Kings, Queens and Popes: 7 Fakten zum Verhältnis zwischen britischer Monarchie und katholischer Kirche

Am 6. Mai wird der ewige Thronerbe Charles III. zum König von England gekrönt. Mit diesen sieben Wissensschnipseln brillieren Sie nicht nur beim Krönungs-Apéro mit Royalisten, sondern können auch in katholischen Kreisen mit Ihrer historischen Bildung angeben.

Natalie Fritz

Die Beziehung zwischen der britischen Monarchie und der katholischen Kirche war spätestens seit der Regentschaft Heinrichs VIII. im 16. Jahrhundert angespannt und wechselhaft. Erst in der jüngeren Geschichte näherten sich die britischen Royals und die katholische Kirche wieder an.

1 Heinrich VIII. – Das Oberhaupt der Kirche in England bin ich

König Charles III. ist seit seiner Amtsübernahme auch der «Supreme Govenor» der Kirche von England, ihr nominelles Oberhaupt. Somit ist er für die Ernennung hochrangiger Kleriker mitverantwortlich. Wie es dazu kam, dass der König von England auch Oberhaupt der Landeskirche ist, hat mit Liebe und Macht zu tun.

Mit der Suprematsakte (Act of Supremacy) wurde am 3. November 1534 Heinrich VIII. zum Oberhaupt der Kirche in England erhoben. Das war die Geburtsstunde der «Anglicana Ecclesia», der Kirche Englands. Als Begründung für Heinrichs Anspruch auf die Oberhoheit über die Kirche in England führten die Berater des Königs seine uneingeschränkte Herrschaft über sein Land an. Der Papst wurde damit quasi zum Usurpator gestempelt. Der alte katholische Ritus blieb jedoch in der neuen anglikanischen Staatskirche weitgehend unangetastet.

Das aktuelle geistliche Oberhaupt der Kirche Englands ist Justin Welby, der sowohl die Predigt am Trauergottesdienst für Königin Elisabeth II. im September hielt als auch König Charles III. und Königin-Gemahlin Camilla im Mai krönen wird.

2 Liebe als Motiv für den Bruch zwischen England und dem Papst

Zum Bruch zwischen Heinrich VIII. mit der römisch-katholischen Kirche kam es, weil Papst Clemens VII. ihm die Annullierung seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragón verweigert hatte. Während seiner Ehe war Heinrich Anne Boleyn verfallen und wollte sie heiraten. Das Nein des Papstes wollte Heinrich nicht akzeptieren und es kam zur Abspaltung. Dies, obwohl Heinrich vom früheren Papst Leo X. wegen seiner Streitschrift gegen Martin Luthers reformatorische Absichten zum «Verteidiger des Glaubens» ernannt worden war.

König Charles und Königin-Gemahlin Camilla heirateten 2005 übrigens nur zivil mit einem anschliessenden Segnungsgottesdienst. Die Kirche von England untersagte nämlich bis 2002 Geschiedenen, deren ehemalige Ehepartner noch leben, die kirchliche Hochzeit.

Um eine öffentliche Debatte zu vermeiden, entschieden sich die Brautleute dafür, auf eine kirchliche Trauung zu verzichten. Charles III. ist somit der erste britische Monarch, der nur standesamtlich geheiratet hatte.

3 Maria I. – Blutige Re-Katholisierung

Heinrichs Tochter Maria I., die 1553 den Thron bestieg, versuchte den Katholizismus in England wieder zu etablieren. Wie ihre Mutter, Katharina von Aragón, war Maria I. überzeugte Katholikin und lehnte die Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche ab.

Bald wurden Protestanten wegen Ketzerei verfolgt und öffentlich hingerichtet. In protestantischen Kreisen erhielt Maria deshalb den Spitznamen «Bloody Mary», blutige Maria, obwohl sich die Historikerinnen und Historiker darüber uneins sind, inwiefern die Königin für die Radikalität der Verfolgung verantwortlich war.

Elisabeth I., Marias Nachfolgerin auf dem Thron, stoppte die Re-Katholisierung und trennte sich mit der Verabschiedung der 39 Anglikanischen Artikel endgültig von der katholischen Kirche. Für den alkoholischen Cocktail namens «Bloody Mary» stand Maria übrigens kaum Patin.

4 Mehr Rechte für Katholikinnen und Katholiken im späten 18. Jahrhundert

Die Katholikinnen und Katholiken stellten in England bis ins späte 18. Jahrhundert eine diskriminierte Minderheit dar. Die Gemeinden bestanden zumeist aus unterprivilegierten Menschen, etwa irischen Einwanderern sowie Arbeiterinnen und Arbeitern. Öffentliche Ämter und freie Religionsausübung waren ihnen grösstenteils verwehrt.

