Schule in Altdorf streicht Gottesdienste für Primarschüler

Schulmessen haben eine lange Tradition in Altdorf UR. Sie sind Teil des offiziellen Stundenplans – noch. Ab dem neuen Schuljahr wird sich dies für die Primarschülerinnen und -schüler ändern. Die Kirche plant ein alternatives Angebot, zum Beispiel eine Schuleröffnungsfeier, bei der die Schultaschen der Kinder gesegnet werden.

Barbara Ludwig

Walter Arnold (55) ist in Altdorf aufgewachsen. Die Schulgottesdienste hätten eine lange Tradition im Hauptort des Kantons Uri, sagt der Diakon auf Anfrage von kath.ch. «Das weiss ich aus Gesprächen mit älteren Menschen.» Was sich verändert habe im Laufe der letzten Jahrzehnte, sei die Regelmässigkeit dieser Gottesdienste. «Als ich in den 1970er Jahren zur Schule ging, fand ein Mal pro Woche ein Schulgottesdienst statt», sagt Walter Arnold, der bei der katholischen Kirche arbeitet.

Jede fünfte Woche ein Schulgottesdienst

Zurzeit feiern die Primarschülerinnen und Primarschüler der zweiten bis sechsten Klasse noch jede fünfte Woche einen Schulgottesdienst, jeweils an einem Freitag. Insgesamt seien es zwischen sechs und sieben Gottesdienste pro Klasse und Schuljahr, so der Diakon. Die Gottesdienste finden während der Unterrichtszeit statt, obwohl sie nicht Teil des Lehrplans sind, heisst es in einem Bericht der «Luzerner Zeitung» vom Mittwoch.

Die Gottesdienste in der Kirche St. Martin beginnen um halb acht Uhr morgens. Die Distanz zwischen Kirche und den drei Primarschulhäusern von Altdorf beträgt zwischen 400 und 500 Meter, das sind fünf bis zehn Gehminuten.

«Die Kinder, die die Gottesdienste besuchen, müssen um viertel nach acht Uhr in der Schule sein», sagt Walter Arnold. Für Kinder mit einer anderen Konfession oder ohne Konfession bietet die Schule in Zusammenarbeit mit der Pfarrei während des Gottesdienstes ein Betreuungsangebot an, schreibt die Zeitung.

Schüler müssen «sich umstellen»

Dem Bericht zufolge werden ab dem Schuljahr 2024/25 die Schulgottesdienste für Primarschülerinnen und -schüler entfallen. «Der Aufwand für einen Schulgottesdienst beschränkt sich nicht auf 35 Minuten», sagt der Gesamtschulleiter von Altdorf, Andi Meyer. «Hinzu kommt der Weg, und die Kinder müssen immer wieder ankommen und sich umstellen, das ist nicht zu unterschätzen», erklärt er gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Keine gesetzliche Grundlage

Der Schulalltag werde immer dichter. «Uns fehlen Stunden, um all die Kompetenzen aus dem Lehrplan 21 im Unterricht unterzubringen», so der Gesamtschulleiter. Es fehle eine gesetzliche Grundlage, um Gottesdienste während der Schulzeit durchzuführen. «Wir haben im Stundenplan immer weniger Platz, um zusätzliche Veranstaltungen unterzubringen.» Darunter leide das Kerngeschäft «Unterrichten».

Nicht betroffen vom Entscheid sind die Gottesdienste für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, heisst es in der Zeitung. Die Feiern zum Schulanfang und -abschluss sowie zu Weihnachten bleiben bestehen.

Die Schule Altdorf ist nicht die erste im Kanton Uri, die Schulgottesdienste abschafft. Die Kreisschule Urseren und die Schule Attinghausen führen keine Gottesdienste während der Unterrichtszeit durch.

Was es dem Bericht zufolge in Urseren noch gibt, sind je ein Schulgottesdienst am Anfang und am Ende des Schuljahres ausserhalb der offiziellen Unterrichtszeit. In der Kreisschule Oberland und der Schule Sisikon finden Gottesdienste während des Religionsunterrichts statt.

«Der katholische Glaube gehört zur DNA der Urnerinnen und Urner.»

Pfarradministrator Matthias Horat

Matthias Horat ist Pfarradministrator von Altdorf und nicht glücklich mit der Entwicklung. «Der katholische Glaube gehört zur DNA der Urnerinnen und Urner. Mein Religionsteam und ich bedauern den Entscheid ausserordentlich. Wir sind letztlich der Meinung, dass die Kinder die Leidtragenden sind», wird Horat in der Zeitung zitiert. Damit würde der Bezug zur Kirche verloren gehen.

«Wir müssen den Entscheid akzeptieren», sagt Diakon Walter Arnold gegenüber kath.ch. Man habe zunächst daran gedacht, den Schülergottesdienst auf sieben Uhr in der Früh anzusetzen und diese Idee aber schnell verworfen. Gerade im Winterhalbjahr wäre die Teilnahme wahrscheinlich nicht sehr gross gewesen.

Kirche erarbeitet alternatives Angebot

Matthias Horat und sein Team arbeiten jedoch bereits an einem alternativen Angebot, wie Walter Arnold bestätigt. Am Samstag vor Schulbeginn, also am 17. August, ist eine Schuleröffnungsfeier geplant, an der die Schultaschen der Kinder gesegnet werden.

Die künftigen Schulgottesdienste seien meist an einem speziellen Tag geplant, etwa an Feiertagen wie dem Palmsonntag, an Ostern oder Fronleichnam. Andere wiederum wolle man mit einem besonderen Thema verknüpfen. Vorgesehen sind etwa ein Gottesdienst, an dem zuvor gebastelte Rosenkränze verwendet werden, ein Räbeliechtli-Gottesdienst und ein Gottesdienst mit dem Samichlaus.

Segnung von Kinderfahrzeugen auf dem Schulhausplatz

Die künftigen Schulgottesdienste werden zum Teil in der Kirche gefeiert, aber auch ausserhalb. Das Team der katholischen Kirche Altdorf hat zum Beispiel vor, im September auf einem der Schulhausplätze im Rahmen einer Feier Kinderfahrzeuge wie Velos und Trottinette segnen.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/schule-in-altdorf-streicht-gottesdienste-fuer-primarschueler/