Der Ex-Kommandant der Schweizergarde, Daniel Anrig, soll einen Mann mit einer laufenden Kettensäge bedroht haben. Im Prozess wurde ihm «fehlende Empathie und Selbstzentriertheit» diagnostiziert.
Jacqueline Straub
Daniel Anrig, Ex-Kommandant der Schweizergarde, musste sich am heutigen Mittwoch vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Er soll im November 2022 den Ex-Partner der Mutter der gemeinsamen Tochter mit einer Kettensäge bedroht haben.
Im Prozess zitierte die Richterin ein psychiatrisches Gutachten von Daniel Anrig. Dieses attestiert narzisstische und zwanghafte Anteile, «sowie fehlende Empathie und Selbstzentriertheit, insbesondere, wenn es um die Durchsetzung von Entscheidungen geht».
Auf die Frage der Richterin, ob Daniel Anrig, der im Kampf und mit Waffen ausgebildet ist, wirklich so verängstigt war, dass er zur Motorsäge greifen müsse, sagte er: «Ich habe gelernt, dass man sich bewaffnen muss, wenn man bedroht wird», zitiert ihn der Blick-Newsticker.
Daniel Anrig soll nur 1,5 Meter von dem Mann entfernt mit der Kettensäge geschwenkt haben. Die Klinge ist 50 Zentimeter lang. Der Mann bezeichnet den Moment als «Horror». Noch heute soll er Angst- und Panikattacken haben und unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Und: Er habe Angst um seine Kinder.
Nachdem der Mann ihn angezeigt hatte, machte auch Anrig eine Anzeige gegen ihn: Wegen Drohung. Vor Gericht forderte der Mann von Daniel Anrig eine Genugtuung in Höhe von 9000 Franken. Ebenso eine Entschädigung von 22’000 Franken, und Anrig soll die Verfahrenskosten bezahlen müssen.
Der Kettensäge-Attacke ging ein Streit voraus: zwischen Daniel Anrig und der Mutter seines Kindes. Streitereien gab es zwischen den beiden häufig. Auch im Chat. Dort soll er geschrieben haben, dass er sich umbringe. Daniel Anrig sehe sich als «Opfer», so die Frau.
Das ist nicht das erste Mal, dass der Ex-Kommandant der Schweizergarde auffällig wurde: Er stand bereits in der Vergangenheit wegen Stalking vor Gericht. Er soll seiner Ex-Geliebten und Mutter eines gemeinsamen Kindes mit dem Tod und seinem Suizid gedroht haben, nachdem sie ihn verlassen hatte.
Zurück zum aktuellen Vorfall: Vor etwa fünf Jahren lernte die Frau Daniel Anrig kennen. Sie waren Nachbarn. Eine Beziehung haben die beiden nie geführt. Sie wollte per Samenspende ein Kind von ihm, wie sie gegenüber dem Gericht sagte. Auch sagte sie, dass Anrig sich gewünscht habe, dass mehr zwischen den beiden ist.
Die Frau berichtete vor Gericht, dass Daniel Anrig immer wieder übergriffig geworden sei – aber niemals körperlich. Wenn sie ihn gebeten habe, zu gehen, sei er geblieben. Die Frau glaubt, dass Anrig eine «Störung» habe. Die Frau gab vor Gericht an, dass Daniel Anrig versuchte, ihre Kinder gegen ihren Ex-Partner aufzubringen.
Gleichzeitig habe Daniel Anrig nicht nur Zeit mit seiner leiblichen Tochter verbracht, sondern auch auf das ältere Kind der Frau aufgepasst, das nicht von Anrig stammt. Er lasse es nicht zu, dass jemand anders auf das Kind aufpasse, so die Frau vor Gericht. Weswegen er das ältere Kind mit in die Ferien nahm.
Anrig sagte vor Gericht, dass er seit dem Vorfall nicht mehr zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden. Und, dass er dem Ex-Partner nie Angst einjagen wollte. «Es ist absurd, dass ich meiner allerliebsten Tochter und ihrer Mutter etwas antun wollte», zitiert ihn der «Blick».
Die Anwältin von Anrig sprach in ihrem Plädoyer davon, dass er zu keinem Zeitpunkt die Kettensäge gegen jemanden einsetzen wollte. Nicht gegen die Frau, den Mann oder das Kind. «Nicht einmal gegen die Nachbarkatze!» Die Verteidigerin plädierte auf einen Freispruch und forderte eine Entschädigung von 300 Franken für jeden Hafttag. Daniel Anrig verbrachte knapp drei Monate in Untersuchungshaft. Ebenso soll er für den Reputationsschaden mit 180’000 Franken entschädigt, und die Anwaltskosten in Höhe von 64’000 Franken sollen übernommen werden.
Wann das Urteil verkündet wird, steht noch nicht fest. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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