Weihbischof Eleganti in Innerthal: «Europa wird durch neue Ideologien geflutet»

Beim Gedenkgottesdienst anlässlich der Kirchensprengung vor 100 Jahren in Innerthal sprach Weihbischof Marian Eleganti von einer «Zäsur», die Wunden zufügte. Alt-Bundesrat Ueli Maurer hätte kommen sollen – hinterliess dem Pfarrer aber eine unverständliche Nachricht.

Jacqueline Straub

Die katholische Kirche in Innerthal SZ ist an diesem Sonntag gut besucht. Mit Jodelgesang beginnt der Gottesdienst. Doch der Grund ist weniger munter, als die Töne, die durch die Kirche schallen.

Denn vor 100 Jahren wurde das Alptal im Kanton Schwyz geflutet und mit ihm das ganze Dorf Innerthal – es entstand der Wägitalersee. Damit verbunden war auch die Sprengung der alten Kirche. Eine Boje auf dem See, die am Freitagabend gestohlen – und inzwischen ersetzt – wurde, erinnert daran. Rund 30 Bauernhäuer, das Pfarr- und Schulhaus verschwanden in den Fluten.

Die Kirchensprengung war ein Moment, bei dem «auch das Innerthal aufgehört hat zu existieren», sagte Pfarrer Guido Hangartner zu Beginn. Dass 100 Menschen ihre Heimat verlassen mussten, hat Wunden hinterlassen, die noch heute existieren.

Ueli Maurer war eingeladen

Der heutige Tag sollte zur Versöhnung beitragen. Deswegen hat Guido Hangartner Marian Eleganti, emeritierter Weihbischof des Bistums Chur, und Alt-Bundesrat Ueli Maurer eingeladen.

Ueli Maurer ist aber nicht erschienen – obwohl Guido Hangartner über die letzten zwölf Monate regelmässig Kontakt mit ihm hatte. Vor ein paar Tagen rief Mauer nachts um 23 Uhr beim Pfarrer an – bis er am Telefon war, «war es schon vorbei». Als er ihn zurückrief, erreichte er ihn nicht mehr. Die letzte Nachricht von Maurer auf der Combox des Pfarrers war unverständlich. «Ich glaube, dass es ihm gesundheitlich nicht gut geht» und lud die Gemeinschaft zum Gebet für den Alt-Bundesrat ein.

Neue Kirche war noch Baustelle

Der Pfarrer erinnerte daran, dass nach der Sprengung der alten Kirche die neue Kirche noch eine Baustelle war. Erst am 15. Mai 1926 wurde die heutige Kirche von Innerthal eingeweiht.

In der Predigt ging Weihbischof Marian Eleganti darauf ein, dass Kirchen besondere Orte sind. «Wenn wir in dieses Haus kommen, ruhen Augen Gottes auf uns, der Himmel öffnet sich über uns. Gott wohnt im Tabernakel, leiblich, gegenwärtig.» Es sei klar, dass mit solch einem Ort besondere Erinnerungen verbunden seien.

Solch eine Sprengung eines Gotteshauses mache etwas mit uns, so der Weihbischof. «Es ist ein drastisches Bild, wenn ein Heiligtum gesprengt oder geflutet wird.»

Verwundete Herzen

Zugleich kam er auf die heutige Zeit, in der viele Kirchen «abgefackelt» werden. Wenn solch ein Gebäude zerstört wird, gebe es eine «Zäsur, ein Einschnitt».

«Nichts ist mehr wie zuvor. Ein Schnitt tut weh. Er verwundert Herzen.» Gegen Narben helfe das Gebet, ermutigte Weihbischof Marian Eleganti. Denn alle sind erlöst von Jesus Christus. «Durch seine Wunden werden wir geheilt.»

Wunden können heilen, so Weihbischof Eleganti. «Sie können etwas ganz Neues hervorbringen, ein neues Leben, neue Horizonte eröffnen für uns, die Familie, die Gesellschaft und die Dorfgemeinschaft.»

Die Errichtung einer neuen Kirche ist für den Churer Weihbischof ein Symbol, «dass das Leben trotzdem weitergeht und der Glaube unzerstörbar ist».

Seine Predigtworte führten ihn weiter zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris. Diese zog in gewissen kirchlichen Kreisen heftige Kritik nach sich.

Die Eröffnungsfeier war eine Anspielung auf das Abendmahl, das für das Christentum in Europa steht, sagte er. «Das wird jetzt ersetzt durch andere Zivilreligionen.» Dort wurde eine Ideologie zelebriert, so der Weihbischof und äusserte seine Befürchtung, dass das Christentum in Europa noch mehr verblasse, gar «geflutet wird durch neue Ideologien». Das verändere die Gesellschaft.

«Mit dem Verblassen des Christentums entsteht ein Leerraum, der sofort gefüllt wird mit anderen Göttern.» Für Weihbischof Marian Eleganti komme nichts Besseres als das Christentum. Weswegen er die Gottesdienstbesuchende dazu aufrief, ihrer christlichen Berufung zu folgen.


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