Roland Jaquenoud gibt die Führung der Abtei Saint-Maurice wegen Missbrauchsvorwürfen nach nur zwei Monaten ab. Jaquenoud übernahm die Leitung der Abtei im September nachdem Abt Jean César Scarcella sein Amt, ebenfalls wegen Missbrauchsvorwürfen, ruhen lassen musste. Das Kapitel von Saint-Maurice hat den Vatikan um Entsendung eines apostolischen Administrators gebeten, der die Abtei führen soll.
Annalena Müller
Zwei Monate und zehn Tage ist es her, dass Jean César Scarcella, Abt der altehrwürdigen Abtei Saint-Maurice, wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung sein Amt ruhen lassen musste. Sein Nachfolger, Prior Roland Jaquenoud, geht nun den gleichen Weg. Dies wurde am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz der Abtei in Bex VD mitgeteilt.
Die Abtei Saint-Maurice untersteht nicht dem Bischof von Sitten, sondern direkt dem Vatikan. Daher habe man in Rom um die Entsendung eines apostolischen Verwalters gebeten, sagt Chorherr Antoine Salina (65). Der apostolische Verwalter, dessen Name noch nicht bekannt sei, soll die Geschicke der Abtei leiten bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind.
Antoine Salina bittet zum Beginn der Pressekonferenz im Namen der Abtei um Verzeihung. Salina, den seine Mitbrüder zum Sprecher der Gemeinschaft bestimmt haben, versichert der anwesenden Presse, dass die Abtei Saint-Maurice eng mit dem Kanton zusammenarbeite, um die «alten und die neuen Fälle» aufzuarbeiten.
Man arbeite Hand in Hand mit der Justiz. Am Donnerstagmorgen sei die Polizei in der Abtei gewesen. Man habe den Beamten Zugang zu den Archiven gegeben. Salina erwarte, dass weitere Fälle herauskommen könnten.
Zu den «alten Fällen» gehört wohl auch der, welcher Prior Roland Jaquenoud vorgeworfen wird. Jaquenoud soll im Jahr 2004 einen ihm untergebenen Novizen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Andere Novizen, die von dem Vorfall Kenntnis hatten, sollen den Vatikan darüber informiert haben.
Den Recherchen des Westschweizer Fernsehens RTS zufolge entsandte der Vatikan daraufhin einen Abt aus Frankreich, um Nachforschungen anzustellen. Auf Druck des Vatikans habe die Abtei Jaquenoud noch im gleichen Jahr nach Kasachstan entsandt, um dort zu missionieren.
Abtei-Sprecher Salina zufolge stimme dies nicht. Der Missionsauftrag sei keine Strafe gewesen. Sondern Jaquenoud, der eine grosse Liebe für Osteuropa habe, habe diese Aufgabe übernehmen wollen. «Er ist nicht in den Gulag geschickt worden», sagte Salina wörtlich in Bex.
Laut Salina habe man in der Abtei gewusst, dass sich Jaquenoud «einvernehmlicher homosexueller Akte» schuldig gemacht habe. Dieser Kontakt, das habe Jaquenoud am Mittwoch ein weiteres Mal bestätigt, sei zwischen Erwachsenen geschehen.
Jaquenoud sei für seinen Verstoss gegen das Keuschheitsgelübde 2004 bestraft worden. Jetzt werde er durch die mediale Aufmerksamkeit ein weiteres Mal bestraft. Laut Salina habe sich Roland Jaquenoud vorübergehend zurückgezogen und befinde sich aktuell bei einem Familienmitglied.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/saint-maurice-jaquenoud-tritt-zurueck-vatikan-schickt-administrator/