Jugendvertreter: «Wir müssen in Prag besser gehört werden als in Mariastein»

«Ich bin nicht enttäuscht, weil ich keine grossen Erwartungen hatte», sagt Pfadi-Mann Thomas Boutellier (43) über das Treffen mit den Schweizer Bischöfen in Mariastein. Ähnlich sieht das Moritz Bauer (28) von der Jubla. Beide hoffen, dass die Stimme der Jugend beim europäischen Synoden-Treffen in Prag besser gehört wird.

Raphael Rauch

Das Fazit der Schweizer Bischofskonferenz zur Vollversammlung lautet: «Die Bischöfe hören den Jugendlichen zu.» Wie lautet Ihr Fazit?

Thomas Boutellier*: Es war eine angenehme Begegnung. Aber ich finde den Titel der Medienmitteilung nicht zutreffend. Am Schluss waren wohl nicht mehr als zwei Jugendliche da, die dieses Kriterium erfüllt haben. Alle anderen war junge Erwachsene und die meisten Funktionäre.

Moritz Bauer*: Ich erwarte von Bischöfen, dass sie den Jugendlichen immer zuhören – und nicht nur, wenn es ein Treffen in Mariastein gibt. Mein Fazit lautet: Die Jugend-Gruppen sind unterschiedlich aufgestellt und haben unterschiedliche Schwerpunkte. Letztlich beschäftigen uns aber ähnliche Themen.

Zum europäischen Synoden-Treffen reist Bischof Felix Gmür mit drei nicht mehr ganz jungen Frauen nach Prag. Steht fest, ob die Jugendverbände digital zugeschaltet werden?

Boutellier: Prag war überhaupt kein Thema. Ich hoffe jedoch sehr, dass wir Jugendverbände Vertretungen stellen dürfen.

Bauer: Wir fänden es auch schön, wenn die Schweizer Delegation im Vorfeld mit uns Jugendverbänden Kontakt aufnehmen würde. Und ich erwarte, dass von den zehn Plätzen, die an der Synode in Prag digital zur Verfügung stehen mindestens zwei an Vertretungen der Jugend gehen.

Gibt es konkrete Ergebnisse?

Boutellier: Es war von Anfang an als Begegnung ausgeschrieben, also war es schwer, etwas zu erwarten. Ein Problem ist auch, dass die Bischofskonferenz immer kleiner wird und die Aufgaben für sie immer grösser. Und hier sieht man exemplarisch, was das bedeutet: Die Jugend rutscht in der Prioritätenliste nach unten. Mehr als miteinander reden ist dann leider auch nicht mehr möglich. Das bedeutet, dass in den Bistümern mehr gemacht werden muss, wenn auf Ebene der Schweizer Bischofskonferenz weniger möglich ist. Und da lautet wieder die Frage, wer was macht.

Bauer: Ich fand gut, dass wir über die Idee eines Jugendrates gesprochen haben.

Boutellier: Das fand ich auch gut. Aber ich warne davor, auf nationaler Ebene einen Jugendrat aus dem Boden zu stampfen. Den gab’s ja früher schon. Es wäre besser, erst einmal in den Diözesen einen Jugendrat zu etablieren, so wie das Bischof Joseph Bonnemain gerade in Chur macht.

Was haben Sie Neues gelernt?

Boutellier: Ich habe einige neue Begriffe und Gruppen kennengelernt. Ich wusste beispielsweise nicht, dass das Opus Dei eine Jugendorganisation hat, die sich «Klub» nennt – nun kenne ich einen Jugendvertreter des Opus Dei persönlich. Auch zu anderen Gruppierungen konnten wir mal ein Gesicht sehen.

Bauer: Immer wieder sprechen wir über die grossen Unterschiede in der Schweiz. Ich fand: Die Unterschiede sind eigentlich gar nicht so gross, wenn man jetzt die sprachliche Vielfalt  und theologische Nuancen ausklammert. Der Wunsch, gemeinsam mit Jugendlichen eine zeitgemässe Kirche zu gestalten, war für mich auch in den anderen Sprachregionen zu spüren.

Im synodalen Prozess haben viele die Liturgie als zu langweilig kritisiert. Die Bischöfe haben Sie zu Beginn zu einer eucharistischen Anbetung eingeladen. Interessiert das junge Menschen?

Boutellier: Wir haben uns darauf eingelassen – und alle haben mitgemacht, nicht nur die traditionelle Fraktion. Ich denke, das war für die Dynamik gar nicht so schlecht. Dadurch sind wir später leichter ins Gespräch gekommen.

Welches Anliegen haben Sie platziert?

Bauer: Wir konnten klarstellen, dass wir Kirche nicht erst seit dem synodalen Prozess partizipativ denken. Seit Jahrzehnten steht die Jubla für eine enorme Vielfalt – auch mit Blick auf Glaube und Spiritualität. Katholische Jugendarbeit meint mehr als Sakramente.

Kamen heisse Eisen wie Gender oder LGBTQ zur Sprache?

Bauer: Nein, das war in Mariastein kein Thema. Für junge Menschen sind das kaum noch heisse Eisen – es sei denn, sie haben persönlich Diskriminierung erfahren. Die Bischöfe und die Amtskirche haben mit diesen Themen ein Problem – aber die Jugendlichen sind hier längst weiter. Insofern waren die Gespräche in Mariastein schon etwas realitätsfremd.

Das Treffen in Mariastein ist Teil eines Weges der Erneuerung. Warum gab es nicht, analog zum Treffen mit der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und mit den Frauenverbänden, eine Medienkonferenz mit den Bischöfen?

Bauer: Die Jugend wird scheinbar nicht auf der gleichen Augenhöhe wahrgenommen. RKZ und Frauenverbände haben ein grösseres politisches Gewicht. Wir wurden ja auch nicht in die Vorbereitung einbezogen. Irgendwie schade: Es gibt so viel Know-how, das die Bischofskonferenz nicht nutzt, obwohl sie so bescheiden aufgestellt ist.

Boutellier: Auch die Medienmitteilung wurde nicht mit uns abgestimmt oder vorher versendet. 

Mit welchem Gefühl sind Sie von Mariastein abgereist?

Bauer: Wenn die Bischöfe keine Klarheit haben, dann schaffen wir für uns als Jubla Klarheit und machen weiter. 

Boutellier: Wir stehen für die Mehrheit der katholischen Jugendlichen. Und die warten nicht noch zehn Jahre. Die springen uns ab, wenn es jetzt keine Bewegung gibt.

* Moritz Bauer (28) ist Bundespräses von Jungwacht Blauring. Thomas Boutellier (43) ist Verbandspräses im Verband Katholischer Pfadi und Co-Leiter von «Kirche Urban Zürich».


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https://www.kath.ch/newsd/jugendvertreter-wir-muessen-in-prag-besser-gehoert-werden-als-in-mariastein/