Weihnachten wird nicht nur in der Kirche festlich gefeiert, sondern auch zuhause. Insbesondere gönnt man sich etwas Feines zum Essen. Was essen und kochen eigentlich Seelsorgerinnen und Seelsorger über die Festtage? Ein Blick in einige kirchliche Kochtöpfe – mit Überraschungen, die sehr appetitlich anmuten.
Wolfgang Holz
«Seit Jahren feiere ich Weihnachten erst so richtig einen Tag später, am Stephanstag – weil ich dann die Ruhe geniessen kann. Meistens habe ich an diesem Tag keinen Gottesdienst», erklärt Michèle Adam, Pastoralraumleiterin in Risch ZG.
An Heiligabend bleibe ihr fast keine Zeit zum Essen. «Nach dem einen oder anderen Krippenspiel-Gottesdienst gibt es dann eine kurze Pause, wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes los ist, bevor dann schon der erste Mitternachtsgottesdienst beginnt. Meistens esse ich nur etwas Kleines, einen Toast, Salat oder Ähnliches», sagt die gebürtige Luxemburgerin.
An Weihnachten selbst gebe es dann eher eine «luxemburgische Lösung». Will heissen: Michèle Adam stellt dann nämlich einen gefüllten Truthahn in den Ofen, der stundenlang Zeit hat – «bis ich auch fertig bin». Tatsächlich werde gefüllter Truthahn mit Beilagen oft an Weihnachten auf dem Tisch in Luxemburg serviert – «und anschliessend die Bûche de Noël, für die meine Söhne zuständig sind».
Die «Bûche de Noël», auch Weihnachtsbaumstamm, Weihnachtsscheit, Julscheit oder Bismarck-Eiche genannt, ist ein traditionelles Weihnachtsgebäck aus Frankreich und anderen französischsprachigen Ländern. Der Kuchen besteht aus einem rechteckigen Biskuitboden (Génoise), der mit Schokoladen-Buttercreme gefüllt und aufgerollt wird.
«An Heiligenabend gibt es bei mir etwas Leichtes mit Reis und Gemüse. Am Weihnachtstag steht dann in unserer Familie Gänsebraten mit Rotkohl und Knödel auf dem Menüplan», sagt Ella Gremme, Pfarreiseelsorgerin und Gemeindeleiterin ad interim der Pfarreien Baden und Ennetbaden.
«Da meine Enkelbuben so sehr Gänse lieben, sind diese diesmal vom Kochtopf verschont, und es gibt Fleischvögel dazu», erklärt sie. Die Weihnachtsgans ist aber deshalb nicht völlig vom Tisch. Denn Ella Gremme erzählt ihren Enkeln eine Geschichte von der Weihnachtsgans.
In der Geschichte geht es um zwei ältere Damen, die nach dem Krieg eine Gans erstehen – aber es dann nicht übers Herz bringen, das Federvieh fürs Fest zu schlachten. Zwar geben sie dem Tier eine Schlaftablette und rupfen die Gans auch noch.
Schliesslich aber «steckte das ganze Vieh in einem liebevoll gestrickten Pullover, den die beiden Damen hastig für ihren Liebling gefertigt hatten. Die Pullovergans lebte dann noch weitere sieben Jahre bei den beiden Damen und starb eines natürlichen Todes», so endet die rührende Geschichte.
Szenenwechsel. Ein Blick in die Weihnachtsküche der Familie von Diakon David Rüegsegger im luzernischen Rothenthurm.
«Die Weihnachtsmenüs können und dürfen bei uns nicht sehr aufwändig sein, da wir zumeist alle in einer Funktion rund um die Weihnachtsfeiern in der Kirche beschäftigt sind. Viel Zeit für lange Essen und Familienfeiern bleibt leider nicht», sagt Ehefrau Priska Rüegsegger.
«Da wir zudem auch nicht so gerne kochen, gibt es bei uns jeweils einfachere Menüs. Traditionell essen wir in diesem Jahr an Heiligabend Fondue Chinoise mit verschiedenen Fleischsorten, Reis, Nudeln, Broccoli und Blumenkohl. Die Saucen kaufen wir oder sie werden vom Besuch mitgebracht», bekennt Priska Rüegsegger.
«Unsere Kinder mögen zwar das Fleisch nicht besonders, sondern essen mehr Nudeln. Unsere Jüngste ist seit August sowieso Vegetarierin und verzichtet auch konsequent auf Süsses und Salziges.» Der Rest der Familie isst zum Dessert Vanilleglace mit warmen Himbeeren. Hört sich doch eigentlich ganz appetitlich an.
Als die Rüegseggers übrigens noch in Hochdorf zuhause waren, wurden sie nach der Mitternachtsmesse jeweils beim damaligen Pfarrer Josef Stübi, dem heutigen Weihbischof, im Pfarrhaus eingeladen zu Mandarinen, Nüssli und einem Glas Wein. «Das war Tradition zusammen mit dem ganzen Seelsorgeteam und es wurde jeweils spät.»
«Für den Weihnachts- und Stefanstag sind die Menüs noch nicht geplant. Manchmal essen wir Raclette und Tischgrill mit Speck, Fleisch und Würstli», verrät Priska Rüegsegger. Auch Gemüse wie Peperoni, Karotten, Aubergine oder Kürbis werden klein geschnitten und grilliert.
«Vielleicht kochen wir auch Ofenkartoffeln und dazu Poulet-Schnitzel mit einer Crème fraiche-Sauce überbacken. Manchmal bringt unser Besuch auch einen Aargauer Braten mit Zwetschgen oder Poulet-Schenkel für die Fritteuse mit.»
In Davos, wo Dekan Kurt Susak Pfarrer ist, gibt es etwas Heimisches zum Weihnachtsessen. Kein Wunder: Kurt Susak ist ein waschechter Allgäuer und kommt aus Leutkirch im Allgäu. «Nach der Hirtenmesse um 9 Uhr am Weihnachtstag in der Hochgebirgsklinik und dem Hochamt um 10.15 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche, findet sich das Pastoralteam gegen 12.30 Uhr im Pfarrhaus ein. Dann wird zusammen aufgekocht», berichtet Kurt Susak.
Vikar Ernst Niederberger bringt von seinem elterlichen Hof in Nidwalden ein schönes Stück Fleisch vom Weiderind mit. Dekan Kurt Susak bereitet dann mit Eiern, Mehl und anderen Zutaten einen Teig für Käsespätzle vor, sowie eine kräftige Zwiebelschmelze mit etwa zehn Zwiebeln und ordentlich Butter.
«Das gibt Freudentränen! Zusätzlich wird eine kleine Suppe, Salat, Gemüse und eine schöne Sauce vorbereitet. Gegen 14 Uhr essen wir dann zusammen und stossen auf Weihnachten an», so der Davoser Pfarrer. «Ein Dessert, Kaffee und Weihnachtsguazla, mit denen uns die Davoserinnen im Advent reich beschenkt haben, dürfen nicht fehlen. Da um 17 Uhr bereits das grosse Weihnachtshochamt am Abend in der Marienkirche mit Orchestermesse beginnt, müssen wir gegen 16 Uhr schon wieder aufbrechen. Am Stephanstag gibt es dann die Reste vom Vortag.»
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