Schon als Bischof von Basel ist Kurt Koch nicht gerne verreist. Doch als Ökumene-Minister hat er keine Wahl. Auf Franziskus’ Kongo- und Südsudan-Reise darf Kurt Koch nicht fehlen. Denn Teil der Delegation sind auch der Anglikaner Justin Welby und der Presbyterianer Iain Greenshields.
Severina Bartonitschek
Es ist heiss und staubig, als die Papstmaschine auf dem Flughafen Juba landet. Sicherheitskräfte beobachten genau Franziskus’ Ankunft in der Hauptstadt des Südsudan. Alles ist straff durchorganisiert. Das Land hat das Schutzaufgebot deutlich erhöht. Die Armee unterstützt die Polizei.
Nach dem Kongo steht der Südsudan auf dem Programm. Die Gewalt in dem Bürgerkriegsland ist nah. Nur einen Tag vor der Ankunft der päpstlichen Delegation am Freitag erschütterte ein Angriff auf Zivilisten das junge Land. Von mindestens 19 Toten ist die Rede – gerade einmal 150 Kilometer von Juba entfernt. Die UN-Friedensmission im Land äusserte kürzlich Sorge über möglicherweise bevorstehende Kämpfe im knapp 500 Kilometer entfernten Bundesstaat Upper Nile.
Dies seien lokale Konflikte, die im Land immer wieder ausbrechen, erzählt Tobias Müller von der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio. Seit Jahren ist er für die Organisation in den Friedensprozess im Südsudan eingebunden. Juba hingegen gelte als weitgehend sicher. Und so säumen Tausende Menschen den Strassenrand bei der Ankunft des Papstes. Plakate mit Grüssen an den Papst, vornehmlich von Politikern,stehen am Strassenrand. Daneben grasen Ziegen.
Franziskus ist in eines der ärmsten Länder der Welt gereist. Auch nach über einem Jahrzehnt der staatlichen Unabhängigkeit vom Sudan ist das Leben dort geprägt von Gewalt, Naturkatastrophen und Hungersnöten. Frieden ist noch lange nicht eingekehrt.
Für den werben möchte nun der Papst, aber nicht allein. Zwei weitere hochrangige Kirchenmänner ergänzen die christliche Reisedelegation: Das Oberhaupt der Anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, und der Moderator der Generalversammlung der presbyterianischen Kirche von Schottland, Iain Greenshields. Und wann immer auf Papst-Reisen die Ökumene ein Thema ist, ist auch der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch mit von der Partie.
Es ist nicht das erste Mal, dass die drei Konfessionen mit diesem Anliegen zusammenkommen. 2019 waren sie dabei erfolgreich, der Frieden jedoch nicht von Dauer. Damals hatten Papst, Anglikaner-Primas und der damalige Moderator der Kirche von Schottland die politischen Führer des Südsudans zu Einkehrtagen in den Vatikan eingeladen. Zum Abschluss kniete Franziskus nieder und küsste den Politikern die Füsse; so forderte er sie zum Friedensschluss für ihr Volk auf.
Die Bilder gingen um die Welt. Fotos von dem Treffen hängen aktuell an den Plakatwänden in Juba. Die Fortschritte im Friedensprozess waren nicht von Dauer. Kürzlich brach die Regierung den Dialog mitRebellengruppen unter Vermittlung von Sant’Egidio ab. Die Rebellen sollten einen weiteren Krieg vorbereiten, so der Vorwurf. Laut Sant’Egidio-Mitarbeiter Tobias Müller handelte es sich um ein Missverständnis. So kündigte auch die Regierung vor dem Papstbesuch an, die Gespräche wieder aufnehmen zu wollen. Müller hofft auf eine Fortsetzung in diesem Frühjahr in Rom.
«Fünf Jahre später kommen wir erneut auf diese Weise zu euch: auf den Knien, um euch die Füsse zu waschen, zuzuhören, zu dienen und mit euch zu beten», nimmt Anglikaner-Vertreter Welby Bezug auf das Treffen 2019.
Im Beisein den politisch Verantwortlichen im Präsidentenpalast ruft Papst Franziskus seinerseits mit deutlichen Worten zu Frieden und Demokratie auf: «Schluss mit Blutvergiessen, Konflikten und Gewalt, Schluss mit den gegenseitigen Anklagen und Schuldzuweisungen – lasst das Volk nicht weiter nach Frieden dürsten.» Künftigen Generationen würden die Namen der Verantwortlichen aufgrund ihrer Taten künftig «ehren oder auslöschen.»
Der Einfluss der Kirche ist gross in dem Land mit rund elf Millionen Einwohnern. Über die Hälfte der Menschen sind Christinnen und Christen. Die meisten Menschen im Südsudan sind katholisch, gefolgt von den Anglikanerinnen und Anglikanern.
Das Kommen von Papst, Welby und Greenshields sei ein wichtiges Zeichen im Südsudan, sagt der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch. Als vatikanischer Ökumene-Verantwortlicher begleitet er den Papst in Afrika. Die Reise zeige, «die Christen stehen zusammen, die Christen wollen gemeinsam Frieden in diesem Land.»
Zudem sei der gemeinsame Besuch für die Ökumene von Bedeutung, wie «immer, wenn Kirchen gemeinsam etwas tun – für die Gesellschaft, für den Frieden, für die Gerechtigkeit», sagt Koch. Es sei ein «sehr schönes Zeichen in die Welt hinein: Die Christen setzen sich gemeinsam dafür ein, dass Frieden sein und Gerechtigkeit leben kann». (cic)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/kongo-und-suedsudan-kurt-koch-auf-friedensmission-in-weiss/