Mit Blick in den Himmel: Neue Abdankungshalle für 2,7 Millionen Franken

In Unterägeri ZG baut die Gemeinde eine neue Abdankungshalle für 2,7 Millionen Franken. Rund dreimal so gross ist die projektierte Fläche als das bisherige Gebäude und bietet viel atmosphärischen Raum für meditative Spiritualität. Zwei Felsen im Inneren sollen etwa die «Kraft und Endlichkeit des Lebens» veranschaulichen. Religiöse Symbole scheinen dagegen nicht vorgesehen.

Wolfgang Holz

Der Ägerisee ist ein lauschiger, landschaftlich schön gelegener Alpsee im Kanton Zug. Hier lässt es sich bei frischer Luft und glasklarem Seewasser durchschnaufen und die Ruhe geniessen. Kein Wunder, dass sich die beiden Gemeinden Unterägeri und Oberägeri in den letzten zwanzig Jahren zu Redouten der wohlhabenden Zuger entwickelt haben.

Expat-Refugien

Während es in Oberägeri am dicht besiedelten Sonnenhang bereits Strassen und Quartiere gibt, in denen Englisch quasi Standardsprache ist aufgrund der zahlreich betuchten Expat-Wohnbevölkerung aus aller Welt, und man in einem neuen öffentlichen Freizeitbad der Wellness frönen kann, ist Unterägeri längst zur Gemeinde mit Stadtgrösse, mit beachtlicher Infrastruktur, angewachsen. Die vor einigen Jahren neu gebaute Ägerihalle beschert dem Hochtal ein kulturelles Zusatzangebot neben Handörgeli-Heimatgefühlen und Trychler-Tradition.

Im März 2025 soll mit dem Bau begonnen werden

Nun soll Unterägeri auch eine neue Abdankungshalle bekommen, die sich die Gemeinde für 2,7 Millionen Franken leistet. Für den Neubau wurde sogar extra ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Im März 2025 soll mit dem Bau begonnen werden.

In den Baugesuchsunterlagen ist ersichtlich, wie das Online-Portal «zentralplus» schreibt, dass die neue Abdankungshalle um einiges grösser ausfallen wird als die bisherige. Rund dreimal so gross ist die projektierte Fläche. Auch die begrünte Fläche des Areals soll anteilsmässig höher ausfallen.

Immer mehr Abdankungen im kleineren Rahmen

Nötig wurde der Neubau, weil die bisherige Abdankungshalle offensichtlich nicht mehr den heutigen Bedürfnissen der Ägerinnen und Ägerer entspreche, begründete der Gemeinderat im Bericht zum beantragten Kredit im letzten Jahr. Er schrieb: «Das Gebäude ist in die Jahre gekommen und entspricht bezüglich des Raumangebots und der Möglichkeit zur würdevollen Abschiednahme nicht mehr den heutigen Bedürfnissen.»

Interessantes Detail: Im Wandel der Zeit fänden immer mehr Abdankungen im kleineren Rahmen statt, so die Gemeinde. Die katholische und die reformierte Pfarrkirche böten dafür nicht die geeigneten Räumlichkeiten. Zudem fänden auch immer mehr Abdankungen anderer Religionsgemeinschaften oder religionsneutraler Trauerfamilien statt. Dem soll mit dem Neubau Rechnung getragen werden.

«Welt des Abschiednehmens und der Besinnung»

Der Neubau des Zuger Architekten Albi Nussbaumer im Auftrag der Gemeinde Unterägeri wirkt in der Tat mehr als edel. «Das neue Aufbahrungsgebäude setzt sich an den westlichen Rand des Alten Turnplatzes. Durch die Stellung des Gebäudes wird dieser sehr offene Raum wohltuend gefasst und bildet den Übergang zur Pfarrkirche und dem Friedhof.

Dreiseitig in einen Ahornhain gebettet, findet das Gebäude seinen ganz spezifischen Ort der Stille und Geborgenheit und bietet den Trauernden die notwendige Intimität, um den von uns Gegangenen zu gedenken. Eine kleine Treppe führt die Trauernden hinauf in die Welt des Abschiednehmens und der Besinnung», heisst es in der Objektbeschreibung.

«Unendlichkeit des Himmels»

Das Innere der Abdankungshalle mutet wie ein römisches Atrium oder ein japanischer Meditationstempel an. Im O-Ton des Architekten: «Der ausladende, seitliche gefasste Portico empfängt die Trauernden und führt sie gedeckt ins Innere des Gebäudes. Mittig im Gebäude verortet sich ein gegen die Unendlichkeit des Himmels geöffneter Hof und führt Licht in das Haus der Ruhe und Kontemplation.

Die still im Hof einbeschriebene Wasseroberfläche spiegelt Licht an Wänden und Decken und unterstützt die Trauernden in ihrem geistigen Prozess des Abschiednehmens. Zwei ins Wasser gesetzte, in sich ruhende Findlinge, verkörpern die Kraft aber auch die Endlichkeit des Lebens.»

Auffallend ist, dass auf keiner der Visualisierungen religiöse Symbole wie etwa ein Kreuz zu sehen sind. Und das, obwohl sich die neue Abdankungshalle nur einen Steinwurf von der katholischen Pfarrkirche entfernt befindet.

«Projekt ist eine gute Sache»

«Ich bin der Bevölkerung von Unterägeri dankbar, dass das Projekt einer neuen Abdankungshalle realisiert werden kann. Es ist eine gute Sache», sagt Gemeindeleiterin Margrit Küng von der katholischen Kirche in Unterägeri auf Anfrage von kath.ch.

«Die bisherige Abdankungshalle ist nicht mehr zeitgemäss.  Es gibt nur einen Raum für die Aufbahrung der Verstorbenen, was bei mehreren Todesfällen innerhalb kurzer Zeit, schwierig wurde. Die Angehörigen hatten keine Privatsphäre, um in Ruhe zu trauern und würdig Abschied zu nehmen.»

Ausserdem sei es wichtig – trotz der nach wie vor grossen Zahl von Katholiken im Ägerital – auch für andersgläubige Menschen einen Raum anzubieten, wo Angehörige von ihren Verstorbenen Abschied nehmen können. Der zukünftige Urnenraum biete Platz für eine Trauerfeier im kleinen Rahmen. Margrit Küng: «Ich finde das Projekt grosszügig, aber keineswegs überrissen. Es schafft mitten im Dorf einen Ort der Stille, in der Leben und Sterben einander begegnen.»


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/mit-einem-blick-in-den-himmel-neue-abdankungshalle-fuer-27-millionen-franken/