«Muss den Gürtel jetzt zwei Löcher enger schnallen»: Chorherr Gilles Roduit nach seinem Hungerstreik

Fünf Tage lang befand sich Chorherr Gilles Roduit aus dem Bistum Sitten im Hungerstreik – um für seine Rehabilitation als Priester zu kämpfen. Ihm war Missbrauch vorgeworfen worden, und er war deshalb seines Amtes als Pfarrer und Dekan enthoben worden. Nun hat das Bistum reagiert, und er darf wieder als Priester tätig sein. Im Interview mit kath.ch sagt er, wie es ihm geht.

Wolfgang Holz

Herr Roduit, wie geht es Ihnen nach Ihrem Hungerstreik?

Gilles Roduit: Es geht mir sehr gut. Ich habe ja nur fünf Tage lang nichts gegessen. Das war nicht so schlimm. Ich musste ja währenddessen auch die ganze Zeit viel nachdenken.

Aber haben Sie nicht ein paar Kilos verloren?

Roduit (lacht): Ich weiss es nicht. Abzunehmen war nicht das Ziel meines Hungerstreiks. Gleichwohl muss ich jetzt den Gürtel wohl erst einmal um zwei Löcher enger schnallen. Ich habe viel Tee getrunken. Schlimmer war für mich vielmehr die Zeit von fünf Monaten und fünf Tagen, die ich warten musste, bis ich wieder als Priester endlich rehabilitiert worden bin.

Wie meinen Sie das?

Roduit: Es war einfach für mich schrecklich, so lange warten zu müssen, bis man mir jetzt wieder erlaubt hat, Priester zu sein. Ich konnte es nicht mehr aushalten und sagte mir deshalb: Jetzt ist es fertig. Ich fühlte, dass ich keine Wahl mehr hatte – und mir nichts mehr Anderes übrigblieb, als den Weg in den Hunger zu gehen.

«Im Augenblick erhalte ich noch kein Gehalt und wohne wieder in der Pfarrei.»

Sie dürfen ja jetzt wieder Priester sein, aber nicht mehr Dekan. Schmerzt Sie das?

Roduit: Nein, ich bin zuerst Priester. Die Gläubigen in der Pfarrei in Saint Maurice haben mich wirklich vermisst und darunter gelitten, dass ich sie nicht mehr als Seelsorger betreuen konnte. Andererseits respektiere ich jetzt, wenn ich nun wieder als Priester zu arbeiten beginne, wenn Gläubige die Beichte bei einem anderen Priester empfangen wollen. Oder wenn Gläubige einen anderen Priester wählen für eine Beerdigung. Die Pfarrei war im übrigen jetzt sechs Monate lang ohne Dekan, und erst im Herbst wird wohl ein neuer Dekan sein Amt antreten.

Und von was leben Sie jetzt?

Roduit: Im Augenblick erhalte ich noch kein Gehalt und wohne wieder in der Pfarrei. Ich verfüge noch über Ersparnisse. Ich hoffe natürlich, dass ich irgendwann wieder für meine Arbeit bezahlt werde.

Und wie ist Ihre Stimmung momentan grundsätzlich – nach dem Missbrauchsverdacht, nach Ihrer Amtsenthebung, nach den Medienenthüllungen?

Roduit: Ich kann sagen, dass mir die Medien zum einen geschadet haben durch die Berichterstattung über meinen Fall. Zum anderen habe ich den Medien auch zu verdanken, dass ich durch ihre schnelle und intensive Reaktion auf meinen Hungerstreik jetzt wieder als Priester arbeiten darf. Dafür bin ich sehr dankbar.


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