Bischof Bonnemains Sportprogramm für Olympia 2024 in Paris

Anders als etwa Österreich hat die Schweiz keinen eigentlichen Sport-Bischof. Diese Rolle übernimmt informell der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain, der Schweizer Bischof mit der wohl grössten Sportbegeisterung. Zum Start von Olympia 2024 in Paris heute Abend sagt er auf kath.ch, welche Sportarten er verfolgen will und ob er für den Sieg seiner Lieblingssportler betet.

Christian Maurer

Bischof Joseph Maria Bonnemain ist sportlich gesehen früh ins kalte Wasser geworfen worden. «Als ich einen Monat alt war, meldete er (der Vater; Anm. d. Red.) mich in einem Schwimmverein in Barcelona an, wo wir wohnten, und nahm mich immer zum Schwimmen mit», sagte der in Spanien geborene Schweizer Bischof jüngst in einem Interview. Wenn ihm auch die Zeit für den aktiven Sport fehlt, die Sportbegeisterung ist geblieben. «Aber ich war nie ein Fanatiker», so Bonnemain. Auch für Olympia am Fernsehen werde ihm wohl die Zeit fehlen, bedauert er im Interview mit kath.ch.

Bischof Bonnemain, wie schaut ihr TV-Programm zu den olympischen Spielen aus?

Bischof Joseph Maria Bonnemain: Vor meiner Zeit als Bischof schaute ich für gewöhnlich nur die Tagesschau. In den letzten drei Jahren komme ich meistens nicht einmal mehr dazu. Das wird leider auch in Bezug auf die Übertragung der olympischen Spiele nicht anders sein. Meine Zeit reicht dafür schlicht nicht aus.

Beten Sie für den Sieg Ihrer Lieblingsathleten oder feuern Sie sie anders an?

Bonnemain: Ich muss gestehen, dass ich als Heranwachsender für den Sieg meiner damaligen Lieblingsfussballmannschaft gebetet habe. Als Erwachsener habe ich damit aufgehört. Für den Erfolg einzelner Athleten habe ich es nie getan. Wenn ich eine Sportveranstaltung persönlich besuchen kann, feuere ich, zusammen mit dem Publikum, meine Lieblingsathleten oder Lieblingsmannschaft lautstark mit den typischen Rufen an.

«Mein Vater hat in seinem ganzen Leben sehr viel Sport getrieben.»

Welche Sportarten schauen Sie, welches wird Ihr Highlight sein?

Bonnemain: Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich sehr gerne Turmspringen und Geräteturnen schauen. Mein Vater war selbst Turmspringer und hat mir die Leidenschaft dafür weitergegeben.

Ihr Vater nahm Sie schon als Einjähriger mit zum Schwimmen – hätte er Sie wohl gerne als Olympia-Champion gesehen?

Bonnemain: Sicherlich hätte er das gerne gesehen. Er hat in seinem ganzen Leben sehr viel Sport getrieben, auch auf hohem Niveau. Es war für ihn eine leise Enttäuschung, dass ich nur hobbymässig Sport trieb und nie eine Sportkarriere anstrebte.

«Diese Grundgedanken verbinden viele Sportarten und Religionen.»

Oder hatten Sie als Bub auch einmal den Traum, ein grosser Fussballer zu werden?

Bonnemain: Fussballer nicht, aber ein kühner Taucher, der die Tiefen des Meeres erkundet. Als Student begann ich zu klettern und davon zu träumen, einen Achttausender zu besteigen, was ich jedoch nie verwirklicht habe.

Was haben für Sie Sport und Religion gemeinsam?

Bonnemain: Je nach Sport und Religion. Hinter beiden finden wir oft den Wunsch und die Bereitschaft, das Beste aus sich herauszuholen und bis an die eigenen Grenzen zu gehen. Viele Sportarten und -anlässe fördern ja bekanntlich die Gemeinschaft, den Teamgeist, den Austausch mit anderen Traditionen, Kulturen und Nationen, was wiederum den Frieden, die Solidarität, den Respekt und die Wertschätzung fördert. Die Religion ruht im Grunde auf der Überzeugung, dass wir alle Kinder desselben Vaters sind. Diese Grundgedanken verbinden viele Sportarten und Religionen.

Verstehen Sie, dass Fans ihre Sportidole wie Heilige verehren?

Bonnemain: Jein. Ich kann Verständnis dafür aufbringen, es aber nicht gutheissen. Wir verehren die Heiligen, weil sie etwas von der unendlichen Vollkommenheit Gottes widerspiegeln. Es sind die vorgelebten Tugenden, die herausragenden Charaktervorzüge, die uns anziehen. Auch ein Sportler bzw. eine Sportlerin kann überaus gute Qualitäten und Leistungen aufweisen, was verständlicherweise bewundernswert ist.

Was will Paulus mit diesen Worten den Athleten sagen: ‘Wisst Ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur einer den Preis erlangt? Lauft so, dass ihr den Preis gewinnt. Jeder Wettkämpfer aber ist in allen Dingen enthaltsam; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfange, wir aber einen unvergänglichen.» (1. Korinther 9, 24-26).

Bonnemain: Dieser symbolische Vergleich von Paulus spornt mich instinktiv dazu an, ihn mit einer Aussage des heiligen Augustinus auszugleichen, die mir sehr teuer ist: «Alle laufen, … und wer zuerst ankommt, wartet, um mit den Später-Ankommenden gekrönt zu werden. Diesen Wettlauf unternimmt nicht die Gier nach Ruhm, sondern die Liebe, alle Läufer lieben sich und die Liebe selbst ist der Lauf.» Vor Gottes Augen sollten wir alle Sieger und Siegerinnen werden und zwar gemeinsam.

Sie hatten die Schweizer Fussball-EM-Mannschaft zur Feier eingeladen, falls die gewonnen hätte. Welche Gold-Medaillen-Gewinner von Olympia Paris werden Sie einladen – oder die ganze Mannschaft?

Bonnemain: Die Einladung während der Fussball-EM sprach ich ganz spontan im Rahmen des gemeinsamen Anfeuerns unserer Nationalmannschaft aus. Selbstverständlich würde ich gerne alle Sportler und Nichtsportler zu mir nach Chur einladen. Seit Beginn meiner Amtszeit strebe ich an, dass der Bischofsitz ein offenes Haus für alle wird.


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https://www.kath.ch/newsd/bischof-bonnemains-sportprogramm-fuer-olympia-2024-in-paris/