Das Gericht in Lausanne hat den ehemaligen Vizepräsidenten der römisch-katholischen Kantonalkirche des Kantons Waadt (FEDEC) zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt – 12 davon unbedingt. Der Katholik wurde der ungetreuen Geschäftsbesorgung, Korruption und Geldwäsche für schuldig befunden.
Das Strafgericht von Lausanne hat alle Anklagepunkte des Staatsanwalts gelten lassen im Prozess gegen die beiden angeklagten Waadtländer Katholiken. Sie wurden verurteilt, bei einer Baustelle in Lausanne ein Korruptionssystem aufgebaut zu haben. Das berichtete die Tageszeitung «24 Heures» am 18. März 2023.
Hauptangeklagt war der ehemalige Vizepräsident der Stiftung für katholische Pfarreibauten (FCPC), der auch Vizepräsident der katholischen Waadtländer Kantonalkirche (FEDEC) war. Er wurde für schuldig befunden, seine Position ausgenutzt zu haben.
Er habe Zehntausende von Franken veruntreut, indem er die Vergabe von Umbauarbeiten an einem Gebäude am Boulevard de Grancy in Lausanne gegen Rückvergütungen vornahm. Das Gebäude befindet sich im Besitz der FCPC. Die Renovation wurde von 2016 und 2018 realisiert und kostete fast 6 Millionen Franken.
Der Mann soll seinen Einfluss in der von der FCPC eingesetzten Baukommission (Weko), die die Vergaben und Bauarbeiten verwaltet, geltend gemacht haben. Gleichzeitig soll er gemäss Urteil die anderen Mitglieder sowie den Architekten von den Verhandlungssitzungen und finanziellen Vergaben ausgeschlossen haben. Die Schmiergelder sollen auf 10 Prozent des Zuschlagsbetrags festgesetzt worden sein.
Darüber informierte einer der erfolgreichen Bieter die FCPC, woraufhin Anzeige erstattet und eine Untersuchung eingeleitet wurde. Die gesamten unrechtmässigen Rückvergütungen, die von den Unternehmen gefordert wurden, sollen sich auf über 120’000 Franken belaufen.
Im Februar 2019 trat der Mann auf Ersuchen der FCPC und der FEDEC mit sofortiger Wirkung von seinen Vizepräsidien und von allen Organen zurück, denen er in den Institutionen der römisch-katholischen Kirche des Kantons angehörte.
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 30 Monaten gefordert, davon 15 Monate unbedingt. Das Gericht folgte somit fast der Anklage und verhängte gegen den ehemaligen FEDEC-Kadermann 30 Monate Gefängnis, davon 12 Monate unbedingt.
Richter Giovanni Intignano argumentierte, dass der Mann «seinen Plan minutiös vorbereitet, seinen Einfluss voll ausgespielt und der FCPC Informationen vorenthalten» habe. Seine «Doppelzüngigkeit» sei offensichtlich. «Es handelt sich um einen Verrat», so der Richter. «Und es gibt keine entlastenden Elemente».
Staatsanwalt Anton Rüsch meinte, dass das harte Strafmass vor allem durch «die von den beiden Hauptangeklagten gezeigte Leugnung» gerechtfertigt sei. Immerhin wurde die Strafe für den Komplizen des ehemaligen Vizepräsidenten der FEDEC auf 24 Monate, davon neun Monate unbedingt, reduziert.
Gegen drei der vier beteiligten Unternehmer wurden Geldstrafen verhängt. Der vierte, der die Aufdeckung des Falls ermöglicht hatte, wurde schliesslich freigelassen.
Rémy Wyler, Anwalt der FCPC, begrüsste die Tatsache, dass die Justiz «die Unzulässigkeit der Schäden, die die Angeklagten der Stiftung zugefügt haben», anerkannt hat. «Wir sind sowohl traurig über diesen Fall, als auch erleichtert über die Verurteilung», sagte Cédric Pillonel, Generalsekretär der FCPC. Die Anwälte der beiden Hauptangeklagten äusserten ihre Absicht, Berufung einzulegen. (cath.ch/Adaption rp)
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https://www.kath.ch/newsd/ex-vize-der-waadtlaender-kantonalkirche-muss-fuer-ein-jahr-ins-gefaengnis/