Sterben gehört hier zum Business as usual: Ein Blick hinter die Kulissen eines Bestattungsinstituts zeigt, wie bunt diese Aufgabe sein kann. Eine religiöse Feier ist heute allerdings eher die Ausnahme.
Magdalena Thiele
Die Beschäftigung mit dem Tod – dem eigenen oder den nahestehender Personen – ist für viele Menschen mit Angst und anderen unangenehmen Gefühlen verbunden. Für Karin Koch Sager ist es etwas ganz Alltägliches. Seit 1999 führt sie in dritter Generation das Bestattungsinstitut Koch in Wohlen im Aargau.
«Wir haben unsere Räumlichkeiten bewusst in hellen Farbtönen gehalten», erzählt sie und zeigt auf das stilisierte Birkenwäldchen vor der zart Limoncello-farbigen Wand im Aufbahrungsraum. «Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen, den Schrecken vor dem Tod nehmen.»
Zumindest diejenigen, die heute zum Tag der offenen Tür nach Wohlen gekommen sind, scheinen wenig Berührungsängste mit der Thematik zu haben. Einige sind bereits Kundinnen und Kunden und haben ihre Bestattung schon vorausgeplant. «Wir haben einen Kunden, der möchte in einer FC-Bayern-Urne beigesetzt werden», sagt Karin Koch. «Die Urne ist schon gefertigt. Wenn es möglich ist, versuchen wir, jeden Wunsch zu erfüllen. Auch die Hinterbliebenen haben ganz individuelle Bedürfnisse.» Zu ihrem Beruf gehöre deshalb auch eine grosse Portion Einfühlungsvermögen.
Die entsprechende Auswahl an Urnen-Typen steht jedenfalls bereit – in grossen Schaufenstern, sodass man sie von der Hauptstrasse aus gut sehen kann. Auch das sei eine bewusste Entscheidung gewesen beim Umbau des alten Bauernhauses, indem Koch und ihre sieben Geschwister aufgewachsen sind. Die Eltern bewirtschafteten den Hof, betrieben ein Fuhrunternehmen und organisierten Bestattungen. Heute dreht sich hier alles um die letzte Reise. Die beiden Unternehmungen sind längst eigenständig geworden.
So ist Platz geworden für einen modernen Sektionstisch, ein Särge-Lager und in der oberen Etage für eine grosszügige Trauerhalle – in Pastelltönen gehalten und mit der gleichen grossen Fensterfront wie im Erdgeschoss. «Auf Schwarz haben wir bewusst verzichtet», betont Karin Koch noch einmal. «Eine Trauerfeier ist schliesslich auch eine Feier – zu Ehren des Verstorbenen.»
Aus Erfahrung weiss sie: «Es ist sinnvoll, die Kinder der Familie mit in den Abschiedsprozess einzubeziehen. Wir bieten deshalb an, dass die Sargdeckel vor der Kremation gemeinsam mit den Kindern bemalt und gestaltet werden. Wenn sie wissen, was hier drinnen vor sich geht, macht ihnen das viel weniger Angst. Ansonsten bleibt Raum für schreckliche Phantasien.»
Auch die Kinder von Karin Koch wurden durch den Beruf der Mutter früh mit dem Thema Sterben konfrontiert. Sie sei es gewohnt, dass schon ihre Klassenkameraden zu Schulzeiten sehr unterschiedlich darauf reagiert haben, erinnert sich Simone Koch. Für die junge Mutter war auch deshalb nicht immer klar, dass sie einmal den Betrieb übernehmen werde.
Heute ist das anders. «Es ist ein wunderbarer Beruf. Das Schönste ist die Dankbarkeit, die einem von den Hinterbliebenen entgegengebracht wird», sagt Simone Koch. Die Freude an dem Beruf ist eine der Dinge, die sich in vier Generationen nicht geändert haben. Eine Sache sei aber heute deutlich anders als früher, sagt Simone Koch: «Die Nachfrage nach religiösen Zeremonien und kirchlichen Feiern hat deutlich abgenommen.»
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