere.
Das gilt auch für den residierenden Domherrn Felix Büchi (*1956), der seit 2003 dem Domkapitel angehört, zunächst als Landkanoniker. Er war ursprünglich Elektro-Ingenieur von Beruf und wurde 1994 – mit über 35 Jahren – zum Priester geweiht. Büchi war unter anderem Pfarrer in den Seelsorgeeinheiten Sargans-Vilters-Wangs und zuletzt in Rapperswil-Jona. Von Mai 2024 bis Juli 2025 unterstützt er als Kaplan die Seelsorgeeinheit Oberbüren-Niederbüren-Niederwil im Fürstenland. Ausserhalb der Diözese dürfte Büchi wegen seines jahrzehntelangen Engagements für das Ansgar-Werk Schweiz bekannt sein. Dieses unterstützt die katholische Diaspora im Norden. Büchi ist Präsident des Vereins. Im Vild, einem Weiler von Sargans, hat der sportliche Priester – er ist Orientierungsläufer – 2009 einen Maschinengewehr-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zu einer Kapelle umbauen lassen und unter den Schutz der heiligen Barbara gestellt.
Albert Wicki (*1967) wurde 2012 als Landkanoniker ins Domkapitel gewählt. Seit 2016 ist er residierender Domherr. Er wird zum ersten Mal an der Wahl eines neuen St. Galler Bischofs teilnehmen. Wicki ist in Escholzmatt LU geboren und im Entlebuch aufgewachsen. Er hat eine Berufslehre als Milchtechnologie und Käser absolviert und sich später in Luzern zum Katecheten ausbilden lassen. Von 1991 bis 1995 war Wicki Religionslehrer und Jugendarbeiter in den Pfarreien Pfäfers und Valens im Bistum St. Gallen. Anschliessend studierte er Theologie an der Theologischen Schule der Benediktinerabtei Einsiedeln und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einem Pastoraljahr im Rheintal wurde Wicki vom St. Galler Bischof Ivo Fürer zum Priester in Rebstein geweiht. Von 2001 bis 2009 war er Kaplan im Seelsorgeverband Rebstein-Marbach-Lüchingen und anschliessend bis 2016 Pfarrer der Seelsorgeeinheit Altstätten. Ein Jahr lang war Wicki als Regens zuständig für die Ausbildung von Seelsorgenden im Bistum St. Gallen. Seit Sommer 2017 ist er Pfarrer der Seelsorgeeinheit Gäbris.
Zum Residentialkapitel zählt auch Dompfarrer Beat Grögli (*1970), und zwar seit 2013. Auch er wird zum ersten Mal an einer Bischofsweihe teilnehmen. Grögli ist in Wil geboren und aufgewachsen. Theologie studierte er in Freiburg (Schweiz), Wien und Innsbruck. 1998 wurde er zum Priester geweiht. Nach der Weihe war Grögli bis 2003 Vikar in der Pfarrei St. Otmar in St. Gallen. Anschliessend studierte absolvierte er ein dreijähriges Zusatzstudium in Psychologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Von 2006 bis 2013 wirkte Grögli als Kaplan der St. Galler Pfarrei Heiligkreuz-Rotmonten. Dompfarrer ist er seit Mai 2013. Als solcher ist er von Amtes wegen Mitglied im Ordinariatsrat, dem Leitungsgremium der Diözese. Grögli ist auch Dekan des Dekanates St. Gallen.
Roman Giger (*1969) war von 2016 bis 2019 Landkanoniker. Seit 2019 ist er residierender Domherr. Giger stammt aus Mels-Heiligkreuz SG. Er absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Nach einem nebenberuflichen Abschluss der Matura und einem Sozialeinsatz in Lateinamerika studierte Giger Theologie in Freiburg (Schweiz) und Rom. Seine Dissertation verfasste er zum Thema «Kirchenbilder». 1999 wurde Giger zum Priester geweiht. Von 2004 bis Dezember 2009 war er als Kaplan in Wil tätig, anschliessend als Pfarrer. Ende August 2019 verliess er Wil und wurde im Dezember desselben Jahres Pfarrer der Seelsorgeeinheit St. Gallen West-Gaiserwald. Seither ist Giger für die vier Pfarreien Winkeln, Bruggen, Abtwil und Engelburg zuständig.
