Sr. Philippa Rath: «Ich habe Hoffnung, dass Weltsynode sich für Zeichen der Zeit öffnet»

Die Benediktinerin Philippa Rath hat ein Buch über die Hoffnung geschrieben. Sie glaubt daran, dass es in Zukunft Frauen in Weiheämtern geben wird, sonst «wäre mein ganzes Engagement sinnlos». Und: Klöster sind für sie «Talentschuppen».

Jacqueline Straub

Worüber geht Ihr neustes Buch «Meine Hoffnung übersteigt alle Grenzen»? Dieses haben Sie zusammen mit dem Priester Burkhard Hose herausgegeben.

Sr. Philippa Rath*: Das Hauptthema unseres Buches ist – wie der Titel schon sagt – das Thema Hoffnung, an der es heute so unendlich vielen Menschen mangelt. Ich persönlich lebe aus der Kraft der Hoffnung, die Mauern und Grenzen überwinden kann und immer neue Türen ins Offene hinein bereithält.

«In dieser Situation möchten wir Hoffnungszeichen setzen.»

Die Hoffnung ist für mich die treibende Kraft, die die Versuchung zur Resignation überwindet und ungeachtet aller Enttäuschungen und Rückschläge das Leben in Gang hält. Mit unserem Buch wollen wir den Leserinnen und Lesern Anteil geben an dieser Kraft der Hoffnung. Es stehen derzeit so viele Menschen «auf der Kippe», viele haben unsere Kirche schon verlassen oder sind deutlich auf Distanz gegangen. In dieser Situation möchten wir Hoffnungszeichen setzen, Resilienz aufbauen, zum Bleiben ermutigen und persönlich davon erzählen, wie sehr uns die Hoffnung durch unser ganzes Leben begleitet und getragen hat.

Burkhard Hose schreibt im Buch, dass Sie einen grossen Anteil daran haben, wie er heute über sein Priesteramt denkt. Wie haben Sie das geschafft?

Rath: Eigentlich müssten Sie dazu Burkhard Hose selbst befragen. Ich kann das nur erahnen. «Geschafft» habe ich da sicher gar nichts, denn so etwas kann man oder frau nicht machen oder schaffen. Mein grosses Anliegen ist es immer gewesen, dass wir glaubwürdige und authentische Priester haben, die weder klerikal noch paternalistisch sind, die die Menschen auf ihrem Weg begleiten und wie gute Hirten einmal vorausgehen und ein andermal hinter der Herde her gehen. Ein solcher Priester ist Burkhard Hose, ein Bruder, der mit beiden Beinen fest im Leben der Menschen und in der Gesellschaft verankert ist und zugleich den Blick zum Himmel offen hält.

«Als Kind und in der Jugend habe ich sehr unter Ausgrenzung und Diskriminierung gelitten.»

Haben Sie auch noch andere Priester zum Umdenken bringen können?

Rath: Ich begleite eine ganze Reihe von Priestern, zum Teil schon seit vielen Jahren. Ich habe nie versucht, sie zum «Umdenken» zu bewegen. Umso mehr freue ich mich aber, wenn sie Priester sind, die die Botschaft vom Reich Gottes durch ihr Leben bezeugen.

Als Kind haben Sie Mobbing-Erfahrungen durchleben müssen. Wie hat Sie das für Ungerechtigkeiten sensibilisiert?

Rath: Als Kind und in der Jugend habe ich sehr unter Ausgrenzung und Diskriminierung gelitten. Ich war das, was Marie Luise Kaschnitz in ihrer Erzählung «Das dicke Kind» beschrieben hat. Mein unbedingter Glaube, dass Gott jeden Menschen gleichermassen und vor allem bedingungslos liebt, hat mir sehr geholfen. Dieser Glaube wurde in mich Gott sei Dank schon sehr früh eingepflanzt. Das hat mich stark gemacht. Im Rückblick denke ich, dass meine Erfahrungen in der Kindheit und Jugend den Sinn hatten, mich schon sehr früh für Vorurteile, Ungerechtigkeiten, Ausgrenzungen und Diskriminierungen aller Art zu sensibilisieren. Daraus speist sich auch mein Engagement für eine geschlechtergerechte Kirche.

Haben Sie Hoffnungen, dass die Weltsynode oder Papst Franziskus in der Frauenfrage etwas ändert?

