Missbrauchskrise: Vatikan lehnt Öffnung der Nuntiatur-Archive weiter ab

Um vergangene Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche der Schweiz aufzuklären, haben Forscherinnen der Universität Zürich auf mehreren Ebenen Einsicht in kirchliche Akten verlangt. Dazu gehören auch die Akten der Apostolischen Nuntiatur in Bern. Der Vatikan lehnt eine Öffnung des Archivs seiner Botschaft in der Schweiz für Forschungen zum Missbrauchsskandal ab. Die Historikerinnen wollen sich das nicht gefallen lassen.

Wie die Schweizer Zeitung «Sonntagsblick» am Sonntag berichtet, habe Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf Anfrage mitgeteilt: «Gemäss dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen sind die Archive der Mission unverletzlich. Von daher können wir das Archiv der Nuntiatur nicht öffnen.»

Während diese Akten nun weiter unter Verschluss bleiben, wies Parolin laut Sonntagsblick darauf hin, dass die Akten der katholischen Bistümer in der Schweiz und auch die Akten des vatikanischen Dikasteriums für die Glaubenslehre für die Forschungen geöffnet werden könnten.

Historikerinnen wollen sich nicht abspeisen lassen

Die Glaubensbehörde ist weltweit für kirchenrechtliche Verfahren gegen Priester zuständig, denen sexueller Missbrauch an Minderjährigen vorgeworfen wird.

«Es ist zentral, die Korrespondenz zwischen der Schweiz, der Nuntiatur in Bern und Rom nachzuverfolgen und herauszufinden, welche Fälle tatsächlich gemeldet wurden und wie die Verfahren weiterliefen.»

Monika Dommann und Marietta Meier, Historikerinnen

Die Historikerinnen Monika Dommann (57) und Marietta Meier (57) wollen sich indes so nicht abspeisen lassen. «Für die historische Forschung wären die Archive der Nuntiatur und des Vatikans sehr wichtig. Wir werden in den nächsten Wochen ein neues Gesuch stellen», sagen Dommann und Meier zum SonntagsBlick.

«Es ist zentral, die Korrespondenz zwischen der Schweiz, der Nuntiatur in Bern und Rom nachzuverfolgen und herauszufinden, welche Fälle tatsächlich gemeldet wurden und wie die Verfahren weiterliefen.» Eine rein punktuelle Akteneinsicht wäre für die Historikerinnen unbefriedigend: «Systematische internationale Vergleiche sind nur möglich, wenn integraler Zugang zu den Archiven gewährt wird.» (cic)


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https://www.kath.ch/newsd/missbrauchsskandal-vatikan-lehnt-oeffnung-diplomatischer-archive-in-der-schweiz-ab/