Lukas Hidber (*1971) ist seit 2009 Landkanoniker. Hidber ist im Sarganserland aufgewachsen. Theologie studierte er in Luzern und Wien. 1998 wurde er von Bischof Ivo Fürer zum Priester geweiht. Hidber war als Kaplan in Wil SG sowie in den Rheintaler Pfarreien Balgach, Widnau und Diepoldsau tätig. Von 2004 bis Februar 2015 war er Pfarrer in Kaltbrunn und Benken. Im März 2015 trat er seine aktuelle Stelle als Pfarrer der Seelsorgeeinheit Appenzell an, zu der die Pfarreien Appenzell-Eggerstanden-Schlatt, Brülisau, Gonten, Haslen und Schwende gehören. Er ist zudem Dekan des Dekanates Appenzell. Hidber hat auch eine musikalische Ader: Er ist Mitglied der Aufsichtskommission der Diözesanen Kirchensusikschule St. Gallen. 2014 bezeichnete ihn das Newsportal appenzell24.ch als begeisterten Orgelspieler; er sei zudem Referent in Liturgik an der Kirchenmusikschule St. Gallen gewesen sowie an der Hochschule Luzern, wo ebenfalls Kirchenmusik studiert werden kann.
Emil Hobi (*1959) ist seit 2010 Landkanoniker. Er stammt aus Flums SG. Sein Theologiestudium absolvierte er in Heiligenkreuz bei Wien.1987 wurde Hobi nach einem Pastoraljahr in Wattwil SG von Bischof Otmar Mäder zum Priester geweiht. Danach wirkte er als Priester in den St. Galler Gemeinden Gams und Eschenbach SG sowie in Brülisau AI. 1996 wurde Hobi Pfarrer für die Pfarreien Murg, Mols und Quarten, später war er verantwortlich für die Seelsorgeeinheit Walensee, die weitere Pfarreien umfasst. Nach 21 Jahren am Walensee wechselte Hobi ins Toggenburg. Er ist seit 2017 Pfarrer der Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg, zu der die Pfarreien Ebnat-Kappel, Neu St. Johann, Stein, Alt St. Johann und Wildhaus gehören.
Reto Oberholzer (*1956) wurde 2014 als Landkanoniker ins Domkapitel gewählt. Oberholzer war Bankangestellter, bevor er in Einsiedeln und München Theologie studierte. 1988 wurde der St. Galler zum Priester geweiht. Anschliessend war Oberholzer Kaplan und Pfarradministrator in Bütschwil und Pfarrer in Jona sowie Lenggenwil/Niederhelfenschwil. 2011 wechselte er in den Kanton Appenzell Ausserrhoden, wo er in verschiedenen Pfarreien tätig war. Seit 2013 ist Oberholzer Pfarrer der Seelsorgeeinheit Appenzeller Hinterland, die die beiden Pfarreien Urnäsch-Hundwil und Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn umfasst.
Josef Benz (*1949) ist seit 2018 Landkanoniker. Er stammt aus Marbach im St. Galler Rheintal. Er besuchte das Gymnasium Marienburg in Rheineck, das damals von den Steyler Missionaren geführt wurde, und absolvierte die Matura in der Stiftsschule Einsiedeln. Nach dem Theologiestudium in Chur wurde Benz 1977 von Bischof Otmar Mäder zum Priester geweiht. Danach war er Kaplan in Kirchberg und Gossau. Seit Dezember 1990 ist Benz in Berneck tätig. Und seit 2014 leitet er als Pfarrer die Seelsorgeeinheit Au-Berneck-Heerbrugg. Als Dekan leitet Benz das Dekanat Altstätten. Er ist Präses des Schweizerischen Sakristanenverbandes.