Rath: Ja, ich habe tatsächlich – trotz inzwischen manch gegenteiliger Erfahrungen – immer noch die Hoffnung, dass die Weltsynode im Oktober sich für die unverkennbaren Zeichen der Zeit öffnen und die Frauenfrage nicht gänzlich «vom Tisch gefegt» wird. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Laiinnen und hoffentlich auch die Laien und eine Reihe von Bischöfen deutlich positionieren und dem Papst und den Vertretern des Vatikans signalisieren werden, dass die berechtigten Erwartungen und Hoffnungen so vieler Frauen auf allen Kontinenten nicht weiter überhört werden dürfen.

«Ich bin überzeugt, dass es irgendwann ganz schnell gehen wird.»

Glauben Sie daran, dass es irgendwann geweihte Frauen im kirchlichen Amt gibt?

Rath: Wenn ich daran nicht unverbrüchlich glauben würde, wäre mein ganzes Engagement sinnlos. Ich bin überzeugt, dass es irgendwann ganz schnell gehen wird und auch in unserer Kirche geweihte Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen zur Normalität gehören werden. Vielleicht darf ich hier Niklaus Brantschen SJ zitieren, der in dem von Burkhard Hose und mir herausgegebenen Buch «Frauen ins Amt – Männer der Kirche solidarisieren sich» geschrieben hat: «Die Kirche der Zukunft wird eine sein, in der Frauen und Männer gleichwertig und gleichberechtigt priesterliche Dienste ausüben – oder sie wird nicht mehr sein. Ohne geschlechtergerechtes Handeln hat Kirche keine Zukunft.»

Sie sagen, dass Klöster «Talentschuppen» sind. Inwiefern?

Rath: Oh ja, das ist so. Im Kloster hat jede und jeder vielfältigste Entfaltungsmöglichkeiten. Dafür bin ich selbst das beste Beispiel. Ich habe schon sehr viele verschiedene Aufgaben in unserem Kloster gehabt und dabei auch Talente in mir entdeckt, von denen ich zuvor gar nicht wusste, dass ich sie hatte. Ich war einige Jahre in der Krankenstation eingesetzt, was mir sehr viel Freude gemacht hat und wo ich viel gelernt habe, was ich später bei der Betreuung meiner demenzkranken Schwester gut gebrauchen konnte.

«Später konnte ich dieses Wissen sehr gut gebrauchen.»

Wie ging es weiter?

Rath: Dann war ich einige Jahre Assistentin unserer beiden Hildegardforscherinnen, was nahelag, weil ich unter anderem Geschichte studiert hatte. Auch das war eine interessante Zeit und hat mir die Kenntnisse vermittelt, die ich später, im Jahr 2010/11, als Postulatorin im Heiligsprechungs- und Kirchenlehrererhebungsprozess unserer Klostergründerin Hildegard von Bingen dringend benötigte. 1998 wurde ich Cellerarin unseres Klosters und war damit verantwortlich für die wirtschaftlichen Belange und Betriebe unserer Abtei. Später, als ich die Verantwortung für unsere Klosterstiftung Sankt Hildegard übernahm, konnte ich dieses Wissen sehr gut gebrauchen.

Seit 2020 sind Sie in dem Reformprozess «Synodaler Weg» engagiert…

Rath: Die Bücher zum Thema Frauenpriestertum entstanden und viele Vortragseinladungen und auswärtige Verpflichtungen aller Art folgten, einige davon auch in der Schweiz. Ausserdem habe ich in meinen inzwischen 34 Klosterjahren viele Menschen auf ihrem spirituellen Weg begleitet. Wer also offen ist und bereit, sich immer wieder auf Neues einzulassen, der findet im Kloster tatsächlich einen Talentschuppen, der das Leben spannend hält und ungeheuer bereichert. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass ich wirklich eintrete, um Gott zu suchen und nicht um meine Talente zu fördern. Letzteres ist sozusagen nur «Nebenprodukt» eines geistlichen Berufungsweges.

*Sr. Philippa Rath (67) ist Benediktinerin und lebt in Deutschland. Sie hat Politik, Geschichte und Theologie studiert. Die Ordensschwester ist eine «spätberufene Frauenaktivistin» und setzt sich für Reformen in der katholischen Kirche ein. Kürzlich hielt sie die Wiborada-Rede in St. Gallen.


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https://www.kath.ch/newsd/sr-philippa-rath-ich-habe-hoffnung-dass-weltsynode-sich-fuer-zeichen-der-zeit-oeffnet/