Hergiswiler Kirchenratspräsident: «Ich wünsche mir wieder eine friedliche Zusammenarbeit»

Was ist los in der katholischen Kirchgemeinde Hergiswil? Dort herrscht Knatsch im Kirchgemeinderat. Vier Kirchgemeinderätinnen und Kirchgemeinderäte inklusive dem Pfarrer haben sich gegen den Präsidenten Daniel Sarbach in Stellung gebracht. Sie fordern seinen sofortigen Rücktritt. Sarbach selbst fühlt sich hintergangen und wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Wolfgang Holz

Was sagen Sie zur Forderung Ihrer Kirchenratskolleginnen und -kollegen, Sie müssten per sofort zurücktreten?

Daniel Sarbach*: Ich glaube nicht, dass ein sofortiger Rücktritt dem Wunsch des Volkes entsprechen würde. Ich sehe im Moment keinen Grund, meine Wählerinnen und Wähler durch einen Rücktritt zu enttäuschen. Wenn ein Kirchenratsmitglied gerne zurücktreten möchte, so muss dies durch die Kirchgemeindeversammlung bestätigt werden.

Haben Sie denn von der Pressekonferenz vergangenen Dienstag gewusst?

Sarbach: Am vergangenen Montag spät abends, nach einer Kirchenratssitzung, hat mich eine E-Mail erreicht, in welchem mir meine Kirchenratskolleginnen und -kollegen mitteilen, dass sie Fakten gegen mich sammeln und dann an die Presse gelangen werden.

Durch eine telefonische Journalistenanfrage am Dienstagnachmittag habe ich erfahren, dass die angekündigte Pressekonferenz schon am Dienstagvormittag stattgefunden hatte.  

«Ich begann immer mehr zu spüren, dass kritische Gedankenanstösse bei den anderen vier Personen nicht gern gesehen waren.»

Wie erklären Sie sich das zerrüttete Verhältnis zwischen Ihrer Person und dem übrigen Kirchenrat?

Sarbach: Die ersten drei Monate habe ich viel zugehört und vieles in Erfahrung gebracht über Abläufe, Zuständigkeiten und auch Privilegien. Wenn ich Dinge bemerkt habe, die mir nicht korrekt erschienen, stiess ich auf Widerstand, wenn ich solche Themen traktandieren wollte. Ich begann immer mehr zu spüren, dass kritische Gedankenanstösse bei den anderen vier Personen nicht gern gesehen waren.

Man wirft Ihnen Alleingänge und eine Verletzung des Kollegialitätsprinzips vor. Stimmt das?

Sarbach: Als Kirchenratspräsident mit dem Ressort «Vereine» habe ich viele Gespräche geführt und mich auch mit Fachpersonen der Region so rasch wie möglich vernetzt. Dabei habe ich zugehört und die Bedürfnisse der Vereine versucht wahrzunehmen und dann umzusetzen. Ob dies nun von meinen Kollegen und Kolleginnen negativ als Alleingang bewertet wird, weiss ich nicht. Das Kollegialitätsprinzip habe ich nicht verletzt.

Was macht Pfarrer Stephan Schonhardt aus Ihrer Sicht nicht richtig?

Sarbach: Jeder Mensch hat Stärken und darf auch Schwächen haben. Die Stärken von Stephan Schonhardt liegen in seiner Musikalität, in der Begeisterung für die moderne Musik.

«Auch im Privaten ist er gesellig und sympathisch.»

Er kann sowohl spontan überzeugend sprechen, als auch liturgische Texte gut verständlich vortragen. Auch im Privaten ist er gesellig und sympathisch. Punkte, die er verbessern könnte, habe ich mit Stephan Schonhardt direkt besprochen. Es bestehen zwischen uns verschiedene Ansichten, was den Umgang mit dem Seelsorge-Personal angeht.

Warum befürworten Sie den geplanten Umbau des Kirchenareals nicht?

Sarbach: Ich habe an der Kirchgemeindeversammlung mitgeteilt, dass ich nach der Rückweisung des Projektes zur Umgebungsgestaltung vor einem Jahr Änderungsvorschläge in eine Kirchenratssitzung eingebracht habe. Dann folgte ungefähr: «Der Kirchenrat hat entschieden, das Projekt unverändert wieder an die Kirchgemeindeversammlung zu bringen». Wenn nun andere Informationen in der Öffentlichkeit bekannt sind, so ist dies durch jemand anderen als mich an die Öffentlichkeit gelangt.

Was müsste passieren, damit wieder Frieden in den Kirchenrat und in die Kirchgemeinde Hergiswil einzieht?

Sarbach: An den Kirchenratssitzungen dürfen verschiedene Meinungen geäussert werden. Ich habe alle Kirchenratsmitglieder zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Das wurde von den meisten leider abgelehnt. Nachdem meine Kolleginnen und Kollegen an die Öffentlichkeit gegangen sind, wurde eine konstruktive Zusammenarbeit schwieriger.

«Ich finde es sehr schade, dass die Kirchenratskollegen nicht meiner Einladung zu einzelnen Gesprächen gefolgt sind.»

Ich würde mir wünschen, dass eine friedliche Zusammenarbeit wieder möglich wird und bedaure, dass Meinungsverschiedenheiten in der Öffentlichkeit aufgebauscht wurden. Eine sachliche Diskussion kann dort nicht geführt werden, da wir Kirchenratsmitglieder allfällige unterschiedliche Ansichten nicht als öffentliche Kämpfe austragen sollten.

Fürchten Sie rechtliche Schritte Ihrer Gegner?

Sarbach: Die Erwähnung von rechtlichen Schritten gegen mich empfinde ich als haltlose Drohung. Ich befürchte nichts, da ich alle Gespräche, Abklärungen, Meinungsäusserungen mit den gesetzlichen Vorgaben als Kirchenratspräsident vereinbaren kann. Ich finde es sehr schade, dass die Kirchenratskollegen und -kolleginnen den Weg über die Medien gewählt haben und nicht meiner Einladung zu einzelnen Gesprächen gefolgt sind.

*Daniel Sarbach ist seit Mai 2022 neuer Kirchenrat und Kirchenratspräsident der Katholischen Kirchgemeinde Hergiswil. Er löste den amtierenden Präsidenten Martin Dudle ab. Das Interview wurde schriftlich geführt.


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