Ehrenamtliche bei Ministrantenwallfahrt: Mangelt nicht an Freude, aber an Wertschätzung

Die Ministrantenarbeit lebt auch vom ehrenamtlichen Engagement. Viel Wertschätzung «von oben» erfahren diejenigen, die sich engagieren, jedoch nicht, sagen Benedikt Arndgen und Andreas Wolfensberger. Auch die Kosten für die Wallfahrt nach Rom zahlen viele aus eigener Tasche.

Magdalena Thiele

27 Grad zeigt das Thermometer bereits um acht Uhr morgens. Bis zum Nachmittag wird es empfindlich heisser dieser Tage in Rom. Dennoch versammeln sich am heutigen Dienstag rund 60’000 Teilnehmer der Ministrantenwallfahrt auf dem Petersplatz, um den Papst zu sehen.

Die Papstaudienz gilt vielen als das Highlight der Wallfahrt. Ein enormer Organisationsaufwand steckt dahinter – nicht nur seitens des Vatikan. Auch für jede der angereisten Ministrantengruppen bedeutet das einen enormen Organisationsaufwand, weiss einer, der schon zum dritten Mal dabei ist. Benedikt Arndgen ist als ehrenamtlicher Helfer mit der Deutschschweizerischen Arbeitsgruppe für Ministrant*innenpastoral (damp) angereist. Als Gruppenleiter ist er für 15 Jugendliche und junge Erwachsene verantwortlich. «Die Audienz ist eine besondere – wenn auch sehr anstrengende – Sache, aber das grössere Erlebnis ist die Gemeinschaft, die sich hier bildet.»

Eine Kostenfrage, unterschiedliche Antworten

Die Kosten für seine Teilnahme – etwa 850 Franken – übernimmt seine Pfarrei in Pfäffikon. Einige andere bekommen nur die Reisekosten erstattet, aber die Zeit nicht als Arbeitsaufwand angerechnet. Wieder andere zahlen alles aus eigener Tasche.

Als Primarschullehrer profitiert der 25-Jährige davon, dass die Wallfahrt in den Sommerferien stattfindet. Anders als Benedikt hat sich Lokführer Andreas Wolfensberger extra Urlaub nehmen müssen, um dabei zu sein. Mit der Rhätischen Bahn befördert der ehemalige Landschaftsgärtner sonst täglich hunderte Menschen durch den Kanton Graubünden.

In seinen Ferien führt er eine Ministrantengruppe durch die ewige Stadt. Gestern Abend wurde es spät. Heute um 6.30 Uhr sitzen die beiden schon wieder munter und voll motiviert am Frühstückstisch – und das, obwohl beide grundsätzlich auf Kaffee verzichten.  

«Das ist für mich Erholung», sagt der 29-jährige gebürtige Zürcher, Andreas Wolfensberger. «Die Arbeit mit den Jugendlichen bereitet mir grosse Freude. Seit zwölf Jahren engagiere ich mich als ehrenamtlicher Helfer für die damp – noch viel länger bin ich Ministrant.» 

Ministrantenpastoral ist tief verwurzelte Tradition

Warum Andreas und Benedikt ihre Ferien hier verbringen? Jedenfalls nicht wegen der Wertschätzung, die ihnen seitens der Kirche dafür entgegengebracht wird, finden die beiden. «Es wäre ein schönes Zeichen gewesen, hätte uns beispielsweise der Schweizer Bischof, der für die Jugendpastoral zuständig ist, bei der Abreise verabschiedet oder sich zuvor einmal mit uns zusammengesetzt», sagt Benedikt Arndgen. «Ich weiss nicht, wie klar den Oberen in der Kirchenhierarchie ist, dass wir Ministranten einen wichtigen Job machen.»

Benedikt und Wolfi kommen nach Rom für das grossartige Gemeinschaftsgefühl, das hier entsteht. «Die vielen Begegnungen und Erlebnisse sind unbezahlbar», bestätigen beide. «Dabei stellen wir auch fest, dass einige Pfarreien ihre Minis hegen und pflegen – andere schenken ihnen weniger Beachtung.»

Allerdings existiere gerade im deutschsprachigen Raum eine tief verwurzelte Tradition der Ministrantenpastoral, und das schon über viele Jahrzehnte, hatte der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Johannes Wübbe aus Osnabrück, gerade im Interview mit Vatican News betont. Von den 50’000 aus aller Welt angereisten Ministrantinnen und Ministranten sind 35’000 aus dem deutschsprachigen Raum nach Rom gekommen.

Leben und leben lassen

«Wir sind sehr froh über die ehrenamtliche und all die andere Unterstützung», sagt Murielle Egloff, Präsidentin der damp und seit 14 Jahren im Vorstand aktiv. «Welche Kosten übernommen werden, das ist von Pfarrei zu Pfarrei unterschiedlich – auch für die Ministranten. Das gesamte Organisationskomitee, sechs Personen, der Ministrantenwallfahrt ist ehrenamtlich dabei – sie alle haben extra Urlaub genommen, um die Fahrt zu ermöglichen.»

Generell sei die Jugend mit ihren Anliegen in der Kirche nicht gut repräsentiert, finden dagegen die beiden Schweizer Gruppenleiter, die miteinander gut befreundet sind. Es fände zu wenig Kommunikation mit der Kirchenleitung statt und zu wenig Interesse an den Bedürfnissen der Nachwuchsgeneration. Stattdessen werden ausufernde Debatten um die Einhaltung liturgischer Regeln geführt. In der Ministrantenarbeit funktioniere momentan alles nach dem Prinzip Leben und leben lassen.


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https://www.kath.ch/newsd/ehrenamtliche-bei-der-ministrantenwallfahrt-es-mangelt-an-wertschaetzung/