Im Getümmel der Luzerner Fasnacht sind sie nicht leicht zu finden. Und echt sind sie auch nicht. Aber es gibt sie noch: Menschen, die sich zur Fasnacht in klerikale Gewänder hüllen. Bei den meisten hat das aber wenig fromme Gründe.
Magdalena Thiele
Drei Bischöfe, zwei Mönche und zwei Nonnen – ein ausgewogenes Ergebnis einer Bestandsaufnahme beim Luzerner Güdismontags-Umzug. Neben den teils grausigen Masken der Umzugsteilnehmenden, die den Winter vertreiben sollen, war also auch die katholische Kirche, zumindest inoffiziell, vertreten.
Aber was bewegt die Menschen dazu, sich in eine Fake-Ordenstracht zu hüllen oder einen unechten Bischofsring zu tragen? Wir haben nachgefragt. Die Antworten waren eher ernüchternd.
«Bruder Aloysius» und «Bischof Joseph», so ihre Fasnachts-Namen, kommen direkt aus Luzern und sind schon früh vor Beginn des Güdismontags-Umzug am Hauptbahnhof vor dem Triumphbogen anzutreffen. «Wir finden die Kostüme sehr praktisch, so müssen wir unsere Gesichter nicht schminken oder hinter einer Maske verstecken», erklärt der Mann im ockerbraunen Mönchsgewand, sein Kloster stehe in Zürich, aber zum Karneval kommt er immer nach Luzern.
«Weil ich kleine Jungs mag»
«Bischof Vinzenz» aus Chur
Etwas politischer ist heute «Bischof Vinzenz» aus Chur unterwegs. Warum er das Kardinalsgewand angelegt hat? «Weil ich kleine Jungs mag», gibt er zu Protokoll und streckt den Kardinalsring süffisant lächelnd zum Handkuss entgegen. Dann ergänzt er: «Das Thema war so viel in den Medien in der letzten Zeit, da fand ich das passend.»
Ihnen hat ein Kollege die Kostüme besorgt, erzählen «Schwester Jura» und «Schwester Helia». Sie selbst könnten mit Kirche schon etwas anfangen, aber ein Klosterleben, das wäre definitiv nichts für sie. Für einen Tag sei das aber ok.
Ähnlich geht es «Bruder Adrian» aus Einsiedeln: «Das Kostüm hatte mein Bruder noch im Schrank und es ist sehr praktisch.» Ein Dasein als Ordensbruder käme auch für ihn nicht in Frage. «Auf keinen Fall, da gibt es ja keine Frauen!»
«Bischof Omar» hat seine Frau mitgebracht. Er und «Schwester Hilda» kommen aus Mittelamerika, wohnen aber schon seit einiger Zeit in der Schweiz. Katholisch seien sie schon, aber nicht so richtig fromm, sagt Hilda. Die Kostüme passten einfach gut zusammen.
Den Abschluss macht «Bischof Haas». Das Bischofskostüm habe er ganz bewusst gewählt, sagt er am fortgeschrittenen Abend. «Als Bischof kann ich den Segen erteilen oder ‹F*** Dich!› sagen, das zusammen geht nur zur Fasnacht.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wieso-bischoefe-und-ordensleute-an-der-luzerner-fasnacht-mitlaufen/