Im Tourismusort Engelberg OW finden sich kaum noch bezahlbare Wohnungen. Das Kloster Engelberg ist aktiv geworden und hat mit Gemeinde und Bürgergemeinde ein Bauprojekt für 70 Wohnungen lanciert. Er hoffe, dass so «junge Menschen hier wohnen bleiben können», sagt Abt Christian Meyer. Das Kloster ist auf Einheimische angewiesen: als Mitarbeitende und als Schülerinnen und Schüler.
Regula Pfeifer
Das Kloster Engelberg beteiligt sich an einem Bauprojekt für 70 bezahlbare Wohnungen. Woher stammt die Idee?
Abt Christian Meyer: Es entstand aus der Problematik heraus, dass es in Engelberg schwierig geworden ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Vom geplanten Neubauprojekt für eine Käserei hatten wir bereits einen bewilligten Quartierplan. Da dieses Projekt auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wurde, interessierten sich verschiedene Investoren für dieses Grundstück.
«Wir wollen mit der Parzelle etwas für die einheimische Bevölkerung machen.»
Für uns als Kloster war jedoch klar, dass wir mit dieser Parzelle etwas für die einheimische Bevölkerung machen möchten. So entstand das Drei-Partner-Wohnbauprojekt von Einwohngemeinde, Bürgergemeinde und Kloster. Ein anderes Drei-Partner-Projekt wird momentan umgesetzt.
Was ist das für ein Projekt?
Meyer: Das ist die Dreifachturnhalle, die aktuell auf dem Klosterareal gebaut wird. Als Partner mit an Bord sind die Einwohnergemeinde Engelberg und die Schweizerische Sportmittelschule Engelberg. Das Kloster stellt das Land zur Verfügung. Der Unterhalt liegt später bei den beiden anderen Partnern. Denn nach der Fertigstellung wird die Turnhalle hauptsächlich von der Gemeindeschule und der Sportmittelschule belegt.
«Die Gemeinde hat uns immer wieder wegen Land angefragt.»
Wie haben Sie vom Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum erfahren? Sind Sie mit der Gemeinde im Gespräch?
Meyer: Natürlich sind wir immer wieder im Austausch. Gemeindevertreter fragen uns etwa, wie es mit der Käserei weiter gehe. Oder ob das Kloster für dieses oder jenes Projekt wieder Land zur Verfügung stellen könnte. Das hat bei uns im Kloster zu Überlegungen und Diskussionen geführt. Schliesslich haben wir die politische Gemeinde und die Bürgergemeinde angefragt, ob wir uns zu dritt auf den Weg machen sollen für ein gemeinsames Wohnprojekt, von dem in erster Linie Menschen profitieren sollen, die ihren Lebensmittelpunkt in Engelberg haben.
Wo steht das Projekt jetzt?
Meyer: Vor gut einem Monat haben wir eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Als nächster Schritt soll die Aktiengesellschaft mit den drei Partnern gegründet werden. Dafür finden aktuell vorbereitende Gespräche statt.
Könnte es sein, dass sich weitere Parteien beteiligen?
Meyer: Es wird bei uns drei Parteien bleiben. So haben wir die Garantie, dass das Ganze nicht zu einem Spekulationsobjekt wird. Denn uns drei Partnern liegen die Engelbergerinnen und Engelberger am Herzen. Unsere aktuellen Gespräche drehen sich vielmehr um offene rechtliche Fragen.
«Im Kloster arbeiten viele Engelbergerinnen und Engelberger.»
Weshalb sind Ihnen die ansässigen Menschen in Engelberg wichtig?
Meyer: Im Kloster arbeiten viele Engelbergerinnen und Engelberger. Gleichzeitig sind das Kloster und die Gemeinde sehr eng miteinander verbunden. Wir kennen uns und sind gemeinsam auf dem Weg. Beim Wohnbauprojekt geht es auch um unseren tollen Schulcampus mit Dorfschule, Stiftsschule und Sportmittelschule.
«Den Schulcampus hier weiterführen zu können, ist unser grosses, gemeinsames Interesse.»
A propos Stiftsschule: Sie haben als Kloster wohl ein Interesse, dass es Kinder gibt in Engelberg?
Meyer: Auf jeden Fall. Den Schulcampus hier weiterführen zu können, ist unser grosses, gemeinsames Interesse.
Wie kommt das Projekt voran? Gibt es Hindernisse?
Meyer: Bei unseren Gesprächen läuft es bis jetzt gut. Allerdings könnten Faktoren unser Projekt beeinflussen, die wir nicht beeinflussen können. So könnte sich die Weltlage aufgrund des Ukraine-Kriegs negativ entwickeln und etwa auf die Lieferketten oder die Preise der Bauelemente einwirken.
Wer ist im Kloster für die Verhandlungen zuständig, Sie persönlich?
Meyer: Nein, um Gottes Willen, ich kann nicht alles machen. Die Verhandlungen führt unser Geschäftsführer Daniel Amstutz – in enger Rücksprache mit mir und der Geschäftsleitung des Klosters. Bei der Ausarbeitung des Projekts wirkt zudem mein Beratungsgremium aus gewählten Mitbrüdern mit, das Konzilium. Und das Kapitel – also die ganze Klostergemeinschaft – entscheidet dann, ob wir auf diesem Weg weitergehen.
«Unsere Mitbrüder entscheiden, ob sie das konkrete Projekt annehmen oder nicht.»
Also recht demokratisch…
Meyer: Ja, so wie es auf politischer Ebene immer wieder Abstimmungen geben wird, wird dasselbe auf Klosterebene passieren. Unsere Mitbrüder entscheiden schliesslich, ob sie das konkrete Projekt annehmen oder nicht. Dass das Ganze eingebunden ist in demokratische Entscheide, ist gut. Das ermöglicht es, die Sache bei allfälligen Fehlentwicklungen abzubremsen.
«Ich hoffe, dass das Wohnprojekt das Miteinander im Dorf stärkt.»
Ihr Fazit: Was erhoffen Sie sich vom Wohnprojekt?
Meyer: Ich erhoffe mir, dass das Wohnprojekt vielen ehemaligen Engelberger Schülerinnen und Schülern eine Wohngelegenheit zu vernünftigen Preisen bietet. Unser Ziel ist es, dass die jungen Menschen hier wohnen bleiben können. Es wäre auch schön, wenn so weiter im Tal unten wohnhafte Familien einen Anreiz erhielten, nach Engelberg umzuziehen. Und schliesslich hoffe ich, dass das Wohnprojekt das Miteinander im Dorf stärkt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant