Die Pilotstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz hat die Menschen im letzten September aufgeschreckt. Seither sind im Bistum Basel 120 neue Missbrauchsmeldungen eingegangen. Diese bearbeiten zwei Anwaltskanzleien.
Regula Pfeifer
120 Missbrauchs-Meldungen sind seit dem 14. September 2023 bei der Anwaltskanzlei Hess Advokatur AG eingegangen – der Anlaufstelle im Bistum Basel. 28 davon wurden seit dem 5. März gemeldet, nach einem Aufruf des Bistums. Die grosse Mehrheit der Fälle – rund 95 Prozent – beträfen alte, verjährte oder nicht eruierbare Fälle, schreibt das Bistum Basel in einer Mitteilung.
105 Akteneinsichten in Personal- oder Betroffenendossiers, in Pfarrei- oder Ordensdossiers sind demnach vorgenommen worden. Zehn Genugtuungsanträge seien gestellt, drei kanonische Voruntersuchungen initiiert worden, wovon zwei noch laufen. Das Bistum spricht deshalb von einem «Fortschritt in der Aufarbeitung».
Die Anlaufstelle für Missbrauchsmeldungen, die Anwaltskanzlei Hess Advokatur AG, arbeitet laut Mitteilung unabhängig. Sie erstellt pro Meldung ein Dossier, sammelt Informationen mittels «uneingeschränkte Akteneinsicht» und persönlicher Gespräche. Und koordiniert allfällige strafrechtliche, personalrechtliche oder kirchenrechtliche Verfahren beziehungsweise Massnahmen. Die Kanzlei gibt zudem «Handelsempfehlungen an Bischof Felix Gmür» ab. 76 Empfehlungen habe sie inzwischen abgegeben, so die Mitteilung.
Als Erstintervention würden jeweils «personalrechtliche Massnahmen in Zusammenarbeit mit den Anstellungsbehörden umgehend initiiert», heisst es weiter. Dann würden – je nach Empfehlung an den Bischof – eine Strafanzeige, eine kanonische Voruntersuchung oder ein Antrag auf Genugtuung in die Wege geleitet.
Die kanonische Voruntersuchung und die Bearbeitung der Genugtuungsanfragen übernimmt eine zweite Kanzlei: Kellerhals Carrard. Diese arbeitet laut Mitteilung ebenfalls unabhängig. Einige dieser Prozesse seien komplex und zeitintensiv, schreibt das Bistum Basel.
Auch bezüglich Prävention macht das Bistum nach eigenen Aussagen vorwärts. Das Thema Verhaltenskodex wurde präzisiert und ein spezielles Seminar konzipiert.
Sprich: Ein Seminar für Leitungspersonen zum Thema Haltung und Verhalten im Blick auf Nähe und Distanz wurde entwickelt. Leitungspersonen sind fortan zu dessen Besuch verpflichtet, heisst es. Ausserdem werde die Fachstelle Limita ab August freiwilligen Kirchenmitarbeitenden Präventionskurse geben.
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