Sakraler Apéro am Stephanstag in Zug: «Wein ist ein Zeichen der Lebensfreude»

Am 26. Dezember gedenkt die Kirche ihres ersten Märtyrers, des Heiligen Stephanus. Die Zuger Katholikinnen und Katholiken feiern den Stephanstag mit einem alten Brauch: dem Stephanswein. Der sakrale Apéro erfreut sich grossen Zuspruchs.

Wolfgang Holz

60 Plastikgläschen stehen in Reih und Glied auf zwei Tabletts unterhalb des Altars in der Zuger St. Oswald-Kirche. 30 Gläschen sind mit rotem Traubensaft gefüllt. Ganz ohne Alkohol. 30 Gläschen mit Weisswein aus dem Waadtland. «Damit Sie nachher auch wissen, was Sie nehmen möchten», sagt Pfarrer Reto Kaufmann am Altar und lächelt – bevor er den Stephanswein segnet.

«Wein macht Herzen froh und stiftet Gemeinschaft»

«Der Wein ist ein Zeichen der Lebensfreude, er ist Frucht der Erde und Frucht der menschlichen Arbeit und wird heute zu Ehren des Heiligen Stephans gesegnet», sagt der Zuger Pfarrer kurz darauf. «Der Wein macht die Herzen froh und stiftet Gemeinschaft.»

Danach folgt in der spätgotischen Kirche in der Altstadt von Zug, die zur Pfarrei St. Michael gehört, der allgemeine Segen. Schliesslich lädt der leitende Sakristan, Oswald Bürgler, die anwesenden Gläubigen zu einem Gläschen ihrer Wahl ein. Zunächst etwas zögerlich, dann aber gut gelaunt und beherzt greifen die Geladenen an Gottes Gabentisch der anderen Art zu.

«Den Wein hat der Sakristan ausgewählt.»

Reto Kaufmann, Pfarrer St. Michael, Zug

Für Nachschub ist gesorgt, falls ein zweites oder drittes Gläschen gewünscht wird. In einer Kiste stehen schon weitere Flaschen des trockenen Rebensaftes bereit. «Den Wein hat der Sakristan ausgewählt», sagt Pfarrer Reto Kaufmann. Schnell hat er sich umgezogen und zu den Gläubigen gesellt. Diese plaudern untereinander und mit dem Pfarrer in bester Sonntagslaune zu Saft oder Wein.

Symbolisch für Blut des Märtyrers

«Natürlich steht der Wein symbolisch auch für das Blut, vergossen durch den Tod des Heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers Christi», erklärt der Zuger Seelsorger. Das Segnen des Weins sei eine langjährige Tradition in Zug am Stephanstag. «Am Johannistag wird ebenfalls Wein gesegnet.»

Stephanus ist im Neuen Testament ein Diakon für die Armen in der Jerusalemer Urgemeinde. Er gilt als erster Märtyrer des Christentums, der anno 40 nach Christus wegen scheinbarer Gotteslästerung umgebracht worden sei, sagt Pfarrer Reto Kaufmann.

Der Name Stephanus deutet auf eine hellenistische Herkunft hin. Seit 560 nach Christus befinden sich die Reliquien des heiligen Stephanus in der Krypta von Sankt Laurentius vor den Mauern in Rom.

Bericht über Steinigung in der Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte berichtet über die Steinigung des heiligen Stephanus: «Sie trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.» Der Gesteinigte habe sich dann an Gott gewandt: «Herr, nimm meinen Geist auf und rechne ihnen diese Sünde nicht an.»

In seiner Predigt geht Pfarrer Reto Kaufmann auf die Bedeutung des heiligen Stephanus ein. «Ich sehe den Himmel offen», habe Stephanus in der Stunde seines Todes gesagt. «Auch für uns ist der Himmel offen durch die Geburt und Menschwerdung Jesu.» Der menschgewordene Christus helfe uns, durch alles Menschliche zu gehen. Gott sei Mensch geworden – dies bestärke uns im Glauben, dass Gott wirklich unter uns sei.

«Leider gibt es heutzutage auf unserer Welt Gebiete, wo Menschen noch immer wegen ihres Glaubens verfolgt werden – und sogar zu Tode kommen.»

Pfarrer Reto Kaufmann

Kaufmann verschweigt aber auch nicht die furchtbare Seite des Stephanstags: «Leider gibt es heutzutage auf unserer Welt Gebiete, wo Menschen noch immer wegen ihres Glaubens verfolgt werden – und sogar zu Tode kommen.»


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