Missbrauch und dessen Vertuschung sind mitverursacht von missbrauchs- und vertuschungsbegünstigenden Faktoren in der Struktur und Kultur der Katholischen Kirche. Dieser Aspekt fehle im Massnahmenkatalog, schreibt Mentari Baumann, Geschäftsführerin Allianz Gleichwürdig Katholisch, in einem Kommentar.
Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Römisch-katholische Zentralkonferenz (RKZ) und die Konferenz der Ordensgemeinschaften der Schweiz (Kovos) haben am Montag berichtet, wie es betreffend Massnahmen gegen Missbrauch und dessen Vertuschung steht.
Die Allianz Gleichwürdig Katholisch (AGK) würdigt die bereits getane Arbeit: Die vielen Gespräche und Abklärungen und die Verpflichtung der Katholischen Kirche Schweiz, in den kommenden Jahren die Umsetzung von Massnahmen gegen sexualisierten Missbrauch und dessen Vertuschung prioritär zu behandeln. Positiv würdigt die AGK insbesondere den Einbezug von externen Fachpersonen; der ausserkirchliche Blick ist eine Chance, Co-Klerikalismus und Corps-Mentalität zu erkennen und zu eliminieren.
Dass die Umsetzung der jeweiligen Massnahmen in einen Zeithorizont gestellt wird, ist begrüssenswert. Trotzdem betont die AGK, dass die Zeit drängt. Für die Betroffenen, aber auch für die Glaubwürdigkeit der Kirche ist ein rascheres Vorgehen dringend notwendig.
Missbrauch und dessen Vertuschung sind nicht nur abhängig von Individuen und deren Entscheidungen. Sie sind mitverursacht von missbrauchs- und vertuschungsbegünstigenden Faktoren in der Struktur und Kultur der Katholischen Kirche. Dieser Aspekt fehlt im Massnahmenkatalog. Worum es sich dabei handelt, ist unten angeführt.
Die AGK hat bereits im Nachgang der Veröffentlichung der Resultate der Pilotstudie gefordert, dass die systemischen Ursachen von Missbrauch im kirchlichen Umfeld benannt werden. Dafür müssen alle Missbrauch und Gewalt begünstigenden Faktoren, wie kirchliche Mentalitäten und Strukturen, sowie theologische Inhalte und deren Wirkungsgeschichte untersucht und der Dialog mit Betroffenen – insbesondere im Rahmen des nationalen und internationalen synodalen Prozesses – weiterhin konsequent gesucht werden. Nur wenn missbrauchs- und vertuschungsbegünstigende Faktoren erkannt werden, kann eine Veränderung passieren.
Die AGK wiederholt an dieser Stelle zudem die Kritik der Betroffenenorganisation IG M!kU (IG Missbrauch im kirchlichen Umfeld), die Teil der Projektgemeinschaft AGK ist: Aktuell fehlt die Betreuung von Betroffenen, die sich bei den Betroffenenorganisationen gemeldet haben. Zudem gibt es Fälle, die heute aufgrund von ungeklärten Fragen nicht aufgearbeitet werden können. Für die IG M!kU ist eine raschere Umsetzung essenziell.
Der spirituelle Missbrauch fehlt in den Konzepten. Die IG M!kU wünscht sich, dass dies in die Massnahmen einfliesst «denn das ist der Nährboden für sexuellen Missbrauch».
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