Weihbischof Josef Stübi: «Die Kirche muss sich erneuern und sich in manchen Punkten ändern»

Der Basler Weihbischof Josef Stübi würde es begrüssen, wenn kontinentale Bischofskonferenzen mehr Entscheidungskompetenzen erhalten würden. Etwa bei der Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt oder von Frauen zur Weihe. «Man kann den Zeitpunkt auch verpassen», sagt er in Blick auf Reformen.

Jacqueline Straub

Die Kirche habe es zurzeit nicht leicht. Dennoch habe sie Zukunft, sagt der Basler Weihbischof Josef Stübi im Interview mit dem «Willisauer Bote».

Mit Blick auf den zweiten Teil der Weltsynode habe der Weihbischof «grosse Hoffnung» und zeigt sich zuversichtlich, dass einiges in Bewegung kommen werde. «Die Kirche muss sich erneuern und sich in manchen Punkten auch ändern. Diese Entwicklung versuche ich nach meinen Möglichkeiten zu unterstützen.»

Ungleichzeitigkeiten in der Kirche

«Wir befinden uns bei der Bearbeitung verschiedener Fragen weltweit in Ungleichzeitigkeiten», sagt Weihbischof Josef Stübi. Ihm wurde das in der Einführungswoche für die neuen Bischof im vergangenen Herbst in Rom bewusst.

«Für die Zukunft der Weltkirche könnte es hilfreich sein, Entscheidungskompetenzen für den Weg und den Zeitpunkt von Neuerungen beispielsweise in die Hand der kontinentalen Bischofskonferenzen zu legen. So zum Beispiel bei uns die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt oder von Frauen zur Weihe.»

Der Weihbischof hofft, dass die Weihe von Diakoninnen bald möglich sein werde. «Man kann den Zeitpunkt auch verpassen, dies habe ich ebenfalls aus dem Studium der Geschichte gelernt.»

Dass die Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die im Herbst 2023 erschienen ist, massive Reaktionen hervorbringen wird, war dem Weihbischof bewusst. «Dass sie derart heftig ausfallen würden, hat mich trotz meinem grossen Verständnis überrascht. Die Kommunikationsart mancher Medien wirft für mich Fragen auf.» Vielmehr wäre ein «differenzierterer Umgang mit der Thematik» angebracht. Im Bistum Basel werde seit Jahren «eine Kultur der besonderen Achtsamkeit gepflegt», so der Weihbischof.

Weihbischof Josef Stübi hätte gerne ein Rezept gegen die Kirchenaustritte. Eine Trendwende sei nur möglich, wenn die Kirche wieder dem Wohlergehen der Menschen diene und als lebendige Gemeinschaft wahrgenommen werde.


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