Morerod zu Diakon Pittet: «Du zeigst mit deinem Zeugnis Gottes Kraft und Barmherzigkeit»

Daniel Pittet (64) wurde als Bub von einem Kapuziner missbraucht und schrieb darüber ein Buch. Am Samstag ist er in der Kathedrale Freiburg zum Diakon geweiht worden. Pittet sei ein Zeuge des Glaubens, attestierte ihm Charles Morerod in einem Grussschreiben.

Zum Diakonat berufen hatte Daniel Pittet der Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, Charles Morerod. Doch dieser konnte die Feier nicht leiten – aus gesundheitlichen Gründen. Er erholt sich von den Folgen eines Sturzes vom Velo.

Weihe durch Uno-Beobachter

Stattdessen übernahm Bischof Ettore Balestro die Leitung des Weihegottesdienstes. Balestro ist permanenter Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf. Er sagte, ein Diakon müsse Diener aller sein, kompetent und sanft. Seine Wirkung beruhe in seiner Verwurzelung im Gebet. «Dienen ist nicht brauchen, nicht manipulieren», erinnerte der Geistliche.

Das weiss wohl niemand besser als der adressierte frisch geweihte Diakon. Denn der in Genf geborene Daniel Pittet war Messdiener und wurde vier Jahre lang, im Alter von 9 bis 13 Jahren, vom Kapuziner-Pater Joël Allaz sexuell missbraucht. Er legte in dem 2017 erschienenen Buch «Mon Père je vous pardonne» («Mein Vater, ich vergebe dir») Zeugnis von diesem Missbrauch ab.

Versuch als Novize

Trotz des erlittenen Missbrauchs wollte Daniel Pittet zunächst Benediktiner werden. Er begann das Noviziat in Einsiedeln und nahm den Klosternamen Vinzenz an. Aus gesundheitlichen Gründen musste er das Kloster verlassen und kehrte 1981 nach Freiburg zurück. Heute ist er verheiratet und Vater von sechs Kindern.

Auf Pittets «Drama» deutete Bischof Charles Morerod am Samstag in seiner Grussbotschaft hin, die im Gottesdienst vorgelesen wurde. «Dein Leben ist ohne Christus unverständlich. Du hattest gute Gründe, dich von der Kirche zu distanzieren. Aber du zeigst mit deinem Zeugnis Gottes Kraft und Barmherzigkeit.»

Mission an der Peripherie

Morerod bezeichnete Pittet als einen Zeugen des Glaubens. Diesen schicke er an die Peripherie, zu Menschen, die nicht mehr zur Kirche gingen, aber eine Botschaft der Liebe und der Verzeihung erwarteten. «In einer Zeit, da der Glauben als fremd, beziehungsweise gefährlich angesehen wird, müssen wir reden, um ihn bekannt zu machen und mit unserem Leben zu bezeugen», so Morerod. (cath.ch/Adapt. rp)


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