Borussia Dortmund und der Rüstungs-Deal: «Moral im Fussball ist ein absolutes Stiefkind»

Gehört Borussia Dortmund nun plötzlich zu den «Bösen» im Fussball? Seit bekannt geworden ist, dass der sympathische Ruhrpottverein mit seinen so tollen und leidenschaftlichen Fans einen neuen Sponsoring-Vertrag mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall abgeschlossen hat, scheint die Welt verkehrt. Wie sieht dies der reformierte Pfarrer Josef Hochstrasser (77) – seit über drei Jahrzehnten begeisterter Fan von Gelb-Schwarz und Freund von Trainerlegende Ottmar Hitzfeld?

Wolfgang Holz

Morgen findet das Fussball-Championsleague-Endspiel zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion statt – und der Schweizer Gregor Kobel steht im Tor. Auch die schweizerischen Fussballlegenden Stéphane Chapuisat und Alex Frei kickten früher schon äusserst erfolgreich für Gelb-Schwarz und schossen viele Tore.

Rheinmetall profitiert vom Ukraine-Krieg

Waren den Dortmundern bis jetzt als «Underdog» in diesem morgigen Duell fast sämtliche Sympathien sicher, ist der deutsche Ruhrpottverein plötzlich ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Es wurde nämlich jüngst bekannt, dass der «Arbeitermaloche-Fussballclub» ab nächste Saison vom deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall gesponsert wird.

Nun hagelt es Kritik von allen Seiten. Rheinmetall, das auch Produktionsniederlassungen in der Schweiz hat, profitiert enorm vom Ukraine-Krieg, indem es dorthin Munition und Kriegsmaterial liefert.

Handelt Borussia Dortmund durch diesen Sponsoring-Vertrag mit der deutschen Waffenschmiede nicht moralisch verwerflich? Zumal der Verein noch vor nicht allzu langer Zeit mit «Stop War»-Plakaten und -Parolen klar gegen den Krieg Stellung bezogen hat.

«Abartig», «Ekelhaft»

Unter dem Verkündungspost des BVB auf X etwa zeigen sich viele Fans des Klubs enttäuscht und sauer. «Abartig», heisst es da zum Beispiel, «Schämt euch» oder «Ekelhaft». An anderer Stelle auf X schreibt eine Userin «Das war›s dann» über einem Screenshot der Mail mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft.

Ein anderer Nutzer verpackt seine Kritik in einer Fotomontage: Auf einem Banner, das BVB-Profis halten, steht nicht mehr «Stop War», sondern «Bitte macht mit dem Krieg nun doch weiter, denn wir verdienen in Zukunft daran kräftig mit. Liebe Grüsse und fröhliches Abknallen. HEJA BVB.»

Josef Hochstrasser*, trotz seiner 77 Jahre noch aktiver reformierter Pfarrer in Steinhausen ZG und seit seiner Freundschaft mit der Trainerlegende Ottmar Hitzfeld schon 33 Jahre lang BVB-Fan, stösst ins selbe Horn. Er bedauert diesen Sponsoring-Vertrag ebenfalls.

«Ich finde es schade, dass dieser Vertrag zustande gekommen ist.»

Josef Hochstrasser, Pfarrer

«Das Angebot hätte Borussia nicht annehmen sollen. Ich finde es schade, dass dieser Vertrag zustande gekommen ist. Ich sehe das auch so», sagt er. Er versichert auch, dass er es schäbig und unmoralisch finde, dass Geld offenbar an oberster Stelle für den Verein stehe.

Biographie über Hitzfeld geschrieben

Gleichzeitig stellt er aber fest: «Es ist leider so, dass die Moral im Fussball ein absolutes Stiefkind ist, und es keine klaren Grenzen für moralisches Verhalten oder Fehlverhalten gibt», so der 77-Jährige, der sich schon oft in der Vergangenheit Fussballspiele des BVB im Westfalenstadion angeschaut hat. Der Aargauer Geistliche Josef Hochstrasser hat auch eine Biographie über den berühmten Fussballcoach und Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld geschrieben.

Zudem verhehlt Hochstrasser nicht, «dass im Fussball eben das Geld an erster Stelle steht.» Ein Verein wie Borussia Dortmund, der übrigens seit Jahren schon an der Börse notiert ist, brauche eben Geld, um ökonomisch im teuren Fussballgeschäft auf hohem Niveau mithalten zu können. Das Geld habe den Fussball deshalb wie der Teufel im Griff.

Fussball und die Lockrufe des Geldes

Fakt ist, auch andere Fussballvereine sind dem Lockruf des Geldes verfallen. 15 Jahre lang hatte etwa Dortmunds «Revierrivale» FC Schalke 04 «Gazprom» als Sponsor-Name auf dem Trikot stehen. Gazprom ist bekanntlich der staatliche russische Gaskonzern, der nach den Wünschen von Putin agiert. Nachdem Putin aber in der Ukraine einmarschiert war, kündigte Schalke den Vertrag vorzeitig. Nicht zuletzt auf Betreiben der Fans.

Das Logo des Rüstungsunternehmens Rheinmetall, von dem Borussia drei Jahre lang einen hohen einstelligen Millionenbetrag für Bandenwerbung kassiert, wird zwar nicht auf den Trikots von Borussia Dortmund erscheinen. Aber bereits morgen beim Championsleague-Final in London wird das Logo des Rüstungskonzerns im Wembley-Stadion zu sehen sein.

Für Sicherheit und Verteidigung der Demokratie

Der Präsident von Borussia Reinhold Lunow argumentierte inzwischen, es gehe nicht nur um Geld, sondern auch darum, dass man als Bundesligaverein die Diskussion darüber anstossen wolle, was für die Sicherheit Deutschlands nötig sei. Sicherheit und Verteidigung seien elementare Eckpfeiler der Demokratie. Man müsse sich damit beschäftigen, wie man diese schütze.

*Nach seiner Heirat als katholischer Priester und der Amtsenthebung durch den damaligen Bischof ist Josef Hochstrasser seit 1989 reformierter Pfarrer.


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https://www.kath.ch/newsd/borussia-dortmund-und-der-ruestungs-deal-moral-im-fussball-ist-ein-absolutes-stiefkind/