Das Waadtländer Kantonsgericht hat am 2. April das Urteil gegen den ehemaligen Vizepräsidenten der römisch-katholischen Kantonalkirche Waadt (Fedec) bestätigt. Der 50-Jährige wurde wegen Korruption, schwerer ungetreuer Geschäftsbesorgung und Geldwäsche schuldig gesprochen. Das Gericht setzte die Haftstrafe jedoch auf 24 Monate bedingt herab.
Der Angeklagte hatte Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. Dieses hatte ihn zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, davon ein Jahr unbedingt. Der fehlbare Katholik hatte auf einen Freispruch gehofft, doch die Kantonsrichter bestätigten alle Anklagepunkte.
Dank der Reduzierung der Strafe von 30 auf 24 Monate entgeht der Mann jedoch voraussichtlich einer Gefängnisstrafe. Denn die zwei Jahre bedingt sind mit einer vollständigen Bewährungsstrafe vereinbar, wie die Tageszeitung «24heures» schreibt.
«Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Strafe bereits abgemildert ist, aber wir sind immer noch nicht zufrieden mit dem Urteil», sagte sein Verteidiger Astyanax Peca. «Wir werden voraussichtlich vors Bundesgericht ziehen».
Der Angeklagte wurde für schuldig befunden, seine Position ausgenutzt zu haben, um Zehntausende von Franken zu veruntreuen, indem er gegen verdeckte Provisionen Umbauarbeiten an einem Gebäude am Boulevard de Grancy in Lausanne vergab.
Die Renovierung des Gebäudes zwischen 2016 und 2018 kostete fast 6 Millionen Franken. 87’000 Franken wurden auf diese Weise unrechtmässig erlangt, 80’000 davon flossen direkt in die Tasche des 50-Jährigen.
Die Verurteilung der vier anderen beteiligten Männer wurde hingegen verschärft: Alle, auch ein in erster Instanz freigesprochener Angeklagter, werden nun der Bestechung für schuldig befunden. «Die Staatsanwaltschaft ist sehr zufrieden, dass der stark umstrittene Tatbestand der Bestechung bei allen Beteiligten als erfüllt angesehen wurde», kommentierte Staatsanwalt Anton Rüsch.
Cédric Pillonel, Generalsekretär der Fedec, sagt über den Prozess: «Am Ende dieses Verfahrens bleibt dennoch ein Gefühl des Verrats und die Enttäuschung darüber, dass in einem Umfeld, in dem sich Menschen ehrenamtlich engagieren, einige Menschen Hintergedanken haben, die überhaupt nicht wohlgemeint sind.» (cath.ch/Adaption: rp)
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