Pier Giacomo Grampa: Auch künftige Bischöfe sollen Tessiner sein

Das Bistum Lugano muss laut einem Staatsvertrag von einem Tessiner geleitet werden. Noch bis zum 5. März werden Unterschriften für eine Petition gesammelt, die das ändern will. Nun schaltet sich Altbischof Pier Giacomo Grampa (86) in die Diskussion ein. Er findet, die alte Klausel sei weiterhin zu respektieren.

Barbara Ludwig

Die Regel, wonach der Bischof von Lugano das Tessiner Bürgerrecht besitzen muss, hänge mit der Entstehungszeit des Bistums Lugano zusammen. Das schrieb Pier Giacomo Grampa in einem seiner Hirtenbriefe, an den er in diesen Tagen erinnert. Das Tessiner Portal catt.ch hat am Samstag Auszüge aus dem Dokument publiziert. Grampa hatte den Hirtenbrief als Diözesanbischof ursprünglich für das Pastoraljahr 2011/2012 verfasst.

Es geht um die Zugehörigkeit zum schweizerischen Kontext

Die Klausel, die die Auswahl der Kandidaten eingrenzt, geht auf ein Abkommen zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl aus dem Jahre 1888 zurück. Damals hatte Lugano noch keinen eigenen Bischof, sondern einen Administrator. Das Tessin war Teil des Bistums Basel. Doch der Administrator musste seit 1888 Tessiner sein.

Diese Regel sei «sofort als zu restriktiv» empfunden worden, heisst es im Hirtenwort von Grampa. Aber sie sei immer noch gültig und müsse respektiert werden. «Die Absicht war nämlich nicht so sehr, die ‘Zugehörigkeit des Kandidaten zur Diözese’ zu garantieren, sondern seine ‘Zugehörigkeit zum Tessin’ im schweizerischen Kontext», erklärt Grampa im Hirtenwort.

Petition läuft bis zum 5. März

Die Klausel wurde im 20. Jahrhundert in ein weiteres Abkommen aufgenommen, das noch in Kraft ist. Jedoch gibt es seit Januar im Tessin Bestrebungen, die als anachronistisch empfundene Regel aus dem Abkommen zu kippen.

Noch bis zum 5. März werden Unterschriften für eine Petition gesammelt. Die Initiantinnen und Initianten sprechen auch von einem Appell, der sich an den Heiligen Stuhl und den Schweizer Bundesrat als Vertragspartner richtet. Hinter der Petition stehen Luigi Maffezzoli, ehemaliger Präsident der «Azione Cattolica Ticinese» sowie die Tessiner Grossräte Maddalena Ermotti-Lepori (Mitte) und Giancarlo Seitz (Lega). Bislang haben 313 Personen die Petition unterzeichnet (Stand 28. Februar). 

Bischofssitz vakant

Seit dem Rücktritt von Valerio Lazzeri ist der Bischofssitz in Lugano vakant. Die Diözese wird von Weihbischof Alain de Raemy geleitet. Papst Franziskus hat den Westschweizer im Oktober vergangenen Jahres als Apostolischen Administrator eingesetzt. (korrigiert, 1.3.2023, bal)


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