Theologische Hochschule Chur bringt Kirchen und Tourismus an einen Tisch

Medienmitteilung:

50 Personen waren am vergangenen Mittwoch der Einladung des Pastoralinstituts der TH Chur in die Paulus Akademie nach Zürich gefolgt. Gemeinsam mit dem Verein Kirchen und Tourismus Schweiz wurde die Netzwerktagung «Zwischen Kultur und Spiritualität: Religion als Phänomen im Tourismus» veranstaltet.

Die Tagung, die im grossen Saal Korinth der Paulus Akademie begann, beeindruckte zunächst mit einem bunten und höchst vielfältigen Spektrum an Institutionen, Vereinen und Initiativen, die an der Schnittstelle von Kirchen und Tourismus aktiv sind: Der Walliser Tourismuspfarrer war ebenso nach Zürich gereist wie die kantonale Kulturbeauftragte aus dem Aargau. Die Wanderleiterin sass neben dem Künstler, der sakrale Lichtatmosphären herstellt, der Kirchenführer aus dem Engadin neben der Tourismusseelsorgerin aus Lausanne. Der Pilgerpater aus dem Kloster Einsiedeln traf auf die Museumsdirektorin von Müstair, der Pastoraltheologe aus Luzern diskutierte mit dem Graubündner Gemeindepräsident über die neue Autobahnkapelle in Andeer. Während der Beauftragte für Velowegkirchen aus dem Berner Jura sich über die Pilgerherberge St. Gallen informierte, tauschte sich der Kreuzfahrtseelsorger aus Zürich mit einem Reiseveranstalter über die Situation im Nahen Osten aus.

Nach dem Grusswort des Vereinspräsidenten Pfr. Michael Landwehr eröffnete von Seiten der TH Chur Prof. Christian Cebulj als Leiter des Forschungsprojekts «Religion-Kultur-Tourismus» die Tagung. Er betonte die gemeinsamen ideengeschichtlichen Wurzeln von Religion und Reisen. Schon in den ältesten antiken Reisegeschichten schrieben Menschen sich das Fernweh von der Seele. Heute seien Kathedralen, Klöster und Kirchen Hotspots des Kulturtourismus. Ebenso sei für die theologische Forschung bedeutsam, dass Spiritualität beim Pilgern und im Gesundheits- und Naturtourismus eine wichtige Rolle spiele. Mit drei Inputs wurde die breit gefächerte Tagungsthematik exemplarisch vertieft: Selma Mahlknecht, Schriftstellerin und Dramaturgin aus Zernez, erzählte von «Gipfelstürmern und Heimwehmenschen» und zitierte auf ebenso amüsante wie nachdenkliche Weise Passagen aus ihrem lesenswerten Buch «Berg and Breakfast» von 2021. Elke Larcher gab als Direktorin des Museumsbetriebs Stiftsbezirk St. Gallen interessante Einblicke in den Alltag dieser UNESCO Welterbestätte und zeigte die Chancen und Grenzen des Kulturtourismus auf. Schliesslich nahm der Theologe und Journalist Norbert Bischofberger das Publikum mit auf eine virtuelle Reise entlang seiner SRF-Doku ‹Spirituelle Wege in der Schweiz› von den Beatushöhlen über die Via Francigena zum Grossen St. Bernhard. Dabei legte er ein Plädoyer für das Gehen als Form der Förderung von Kreativität und Spiritualität ab.

Am Nachmittag boten verschiedene Workshops Einblicke in aktuelle Best-Practice-Projekte: Rolf Maegli (Luzern) vom Verein Sakrallandschaft Innerschweiz berichtete von neuen Formaten der Kulturvermittlung für ein jüngeres, kirchenfernes und urbanes Publikum. Unter dem Titel «Mit dem E-Bike zwischen Himmel und Erde» beschrieb Ralph Marthaler von der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn das Projekt Velowegkirchen entlang der Schweizer Herzroute. Aus der Westschweiz skizzierten Katia Cazzaro Thiévent (Lausanne) und Joëlle Walther (Genf) die Elemente ihrer Kirchenführerausbildung: «Visites d’églises: patrimoine cuturel, artistique ou cultuel?» und zeigten interessante Kooperationen zwischen kirchlichen und kantonalen Partnern zugunsten des Kulturtourismus wie des Spirituellen Tourismus auf. Pfarrer Jens Köhre (Flims) und der ehemalige Gemeindepräsident Hans Andrea Fontana (Andeer) stellten die Pläne für die neue Autobahnkapelle an der A 13 vor, die von den Basler Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gebaut werden soll. Eine Podiumsdiskussion rundete die Tagung ab, an deren Ende der Wunsch vieler Beteiligter stand, die Vernetzung zwischen Kirchen und Tourismus unbedingt bald auszubauen und zu vertiefen. Die Tagung, die vom Synodalrat der Katholischen  Kirche im Kanton Zürich unterstützt wurde, moderierten Prof. Dr. Christian Cebulj und Anna-Lena Jahn (BA Tourismus, MA Religion-Wirtschaft-Politik) vom Forschungsprojekt Religion-Kultur-Tourismus der TH Chur. Es war die einhellige Meinung der Beteiligten, dass ein solches Netzwerktreffen regelmässig wiederholt werden sollte.

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