Mit dem Papier «Der Bischof von Rom» schlägt der Vatikan Neuerungen im Papstamt vor – um Hindernisse zur Einheit der Kirchen zu überwinden. Die evangelischen Kirchen und die christkatholischen Kirche in der Schweiz finden das grundsätzlich gut, melden aber Bedenken an.
Regula Pfeifer
Mit dem Vorschlag zum Papstamt möchte der Vatikan erreichen, dass der Papst künftig von anderen christlichen Kirchen als Ehrenoberhaupt akzeptiert werden könnte. So könnte er etwa konfessionsübergreifend Konzilien einberufen und ihnen vorsitzen. Und bei Disziplinar- und Lehrkonflikten könnte er als Mediator wirken, so die Vorschläge bezüglich Ökumene im Schreiben «Der Bischof von Rom».
«Wir begrüssen klar die Reflexion über das Papstamt», schreibt Daniel Konrad, Bistumsverweser der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Er fügt aber kritisch an: «Die Christkatholische Kirche der Schweiz (und mit ihr die Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union) sind seit jeher der Meinung, dass das Papstamt in seiner jetzigen Ausformung der Macht die Prinzipien der Alten ungeteilten Kirche massiv verletzt.»
Insbesondere die Idee eines päpstlichen Ehrenvorsitzes kommt gut an. «Unserer Konzeption der kirchlichen Ämter würde es sehr entsprechen, wenn der Papst einen Ehrenvorsitz einnimmt», so Konrad. Er schlägt vor, dass der Papst «als Bezugsperson der weltweiten Ökumene und als Brückenbauer für die kirchlichen Beziehungen fungiert. Damit würde auch einer der Gründe für die Spaltung der beiden katholischen Konfessionen angesprochen und möglicherweise langfristig wegfallen.»
«Grundsätzlich begrüssen wir Schritte der Öffnung und der Selbstreflexion über historisch gewachsene Strukturen, besonders wenn sie die ökumenische Einheit behindern», schreibt auch Stephan Jütte von der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz (EKS). Er leitet die Kommunikation und das Kompetenzzentrum Theologie und Ethik. Aber er gibt zu bedenken: «Es muss natürlich geprüft werden, was denn das ‹Primat der Verkündigung und des Zeugnisses› meinen soll.»
Von den Vorschlägen zum Papstamt betroffen sieht sich die EKS allerdings nicht, «weil sie den Papst in keiner Form als eigenes Oberhaupt anerkennt», so Jütte. Gross Änderungsbedarf gebe es gerade für die Schweiz keine. «Die in Aussicht gestellten Gespräche mit anderen Konfessionen laufen in der Schweiz bereits sehr gut, zwischen den römisch-katholischen und den evangelisch-reformierten Vertretern», sagt Jütte.
Der Vorschlag des Vatikans sei in der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) wie auch in den beteiligten Kirchen und Institutionen «bisher kaum oder gar nicht zur Kenntnis genommen worden», schreibt Andi Bachmann-Roth, Co-Generalsekretär der SEA. Der SEA gehören verschiedene evangelische Kirchen und Freikirchen an.
Die SEA habe vor einigen Jahren zu ihrer Haltung zur katholischen Kirche Stellung genommen. Sie habe betont, «dass es trotz vorhandener Differenzen auch bedeutsame gemeinsame Überzeugungen gibt». Problematisch sei jedoch das Papsttum. Dieses bilde einen «erheblichen Lehrunterschied». Und weiter: «Da das Papsttum im Umfeld der Allianz keine Autorität geniesst, ist es schwer vorstellbar, wie der neu formulierte Vorschlag, der dem Papst im Miteinander eine Sonderrolle zuschreibt, zu einem herzlicheren und engeren Miteinander führen könnte.»
Das scheint eine vorläufige Einschätzung zu sein. Denn Bachmann-Roth fügt an, der Vorschlag auf dem Vatikan müsse nun erst einmal in die interne Diskussion einfliessen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant