Ostern bedeutet, dass das Leben weitergeht, sagt der Basler Bischof Felix Gmür. Frust und Geschrei sind nicht das Ende – obwohl es manchmal nötig ist. Auch wenn es viele gute, engagierte Menschen gibt, ist es Gottes Aufgabe, eine gute Welt zu machen. «Ich finde, er sollte da etwas sichtbarer werden.»
Jacqueline Straub
Wie feiern Sie dieses Jahr Ostern?
Bischof Felix Gmür*: Ich bin in der Osternacht in einer Pfarrei im Bistum. Und am Ostersonntag bin ich in Arbon und feiere zusammen mit der Pfarrei und der Missione Cattolica. Darauf freue ich mich.
Sie leben in einer Priester-WG. Feiern Sie zusammen das Osterfest?
Gmür: Da ich unterwegs bin, wird das nicht gehen. Aber vielleicht treffe ich Weihbischof Josef Stübi um Mitternacht – er feiert in der Solothurner Kathedrale – zum Eiertütschen.
«Auch der Frust ist nicht das Ende.»
Was bedeutet Ihnen Ostern?
Gmür: Ostern bedeutet für mich, dass es mit dem Leben weitergeht. «Avanti» würde der Papst sagen. Und ich sage: Es gibt kein Ende. Auch der Frust ist nicht das Ende. Manchmal ist er nötig. Auch das Geschrei ist manchmal nötig. Aber es geht weiter. Ich fühle da eine Dynamik. Ich bin ein Fan des Ostermorgens, an dem die Menschen auch zweifeln.
Wie blicken Sie auf Ostern im Angesicht der vielen Kriege und Konflikte in der Welt?
Gmür: Diese Kriege, die lassen mich zwischendurch fast verzweifeln und drücken mich nieder. Vor allem dann, wenn ich an persönliche Schicksale denke.
«Ich habe auch eine Erwartung an Gott.»
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Gmür: Ein guter Mensch, der das macht, was er kann, gibt mir Hoffnung. Ein einziger guter Mensch macht die Welt schon besser. Gleichzeitig zeigt es mir auch, dass wir die Welt nicht retten können. Auch mit den besten Ideen und dem meisten Geld schaffen wir das nicht. Das ist der Job von Gott. Ich finde, er sollte da etwas sichtbarer werden. Ich habe auch eine Erwartung an Gott.
Sie zweifeln also auch manchmal?
Gmür: Ja. Es ist furchtbar, was in der Welt passiert.
*Felix Gmür ist Bischof von Basel.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant