Die lustigste Jahreszeit steht mit der Fasnacht vor der Tür. Schmunzeln, kichern oder losprusten: Lachen gibt uns ein gutes Gefühl und hat viele Funktionen im menschlichen Zusammenleben. Es vermittelt Sympathie und Freude, kann aber auch Schadenfreude oder Aggression bedeuten.
Christoph Arens
Lachen und Karneval gehören zusammen. Lachen soll gesund sein – auch wenn das so genau noch nicht erwiesen ist. Aus Anlass der närrischen Tage ein Blick auf das, was über das Lachen bekannt ist.
Die Wissenschaft vom Lachen heisst Gelotologie – wegen des griechischen Wortes gelos, das Gelächter bedeutet. Als ihr Begründer gilt der US-Psychiater William F. Fry.
Er gründete in den 1960er Jahren in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien das Institut für Humorforschung. Allerdings gibt es auch das Krankheitsbild der Gelotophobie (von griech. gelos = Gelächter und phobos = Angst, Furcht). Beschrieben wird damit die quälende Angst, ausgelacht zu werden.
Mit zunehmendem Alter werden Menschen offenbar immer ernster: Erwachsene bringen es in westlichen Ländern nur noch auf 15 bis 20 Lacher täglich – bei Kindern sind es etwa 400. Dabei dauert ein Lacher in der Regel zwei Sekunden und sieben schnelle «Hahas».
Keineswegs. Es gibt nicht nur das freundliche Anlächeln oder das Lachen über Dinge, die Menschen als lustig erleben. Es gibt auch das höhnische, gehässige Lachen. Gelacht wird auch aus Verbitterung, Häme, Aggressivität, Nervosität oder ganz einfach aus Erleichterung.
Menschen können ein Lachen auch vortäuschen, um Mitmenschen zu täuschen oder die Fassade zu wahren. Aus Sicht des Verhaltensforschers Konrad Lorenz gehörte das Lachen zunächst zum Repertoire des menschlichen Drohverhaltens. Im Vordergrund stand das Fletschen der Zähne. Lachen wirkt aber meist entwaffnend, beschwichtigend und kommunikativ.
Da beim Lachen über 300 verschiedene Muskeln aktiviert werden, ist gelegentlich auch vom «inneren Jogging» die Rede. Der Lachreflex lässt Gesichts- und Bauchmuskeln kontrahieren und kurbelt das Herz-Kreislauf-System an. Mit 100 Stundenkilometern schiesst die Luft beim Lachen durch die Lunge und bringt dabei die Stimmbänder zum Schwingen.
Der Blutdruck steigt, die Atmung wird schneller und tiefer. Die Lunge nimmt dabei etwa dreimal so viel Sauerstoff auf wie im Normalzustand. Organe und Hirn werden besser versorgt. Die darauffolgende Entspannung senkt den Stresspegel und setzt Glückshormone frei. Lachen kann Forschern der Universität Oxford zufolge möglicherweise auch vor Schmerzen schützen. Endorphine werden freigesetzt und die Reizschwelle erhöht.
Ob Lachen gravierend positive gesundheitliche Auswirkungen hat, ist durchaus umstritten. Allerdings konnte eine im vergangenen Jahr veröffentlichte internationale Literaturrecherche des Universitätsklinikums Jena die Binsenweisheit wissenschaftlich bestätigen. Dafür wurden 45 Studien ausgewertet, die die Wirkung von Lachtherapien in verschiedenen Patientengruppen testeten. Danach ergaben sich positive Effekte sowohl für die körperliche als auch die seelische Gesundheit.
Ausserdem zeigte sich, dass das therapeutische Lachen in Gruppen wirksamer ist, als wenn die Teilnehmenden allein lachten. In Bezug auf psychische Merkmale erzielte spontanes Lachen weniger Effekt als das absichtliche, simulierte Lachen, das in der Regel von Atem- und Entspannungsübungen begleitet wird.
Zudem fanden die Autorinnen einen Zusammenhang von Wirkung und Alter der Studienteilnehmer: Je jünger diese waren, desto hilfreicher erwies sich die Lachtherapie. Darüber hinaus kann Lachen auch die Gemeinschaft stärken. Es stellt Beziehungen zwischen Menschen her und signalisiert Vertrauen.
Schon das Geräusch lachender Menschen veranlasst das Gehirn, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten. Dafür sind die Spiegelneuronen im Gehirn zuständig. Sie sorgen dafür, dass wir uns in unser Gegenüber hineinversetzen und dessen Gefühle, Einstellungen und Ziele besser verstehen können. Lachen kann also ein «soziales Schmiermittel» sein.
Lange waren Wissenschaftler überzeugt, dass das Lachen eine Eigenart des Menschen ist. Mittlerweile gibt es Untersuchungen, nach denen auch Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos, aber auch Ratten, Lachgeräusche produzieren, wenn sie gekitzelt werden.
Zahlreiche weitere Tierarten können Artgenossen über bestimmte, dem menschlichen Lachen vergleichbare Laute signalisieren, dass sie freundlich gesinnt sind und etwa zum Spielen bereit sind. (kna)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/zwei-sekunden-und-sieben-hahas-lachen-ist-nicht-immer-lustig/