Erst die «Catholic Relief Acts», die katholischen Emanzipationsgesetze von 1778 und 1791, erlaubten es Katholikinnen und Katholiken, Land zu besitzen oder zu vererben und ermöglichten ihnen Zugang zu offiziellen Ämtern und ins Parlament. Mit dem zweiten Act von 1791 durften die katholischen Gemeinden nun auch Gottesdienste feiern, dezente (!) Kirchen bauen und Kinder in Religion unterweisen. 1850 wurde unter Papst Pius IX. wieder ein römisch-katholisches Diözesansystem in England und Wales errichtet.

5 Keine Katholikinnen und Katholiken auf dem Thron möglich

Erst seit 2015 ist es englischen Königinnen und Königen erlaubt, einen Katholiken oder eine Katholikin zum Ehepartner zu haben. Zuvor wurde mit einem Gesetz von 1701 jede und jeder von der Thronfolge ausgeschlossen, die oder der sich zur «päpstlichen Religion bekennt oder einen Papisten heiratet».

Allerdings müssen Königinnen und Könige sowie mögliche Thronfolgende selbst der Kirche Englands angehören, dürfen nicht konvertieren. Ein legitimes Kind eines anglikanischen Königs und seiner katholischen Frau wird nicht länger aus der Thronfolge ausgeschlossen, sofern es nicht katholisch getauft ist.

6 Katholische Krone für anglikanische Königinnen und Könige

König Charles III. wird an der Krönung die Edwardskrone tragen. Sie ist nur eine von vielen wertvollen Kronen des britischen Königshauses, aber sie ist die älteste und stammt aus dem Jahr 1661. Die Krone aus dem Jahr 1661 ist jedoch die «neue» Edwardskrone, die mittelalterliche wurde um 1649 eingeschmolzen. Traditionell wird die Edwardskrone für Krönungen verwendet.

Einer Legende nach soll Ælfred der Grosse um 871 die ursprüngliche Edwardskrone erhalten haben, als er von Papst Leo IV. zum König gesalbt wurde. Andere Quellen nennen Eduard den Bekenner (1004–66) als Auftraggeber der Krone. Münzen, auf denen er mit einer ähnlichen Krone abgebildet ist, werden als Beweis ins Feld geführt.

Eduard der Bekenner war sehr religiös und liess unter anderem die Benediktinerabtei Westminster Abbey errichten. Er wurde bereits zu Lebzeiten als Heiliger verehrt und 1161 von Papst Alexander III. heiliggesprochen. Die Vita Ædwardi Regis (um 1067) erzählt von seinen Wundertaten. Edward ist der Patron Englands und seiner Könige.

7 Königshaus und Vatikan: Annäherung im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert näherten sich Buckingham Palace und der Vatikan langsam wieder an. So traf Königin Elisabeth II. während ihrer 70-jährigen Amtszeit fünf Päpste.

Auch Elisabeth trug den Titel «Verteidigerin des Glaubens», wobei sich abzeichnete, dass sie dies längst nicht mehr nur auf die Kirche von England bezog. 2012 hielt sie eine Ansprache, in der sie religiöse Toleranz forderte und die Vielfalt lobte.

Der Hochzeitstermin des damaligen Thronfolgers und heutigen Königs Charles III. und Camilla Parker Bowles vom 8. April 2005 musste kurzfristig verschoben werden, weil Charles an die Trauerfeier für Papst Johannes Paul II. reisen musste.

Papst Franziskus hat übrigens dem britischen Monarchen zur Krönung ein besonderes Geschenk gemacht: zwei Splitter des wahren Kreuzes, an dem einst Jesus gekreuzigt worden sei.

Die Splitter sind in das Kreuz von Wales (König Charles war der Prince of Wales) eingearbeitet, das am 6. Mai die Krönungsprozession anführt. Am Mittwoch, 19. April, wurde es gesegnet.

Nach der Krönung soll das Kreuz in Wales von der anglikanischen und der katholischen Kirche genutzt werden. Auf das Kreuz sind Worte aus der letzten Predigt des Heiligen David auf Walisisch geprägt: «Sei fröhlich. Behalte den Glauben. Tu die kleinen Dinge.» – Auf dass sich King Charles dies zu Herzen nehme!


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/kings-queens-and-popes-7-fakten-zum-verhaeltnis-zwischen-britischer-monarchie-und-katholischer-kirche/