Suhas Pereira hat sechs Jahre im Kapuzinerkloster in Olten gelebt. Obwohl er schon seit vier Jahren wieder in Indien lebt, erhält er noch immer die Wochenpläne der Brüder. Die Klosterauflösung macht ihn traurig. Um noch einmal zusammen mit seinen Mitbrüdern zu sein, reiste er in die Schweiz.
Jacqueline Straub
Sie sind noch bis heute im Kapuzinerkloster in Olten, dann fliegen Sie zurück nach Indien. Warum waren Sie nun drei Wochen in der Schweiz?
Suhas Pereira*: Für mich war es eine Gelegenheit zum letzten Mal hier im Kloster in Olten zu sein. Es war mir ein Anliegen. Ich könnte meine Mitbrüder später selbstredend wieder einmal treffen. Aber nicht hier an diesem Ort, wo wir so viele Jahre zusammengelebt haben.
Was bedeutet Ihnen das Kapuzinerkloster Olten?
Pereira: Es war für mich ein zweites Zuhause – über sechs Jahre hinweg.
Das Kapuzinerkloster wird bald aufgelöst. Ihre Mitbrüder werden dann in andere Klöster ziehen. Was macht das mit Ihnen?
Pereira: Ich bin traurig. Ich leide, obwohl ich weit weg bin. Mir macht es auch sehr zu schaffen.
Sie erhalten noch immer den Wochenplan der Oltner Kapuziner. Was bedeutet das Ihnen?
Pereira: Das gibt mir ein Gefühl, dass ich noch immer voller Teil der Gemeinschaft bin. Darauf bin ich sehr stolz.
«Wenn viele Gläubige sonntags in der Kirche sind, ist es auch eine Motivation, eine gute Predigt zu halten.»
Was geben Sie Ihren Mitbrüdern aus Olten in Blick auf deren Wegzug und das Ankommen in einem neuen Kloster mit auf den Weg?
Pereira: Sie sollen stark sein und akzeptieren, was auf sie zukommt.
Was sind die grössten Unterschiede zwischen der Kirche in Indien und jener in der Schweiz?
Pereira: Bei uns sind die Kirchen immer voll – auch viele junge Menschen sind jede Woche im Gottesdienst. Das ist mutmachend. Der Glaube an Gott spielt eine sehr wichtige und bedeutende Rolle im Leben der Christinnen und Christen in Indien. Wenn viele Gläubige sonntags in der Kirche sind, ist es auch eine Motivation, eine gute Predigt zu halten.
«Wenn wir den Glauben haben, können wir im Leben weitergehen.»
Haben Sie einen Tipp für die Schweizer Kirche?
Pereira: Mehr an Gott glauben. Der Glaube gibt uns Halt. Wenn wir den Glauben haben, können wir im Leben weitergehen.
Sie leben in der Nähe von Mumbai. Ist Ihr Kapuzinerleben gleich wie jenes in Olten?
Pereira: Eigentlich schon. Einzig, dass ich mit vielen jungen Kapuzinern zusammenleben. Ich wohne im Seminar, wir haben 13 junge Mitbrüder, die Theologie studieren und sechs Priesterbrüder.
Kardinal Oswald Gracias, Erzbischof von Mumbai, hat vor wenigen Tagen die vom Vatikan erlaubte Segnung homosexueller Paare gelobt. Für ihn ist das Dokument «Fiducia supplicans» ein Geschenk. Was sagen Sie dazu?
Pereira: Ich finde das sehr gut. In Indien sind wir es gewohnt, wenn jemand um Segen bittet, segnen wir. Obwohl noch nie ein gleichgeschlechtliches Paar den Segen von mir erbeten hat, ich würde segnen, wenn sie das wünschen.
*Suhas Pereira (42) ist Kapuziner und lebt in Indien. Von 2013 bis 2019 lebte er in Olten bei den Kapuzinern und promovierte an der Universität Luzern im Fach Dogmatik. Für drei Wochen kam er nach Olten, um seine «Familie» vor der Klosterauflösung zum letzten Mal zu besuchen.
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