Bei der Caritas in Luxemburg ist ein Betrugsskandal über 60 Millionen Euro aufgeflogen. Das ist mehr als das jährliche Betriebsbudget von 50 Millionen Euro. Könnte so etwas auch bei Caritas in der Schweiz passieren? Direktor Peter Lack erklärt im Interview mit kath.ch, wie die Schweizer Caritas vorsorgt.
Christian Maurer
Was haben Sie gedacht, als Sie von dem Riesenbetrug erfuhren?
Peter Lack: Die mutmassliche Veruntreuung bei Caritas Luxemburg hat uns überrascht und tief erschüttert. Gleichzeitig ist es wichtig zu sehen, dass Caritas Luxemburg sofort Strafanzeige erstattet hat und vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden kooperiert. Auch das internationale Caritas-Netzwerk setzt alles daran, dass dieser Fall aufgeklärt wird.
Dachten Sie auch: Und wenn das bei uns passiert wäre?
Lack: Selbstverständlich sind mir solche Gedanken durch den Kopf gegangen. Sofort habe ich mit unserer Chief Financial Officer, der CFO, unsere Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen geprüft. Ein solcher Vorfall wäre bei uns nicht möglich.
Wieso nicht?
Lack: Unsere Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen bei Finanztransaktionen verunmöglichen einen solchen Betrugsfall. Wir verfügen beispielsweise über ein Vier-Augen-Prinzip bzw. je nach Höhe des Betrags über ein Acht-Augen-Prinzip für die Zahlungsfreigabe. Unser internes Risikomanagement beinhaltet zudem ein aktives regelmässiges Risikomonitoring, wie es in den «Three Lines of Defence» vorgesehen ist. Dieses Modell sieht drei Ebenen an Massnahmen vor: vorbeugende Massnahmen, aufdeckende Massnahmen und korrigierende Massnahmen. Kontrollinstanzen ausserhalb des operativen Geschäfts wie unsere Geschäftsprüfungskommission verifizieren das Risikomanagement, es greift also auch die Organisations-Governance unter Einbezug unterschiedlicher Aufsichts- und Kontrollgremien.
Wenn nicht einmal Caritas zu trauen ist – wem denn? Wie stark führt dieser riesige Betrugsfall in Luxemburg zu einem Vertrauensverlust für Caritas Schweiz?
Lack: Caritas Luxemburg ist Teil des internationalen Caritas-Netzwerks, aber eine eigenständige Organisation. Wir können nur für uns sprechen. Wie bereits dargelegt, ist eine Veruntreuung von Spendengeldern aufgrund unserer umfassenden Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen bei Caritas Schweiz nicht möglich. Inwiefern der jetzige Vorfall in Luxemburg das Vertrauen in Caritas Schweiz beeinflusst, können wir nicht beurteilen.
Befürchten Sie, dass Caritas Schweiz-Mitarbeitende im Ausland auf den Fall angesprochen werden und von internationalen Partnern in den gleichen Topf geworfen werden?
Lack: Dies ist aufgrund der gemeinsamen Marke «Caritas» nicht auszuschliessen. Aus diesem Grund informieren wir wie auch das gesamte internationale Caritas-Netzwerk transparent über den Vorfall. Generell pflegen wir einen engen und persönlichen Austausch mit unseren nationalen und internationalen Partnern. Durch eine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und grossen Gebern konnten wir zeigen, dass wir eine vertrauenswürdige Partnerin sind. Dies wird uns auch immer wieder bestätig, wenn wir ausführliche Compliance-Prozesse durchlaufen, welche in der internationalen Zusammenarbeit Standard sind. Diese Prüfprozesse halten wir für wichtig und richtig, und sie schaffen Vertrauen.
Bei Caritas Luxemburg geht es um 61 Mio. Euro, mehr als der Jahresumsatz – wie hoch ist der Umsatz von Caritas Schweiz?
Lack: Caritas Schweiz hat im Jahr 2023 einen Umsatz von rund 149 Millionen Franken erzielt.
Und wie hoch ist das jährliche Spendenvolumen, von Privaten, Institutionen sowie Beiträgen von staatlicher Seite?
Lack: Folgendes Ergebnis wurde im Jahr 2023 erzielt:
Sind diese Spendengelder sicher verwahrt – auch sicher angelegt, sofern sie nicht direkt ausgegeben werden?
Lack: Ja, wir können versichern, dass unsere Spendengelder sicher aufbewahrt und angelegt sind. Ein Anlagerat, in welchem auch externe Fachpersonen Einsitz nehmen, trifft die Anlagenentscheidungen. So sind unsere Vermögenswerte nach bestem Wissen und Gewissen entsprechend unserer Anlagestrategie angelegt.
Wie und wo angelegt – sind da Verluste ausgeschlossen?
Lack: Wir verfolgen eine defensive Anlagestrategie nach BVG-Standards. Diese Anlagestrategie ist Teil unseres Risikomanagements und wird entsprechend auch von externen Prüfstellen überwacht.
Was können Sie verunsicherten Schweizer Spenderinnen und Spendern zur Beruhigung sagen?
Lack: Caritas Schweiz leistet seit fast 125 Jahren wichtige Arbeit für die Armutsbekämpfung im In- und Ausland. Unsere treuen Spenderinnen und Spender vertrauen darauf, dass unsere Organisation als Ganzes wie auch jede einzelne Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter sehr sorgsam mit jedem Spendenfranken umgehen. Wie schon erwähnt, ist eine Veruntreuung von Spendengeldern bei Caritas Schweiz nicht möglich. Dies dank unseren umfassenden Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen bei Finanztransaktionen, zu dem ein mehrstufiges internes wie auch externes Risikomanagement gehört.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/caritas-betrug-bei-uns-nicht-moeglich-sagt-direktor-peter-lack/