Spenden statt hemmungslos konsumieren: «Fair Friday» hilft Armutsbetroffenen

«Fair Friday» ist eine Alternative zum «Black Friday». Rund 200 Unternehmen beteiligen sich dieses Jahr an der Aktion, bei der Kundinnen und Kunden zugunsten einer Spende an Caritas Schweiz auf den Rabatt verzichten können. Den «Black Friday» sieht das Hilfswerk kritisch.

Barbara Ludwig

Der Westschweizer Buchhändler Payot lancierte 2018 die Aktion «Fair Friday». Es war eine Reaktion auf die Rabatt-Schlacht, die sich Ladengeschäfte jeweils zum «Black Friday» Ende November liefern. Zwei Jahre später führte der Buchhändler Orell Füssli den «Fair Friday» in der Deutschschweiz ein, wie Caritas Schweiz am Donnerstag mitteilte.

Auf den Rabatt verzichten

Unterdessen beteiligen sich schweizweit rund 200 Unternehmen an der Aktion. Das sagt Livia Leykauf, Leiterin Abteilung Kommunikation beim katholischen Hilfswerk Caritas Schweiz, auf Anfrage.

Kundinnen und Kunden haben beim «Fair Friday» die Wahl: Sie können von einem Rabatt profitieren oder den entsprechenden Betrag spenden. Die Aktion läuft von Freitag, 25. November, bis und mit Samstag, 26. November.

Ausbildung und Arbeitsintegration fördern

Der gesamte Erlös geht an Caritas Schweiz, die damit armutsbetroffene Menschen in der Schweiz unterstützt. Die Projekte eröffneten Betroffenen «Wege aus der Armut» und ermöglichten soziale Teilhabe, schreibt das Hilfswerk. «Konkret werden durch den ‘Fair Friday’ Ausbildungs- und Arbeitsintegrationsprogramme gefördert.»

Ein Beispiel dafür sei das Projekt «Incluso» von Caritas Zürich, bei dem freiwillige Mentorinnen und Mentoren Jugendliche bei der Lehrstellensuche begleiten.

Ab 2020 über 100’000 Franken Erlös

2018 betrug der Erlös der Aktion rund 35’000 Franken. In den darauffolgenden Jahren waren es laut Livia Leykauf 29’000 Franken (2019), 135’000 Franken (2020) und 116’000 Franken (2021).

Die von regionalen Caritas-Stellen betriebenen Secondhand-Kleiderladen machten zum Teil beim «Fair Friday» mit, sagt die Sprecherin. Die Caritas-Märkte hingegen beteiligten sich weder beim «Fair Friday» noch am «Black Friday».

«Black Friday» ist eine «Versuchung»

Den «Black Friday» sieht das Hilfswerk kritisch. «Dieser Tag ist rein auf den Konsum ausgerichtet.», sagt Livia Leykauf. Für die Menschen stelle er in erster Linie eine «Versuchung» dar, weil er den Konsum anrege. Spontankäufe für allenfalls unnötige Produkte könnten für Menschen mit kleinem Budget problematisch sein.

Leykauf räumt ein, dass Betroffene am «Black Friday» vielleicht mal ein benötigtes Produkt zu einem günstigen Preis erwerben könnten. «Das muss aber gut vorbereitet werden.» Als Instrument der Schuldensanierung tauge der «Black Friday» auf keinen Fall. «Das ist nicht nachhaltig.»


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/spenden-statt-hemmungslos-konsumieren-fair-friday-hilft-armutsbetroffenen/