Kirchenpolitisch hatten Joseph Ratzinger und der Glarner Theologe Franz Böckle das Heu nicht auf derselben Bühne. Trotzdem schätzten sie einander. Ratzinger besuchte die Böckles in den 1950er-Jahren in Glarus.
Raphael Rauch
Das bestätigt der Lokalhistoriker Fridolin Hauser gegenüber kath.ch. «Franz Böckle und Joseph Ratzinger kannten sich aus ihrer Münchner Studienzeit. Sie bewohnten die gleiche Studentenbude, leisteten gemeinsam Priesteraushilfen und waren später zur gleichen Zeit in Bonn.»
Böckle wurde am 18. April 1921 in Glarus geboren – und zwar in der Reitbahnstrasse 22. «Hier verbrachte er auch seine Jugendjahre», sagt Fridolin Hauser zu kath.ch.
Später, von 1963–1986, lehrte Böckle an der Uni Bonn und wurde zu den führenden Stimmen der liberalen Moraltheologie. Bundeskanzler wie Helmut Schmidt oder Helmut Kohl schätzten seinen Rat.
«Franz Böckle blieb zeitlebens Glarner, kam immer wieder ferienhalber nach Glarus zurück und übersiedelte kurz vor seinem Tod wieder ganz in seine alte Heimat, wo er im Alter von 70 Jahren am 8. Juli 1991 starb», sagt Fridolin Hauser zu kath.ch.
Anders als Joseph Ratzinger, der streng auf das Lehramt pochte, kämpfte Franz Böckle für eine autonome Moral. Der Mensch sollte nicht fremdbestimmten Regeln folgen, sondern dem eigenen Gewissen.
In einem Briefwechsel bestätigte der Privatsekretär von Benedikt XVI., Georg Gänswein, dass sich der emeritierte Papst an einen Aufenthalt im Glarnerland erinnere: «Er erinnert sich daran, dass er einmal in den fünfziger Jahren in Glarus, nicht in Näfels, bei den Eltern von Professor Böckle zu Gast war.»
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