Orange gegen die Ohnmacht: 16 Tage gegen Gewalt an Frauen

In den nächsten Tagen wird so manche Kirche orange leuchten – und zwar als Protest gegen Femizid. Die Ermordung von Frauen steht dieses Jahr im Fokus der «16 Tage gegen Gewalt an Frauen».

Barbara Ludwig

Jede zweite Woche wird in der Schweiz eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist. Das schreibt der Christliche Friedensdienst (CFD). Die feministische Organisation koordiniert die diesjährige Präventionskampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen». Ab Freitag macht eine Reihe von Aktionen auf die Verbrechen aufmerksam.

Im vergangenen Jahren hätten 20 Frauen und Mädchen ihr Leben durch häusliche Gewalt verloren. Zudem hätten mindestens 30 weitere Frauen einen versuchten «Feminizid» überlebt, so der CFD.

Die Organisation verwendet im Zusammenhang mit der Kampagne den Begriff «Feminizid» statt «Femizid». «Feminizid» ziele stärker auf den strukturellen Aspekt von Gewalt an Frauen und zeige die Verantwortung des Staates auf. Zudem könne man damit auf die internationalen «Kämpfe gegen geschlechtsspezifische Gewalt» verweisen. Der Begriff «Feminizid» stamme aus Lateinamerika, wo Aktivistinnen und Aktivisten seit Jahren gegen die Ermordung von Frauen kämpften.

Mit Diskriminierung verknüpft

Für die Organisation ist klar: «Feminizide sind die Spitze des Eisbergs und die massivste Form von geschlechtsspezifischer Gewalt.» Die Tötung von Frauen sei eng verknüpft mit gesellschaftlicher Diskriminierung. Der Kampf dagegen sei deshalb auch ein Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und weitere Formen der Unterdrückung.

Ab Freitag finden an verschiedenen Orten in der Schweiz Aktionen statt, die auf die Tötung von Frauen aufmerksam machen. Auch Organisationen mit Verbindung zu den Kirchen beteiligen sich.

Film «Bordertown» in St. Jakob

In der reformierten Zürcher Citykirche Offener St. Jakob wird am Samstag, 26. November, der US-amerikanisch-britische Thriller «Bordertown» von Gregory Nava (2006) gezeigt. Der Film thematisiere die Ausbeutung und Tötung von Flüchtlingsfrauen nach dem Abschluss des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens. Auch ein Gespräch mit einer Expertin steht auf dem Programm.

Familiengottesdienst zum ersten Adventssonntag

Am Sonntag, 27. November, organisiert die Offene Kirche Bern gemeinsam mit Berner Kirchgemeinden einen Familiengottesdienst zum ersten Adventssonntag. Dabei soll das Thema Femizid einbezogen werden. Die Feier wird vom reformierten Pfarrer Christian Walti und der Sozialdiakonin Noemi Heuberger gemeinsam mit Jugendlichen gestaltet. Die Offene Kirche Bern ist eine Citykirche mit interreligiöser Trägerschaft.

Ebenfalls am 27. November widmet die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Bern dem Kampagnen-Thema einen Gottesdienst – unter dem Titel «Wort und Musik zu den Orange Days».

Orange beleuchtete Gebäude

Orange Days nimmt Bezug auf die orange Beleuchtung im öffentlichen Raum, wie es auf der Kampagnen-Webseite heisst. «Rund um den Globus machen orange beleuchtete Gebäude auf die Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam.»

In der Schweiz werden unterschiedliche Gebäude beleuchtet, darunter auch römisch-katholische, reformierte und christkatholische Kirchen. Veranstaltet wird die Beleuchtung durch die lokalen Clubs der weltweit aktiven Frauenorganisationen «Soroptimist» und «Zonta».

Zu den Gotteshäusern, die orange leuchten werden, zählen unter anderem mehrere Kirchen im Fricktal – etwa die römisch-katholischen Kirchen in Rheinfelden und in Gipf-Oberfrick. In Zürich sind es die reformierte Kirche St. Peter, die ebenfalls reformierte Wasserkirche und die christkatholische Augustinerkirche.

Lichterkette an Zuger Seepromenade

Leuchten wird es auch an der Zuger Seepromenade. Am Abend des 27. Novembers wird dort eine Lichterkette unter dem Motto «Frauen sind unschlagbar» entzündet. Zu den Organisatoren zählen nebst weiteren der kirchlich verwurzelte Verein «Fra-z», die Reformierte Kirche Zug und der «Soroptimist International Club Zug». Die Aktion mit über 1000 Windlichtern findet zum fünften Mal statt.

Mahnwache in Basel

Einen anderen Charakter hat der Anlass in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. Die City-Kirche wird von einem ökumenischen Verein geführt. Am Dienstag, 29. November, findet dort eine Mahnwache mit Musik, Stille und Texten unter dem Titel «Verschaffe mir Recht» statt. Beteiligt sind die katholische Theologin Anne Burgmer, Leiterin der Offenen Kirche Elisabethen, Barbara Heer, Leiterin Stabstelle Frauen und Gender der evangelischen Organisation «Mission 21», sowie die evangelisch-reformierte Theologin Regine Munz von der Fachstelle Gender und Bildung der Reformierten Kirche Basel-Stadt.

Tagung über «Unehrenmord» im Haus der Religionen

Am Samstag, 10. Dezember, können sich Interessierte mit dem Thema Ehrenmord auseinandersetzen. Die Tagung im Berner Haus der Religionen trägt den Titel «Unehrenmord und Unehrengewalt – verwandtschaftsbasierte Geschlechtergewalt im Migrationskontext».

Mit «Ehrenmord» oder «Gewalt im Namen der Ehre» werde auf einen kollektiven Ehrbegriff Bezug genommen, heisst es im Programm. Familien hätten jedoch rechtlich gesehen keine Ehre. Bei Gewalt im Namen der Ehre werde vielmehr die Menschenwürde des Individuums missachtet.

Organisiert wird der halbtägige Anlass von der Fachstelle gegen Zwangsheirat zusammen mit dem Haus der Religionen. Auf dem Programm stehen ein Workshop für Schulklassen und Interessierte, eine Filmvorführung und Referate von Fachpersonen. Die Tagung endet mit einer Podiumsdiskussion.


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https://www.kath.ch/newsd/orange-gegen-die-ohnmacht-16-tage-gegen-gewalt-an-frauen/