Bis in die späte Nacht hupten Autos auf der Strasse: Der Jubel über den grossartigen Erfolg der Schweizer Nati war am Samstag grenzenlos. Einer, der für den Triumph massgeblich mitverantwortlich war, blieb bescheiden und widmete sein Tor dem Himmel.
Wolfgang Holz
Die Schweizer Nati dominierte den EM-Achtelfinal gegen Italien fast schon nach Belieben, hatte das Geschehen über die volle Zeit im Griff – und bejubelte folglich einen hochverdienten 2:0-Erfolg. Und trotz dieses Meisterstücks war anschliessend das meistgenannte Attribut: «Unglaublich!»
So auch von Ruben Vargas, Torschütze des herrlichen 2:0-Treffers unmittelbar nach der Pause: «Ich kann es noch kaum realisieren.» Bei seinem Traumtor habe er im Prinzip einfach nur Befehle ausgeführt, erzählt er. «Granit sagte zu mir: ‹Ruben, bitte mach einfach ein Tor!› Zwei Minuten später habe ich den Ball und höre, wie er sagt, ich solle schiessen. Dann ging alles so schnell.»
Doch nach dem Spiel, im Interview mit SRF, bekannte der 25-jährige Nati-Star, der Sohn einer schweizerisch-italienischen Doppelbürgerin und eines Dominikaners ist und beim deutschen Bundesligisten FC Augsburg spielt, wem er sein wunderschönes Tor zum 2:0 wirklich widmete: «Das Tor ist für meinen Vater im Himmel und für Jesus Christus.» Wie immer hatte er sich nach dem Tor bekreuzigt und einen Gruss gen Himmel gesandt.
In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» hatte Vargas zuvor bekannt: «Ich bin als Christ aufgewachsen, meine ganze Familie ist gläubig. Wobei ich als Kind einfach einiges davon gehört habe – wirklich verstanden habe ich aber nicht viel davon. So richtig zum Glauben fand ich eigentlich erst in Deutschland, durch einen Mannschaftskollegen bei Augsburg, Felix Uduokhai. Er hat mich darauf angesprochen, gefragt, wie viel ich weiss.»
Er habe schon immer gewusst, Gott ist da, so Vargas. Das habe er auch auf Social Media gezeigt. Aber durch Felix habe er viel mehr erfahren. «Er hat mich auch ermuntert, einer christlichen Gemeinschaft beizutreten. Unter der Woche gehe ich ein- bis zweimal in die Kirche. Und es gibt auch Möglichkeiten, Online-Gottesdienste zu verfolgen. Oder eben, die Aktivitäten in der Gemeinschaft. Wir lesen in der Bibel oder singen Worship-Songs. Ich habe dadurch meinen Glauben gestärkt – und Kraft gefunden für mein Leben.»
Während Tausende im Berliner Olympiastadion den Sieg der Nati vor Ort genossen, fieberte derweil Bischof Joseph Maria Bonnemain mit beim Public Viewing in der Calanda Arena in Herzen der Stadt Chur GR: «Hopp Swiiz!!!»
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