Erich Guntli (*1953) ist ebenfalls seit 2018 Landkanoniker. Er stammt aus Mels SG. Guntli absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Primarlehrer. Von 1973 bis 1980 war er Primarlehrer in Flums-Kleinberg. Daneben war er Organist und Leiter von Singgruppen in der Pfarrei Heiligkreuz-Mels. Von 1981 bis 1987 studierte er Theologie in Chur und der Benediktinerhochschule St. Anselmo in Rom. 1988 weihte ihn Bischof Otmar Mäder in Buchs zum Priester, wo er anschliessend als Vikar tätig war. 1997 wurde Guntli Pfarrer von Buchs-Grabs und später der Seelsorgeeinheit Werdenberg, die weitere Pfarreien umfasst. Guntli leitet zudem als Dekan das Dekanat Sargans. Von 2001 bis 2006 war er Radioprediger bei Radio DRS 2. In den 1990er Jahren veröffentlichte Guntli mit «Laudes» (1993) und «Abschiedsfuge» (1999) zwei Bücher, die nur noch antiquarisch erhältlich sind. «Abschiedsfuge» ist die Geschichte eines Organisten namens Gregor, und es sei auch eine zarte, sinnliche Liebesgeschichte und eine Hommage an die Frauen in der Kirche, meldete die katholische Nachrichtenagentur Kipa 1999. Guntli hat zudem ein Mal-Atelier. «Wo Worte fehlen, male ich», schreibt er auf seiner Webseite.
Michael Pfiffner (*1971) ist seit 2018 Landkanoniker. Er ist in St. Margrethen im Rheintal aufgewachsen. Von 1991 bis 1996 studierte er Theologie, in Luzern und im Rahmen eines Auslandjahres in Innsbruck. 1997 weihte ihn Bischof Ivo Fürer zum Priester. Anschliessend war Pfiffner zunächst einige Jahre als Vikar in der Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil und dann als Vikar und Teamleiter in der Seelsorgeeinheit Werdenberg im Rheintal tätig. 2007 wurde er Pfarrer in Uznach und leitete bis 2021 die Seelsorgeeinheit Obersee. Dann wechselte er nach Wattwil. Dort ist er seither Pfarrer und Leiter der Seelsorgeeinheit Neutoggenburg. Als Dekan leitet er zudem das Dekanat Wil-Wattwil. In verschiedenen Funktionen engagierte sich Pfiffner in der Ministrantenpastoral, unter anderem war er von 2001 bis 2009 Schweizer Landesvertreter im Internationalen Ministrantenbund CIM. Pfiffners Stimme ist über die Grenzen des Bistums hinaus bekannt: Sechs Jahre lang, von 2016 bis 2021, war er Radioprediger für SRF 2 Kultur.
Marjan Marku (*1963) ist seit 2019 Landkanoniker. Er wurde in Bincë im Kosovo geboren und ist der erste Domherr mit Migrationshintergrund des St. Galler Domkapitels. Marku studierte Philosophie und Theologie in Sarajevo (Bosnien und Herzogowina) und schloss die Studien in Wien mit dem Magister in Theologie ab. Seine erste seelsorgerliche Aufgabe nahm er von 1988 bis 1993 als Kaplan im kosovarischen Novosellë wahr. Dann war er 16 Jahre lang als Albanerseelsorger in Österreich und in der Schweiz tätig. In dieser Zeit reorganisierte er in der Schweiz die damals einzige albanische Mission in drei Missionen. 2009 kehrte er zurück in den Kosovo und war dort bis 2012 als Pfarrer tätig. Seit 2012 ist Marku wieder im Bistum St.Gallen engagiert, zuerst als Kaplan in der Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg und seit Dezember 2017 als Pfarrer der Seelsorgeeinheit Walensee.
Mathai Ottappally (*1976) ist das amtsjüngste Mitglied des Domkapitels. Im Mai 2024 wurde der Inder als Landkanoniker eingesetzt. Ottappally ist nach Marku der zweite Domherr mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Er ist im Süden Indiens in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Er studierte Philosophie und Theologie in Indien und wurde 2005 im indischen Bundesstaat Kerala zum Priester geweiht. Von 2007 bis 2012 promovierte Ottappally an der Universität Innsbruck mit einer Dissertation in Moraltheologie, berichtete das «Toggenburger Tagblatt» im Juli 2020. Während dieser Zeit habe er in verschiedenen Pfarreien der Diözesen Feldkirch und St. Gallen Aushilfe geleistet. Von 2010 bis 2012 war er Kaplan in Andelsbuch im Vorarlberg. Seit März 2013 arbeitet der Priester im Bistum St. Gallen und seit 2016 gehört er dem St. Galler Diözesanklerus an. Ottappally wirkte fast acht Jahre als Kaplan in der Seelsorgeeinheit Mittleres Sarganserland, dann wechselte er ins Toggenburg. Seit Januar 2021 ist er Pfarrer in Bazenheid SG, wo er die Seelsorgeeinheit Alttoggenburg leitet. (korr. Alter von Erich Guntli, 14.08.24)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant