Gästebetrieb im Kloster Disentis und Engelberg boomt: Klassischer Pilger in der Minderzahl

In Klöstern zu übernachten, ist ziemlich hip. Wie eine Umfrage von kath.ch beim Kloster Engelberg und beim Kloster Disentis ergeben hat, sind die Klöster mit Gästen diesen Sommer gut besucht, ja zum Teil ausgebucht. Die Zahl der Übernachtungen hat spürbar zugenommen. Das Gästeangebot bietet persönliche Rückzugsmöglichkeiten in einem spirituellen Rahmen und soll kostendeckend arbeiten.

Wolfgang Holz

Klöster sind die ältesten Gast-Stätten und Herbergen in unserer Region. Für kürzere oder längere Zeit in ein Kloster einzukehren, kann zu einem Erlebnis für Leib und Seele werden. 

Neue Hotelzimmer im Kloster Disentis

Das Kloster Disentis hat im Januar 2017 neue Hotelzimmer im gehobenen Standard eröffnet. Damit erhöht sich die Übernachtungskapazität auf 40 Zimmer beziehungsweise 63 Betten. Bescheidener Komfort ist Trumpf. Frugale Pilger sind nicht der «Zielmarkt».

«Unsere Zimmerpreise bewegen sich zwischen 110 und 130 Franken pro Nacht und Person inklusive Frühstück.»

Michael Mantel, Leiter Hotel Kloster Disentis

«Wir haben keine ausgewiesenen Zimmer, welche ausschliesslich für Pilger zur Verfügung stehen. Es gibt auch keine Pilgerpreise. Unsere Zimmerpreise bewegen sich zwischen 110 und 130 Franken pro Nacht und Person inklusive Frühstück», sagt Michael Mantel, Leiter Hotel Kloster Disentis und Mitglied der Geschäftsleitung, auf Anfrage von kath.ch. Es gebe zwar immer wieder spontane Pilger, welche im Hotel Kloster Disentis übernachten, so Mantel. Der Anteil sei allerdings sehr gering.

Mit Fichtenholz, ohne Fernseher

Dabei sind die in hellem Fichtenholz gehaltenen Zimmer bewusst ohne Fernseher ausgestattet, nichts soll von der Entschleunigung in dieser klösterlichen Atmosphäre ablenken. In der Stiva St. Placi, oder wenn das Wetter es zulässt auf der Sonnen-Terrasse, treffen sich die Gäste täglich von 8 bis 17 Uhr. Das Frühstück oder Vesper wird als reichhaltig angepriesen – mit Klosterprodukten.

«Unser Fokus richtet sich vor allem auf Gruppenreisen und Seminare», erklärt der Kloster-Hotelier. Und das mit offensichtlichem Erfolg. «Wir sind diesen Sommer praktisch komplett ausgebucht von Mai bis Oktober.» Und nicht nur das. Wie Mantel bestätigt, haben die Übernachtungen spürbar zugenommen – allerdings nicht im Bereich der Pilgerreisen. «Von unseren rund 11’000 Übernachtungen pro Jahr sind nicht einmal 50 auf Pilger zurückzuführen.»

«Es gibt auch spontane Anfragen»

Auch im Kloster Engelberg pulsiert das Geschäft mit Gästen im Kloster. Wie Birgit Miller von der Pforte Engelberg, zuständig für Kultur, Gästebetrieb, Tagungen und Konzerte, gegenüber kath.ch erklärt, «sind wir über den Sommer gut besucht. Dabei gibt es auch spontane Anfragen».

Die Übernachtungszahlen haben auch im Kloster Engelberg zugenommen. «Es gibt immer schon stärkere Frequenzen an Gästen bei uns im Kloster», so Miller: An Ostern, in der Sommerferienzeit, an Weihnachten und beim Jahreswechsel. «Darunter befinden sich Stammgäste und verschiedene neue Gäste, die zu uns auch auf Empfehlung kommen.» Der klösterliche Gastbetrieb sei nicht der wichtige Wirtschaftsfaktor, wolle jedoch möglichst Kosten deckend arbeiten.

Mindestens zwei Nächte müssen reserviert werden

Es gibt 15 Einzel- und Doppelzimmer, davon vier Zimmer mit Etagenbad im Kloster Engelberg. Die Kosten für ein Einzelzimmer mit Dusche und Toilette inklusive Vollpension und Kurtaxe betragen 144 Franken pro Nacht, mit Etagenbad 134 Franken pro Nacht.

Das Gästeangebot richtet sich an Menschen, die mindestens zwei Nächte reservieren aber auch an kleine Exerzitiengruppen. Persönliche Rückzugsmöglichkeiten in einem spirituellen Rahmen sind Standard.

Stillschweigend essen

«Der Tagesrhythmus wird von den Gebeten der Mönche in der Klosterkirche bestimmt, daran angeschlossen sind die Mahlzeiten», skizziert Miller den Tagesablauf für die Gäste. «Die Hauptmahlzeiten werden ausser an Sonntagen oder während der Sommerferien ganz benediktinisch im Stillschweigen eingenommen.»

«Das Essen wird gerne lobend erwähnt.»

Birgit Miller, Pforte Kloster Engelberg

Der Gästeverantwortliche Pater Guido Muff begleite mehrheitlich die Gäste und biete auch seelsorgerische Gespräche an. Die Verköstigung für die Gäste sei professionell. Die Klosterküche kocht für die Gemeinschaft, die Stiftsschule und für die Hausgäste. «Das Essen wird gerne lobend erwähnt», meint Miller.


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