Die Fokolar-Bewegung verliert ein wichtiges Zentrum des Nachwuchses. Ihr Begegnungs- und Ausbildungszentrum in Montet FR und die dazugehörende Siedlung werden im Juni 2024 geschlossen. Grund sei vor allem die sinkende Zahl an Kandidierenden.
Der Entscheidungsprozess sei «gründlich» verlaufen, erklärt die Bewegung am 16. September in einer Pressemitteilung. Daran hätten sowohl die Bewohnenden und das Leitungsteam der Pilotsiedlung Montet teilgenommen, das Internationale Fokolarzentrum in Rom, sowie die Verantwortlichen und Mitglieder der Fokolar-Bewegung aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Entschieden wurde demnach, das Zentrum im Juni 2024 zu schliessen.
Auslöser für den Entscheidungsprozess war die sinkende Zahl von Kandidierenden für die Fokolar-Gemeinschaften. Daher wird deren Ausbildung nun in den ersten drei Jahren als Fernstudium in den jeweiligen Heimatländern stattfinden. Und der internationale und interkulturelle Teil der Ausbildung wird auf ein einziges Jahr in Italien beschränkt. Damit gehe ein wichtiger Teil der Mission der Siedlung Montet verloren, bedauert die Bewegung, die 1943 von der italienischen Laienkatholikin Chiara Lubich gegründet worden war.
Im Begegnungs- und Ausbildungszentrum «Mariapoli Foco» fand bisher das zweite Ausbildungsjahr für angehende Fokolare und Fokolarinnen aus den verschiedenen Kontinenten statt, die sich auf den Lebenseinsatz in einer Fokolar-Gemeinschaft vorbereiteten. In den letzten Jahren nahmen daran etwa 20 Personen pro Jahr teil. Zudem absolvierten jedes Jahr etwa 25 Jugendliche aus aller Welt eine zehnmonatige Lebensschule. Um diese Ausbildungen herum hatte sich eine kleine Siedlung mit etwa 40 ständigen Bewohnenden gebildet, von denen einige als Lehrpersonen oder Werkstätten-Leitende tätig waren oder zum Betrieb des Zentrums beitrugen.
Insgesamt befindet sich die Fokolar-Bewegung weltweit in einem Prozess der Umstrukturierung und Neuorientierung. Dies, um ihrem Auftrag – in Treue zu ihrem Charisma und unter Berücksichtigung der aktuellen Bedürfnisse – besser gerecht werden zu können, wie die Bewegung versichert. «Die Nähe zu den Menschen soll weiterhin im Vordergrund stehen», heisst es in der Mitteilung weiter.
Vor diesem Hintergrund wurde die Schliessung der Siedlung und des Zentrums beschlossen, zumal sich das zweite Szenario, das die Fortführung der Lebensschule für Jugendliche vorsah, nicht selbst finanzieren konnte.
«Die Erfahrungen von Gemeinschaft, echten Beziehungen und des gelebten Evangeliums zählen.»
«Es ist nie leicht, eine über 40 Jahre aufgebaute Erfahrung zu beenden», sagte Maria Regina Piazza, Co-Direktorin des Zentrums von Montet. «Dieser Abschied schmerzt uns natürlich sehr (…) Aber im Laufe des Erkenntnisprozesses wurde klar, dass das, was in diesen Jahren aufgebaut wurde, nicht so sehr die Gebäude sind, sondern die Erfahrungen von Gemeinschaft, echten Beziehungen und des gelebten Evangeliums. Das ist es, was die Gesellschaft erneuern kann, wo auch immer wir sind», erklärt Co-Direktor Markus Näf.
Im Laufe der Jahre haben mehr als 3500 Menschen dort gelebt. «Sie haben eine starke Erfahrung der Geschwisterlichkeit gemacht», erklärt Maria Regina Piazza. «Wir wissen, dass diese Erfahrung in ihren Herzen weiterlebt und sich dort, wo diese Menschen jetzt sind, zum Nutzen vieler vermehrt.»
Die beiden Leiterinnen möchten insbesondere «den Menschen in der Region Broye, der Gemeinde Montet und den Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Kirchen danken, denen wir im Laufe der Jahre begegnet sind und mit denen wir hervorragend zusammenarbeiten konnten». (cath.ch/Adapt. rp)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/weniger-kandidierende-fokolar-zentrum-in-montet-schliesst-mitte-2024/