Für den 2017 verstorbenen Tessiner Kardinal Gilberto Agustoni ist ein Seligsprechungsverfahren eröffnet worden – und zwar in der südlichsten Gemeinde Apuliens. Agustoni unterhielt enge Beziehungen zu den dort ansässigen Schwestern «Figlie di Santa Maria di Leuca».
Barbara Ludwig
Vito Angiuli, der Bischof von Ugento-Santa Maria di Leuca, hat am Samstag eine kirchliche Untersuchung über das Leben von Gilberto Agustoni (1922-2017) eingeleitet. Das berichtete das Tessiner Newsportal catt.ch am Sonntag. Der Tessiner Kurienkardinal soll seliggesprochen werden.
Die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens fand im Rahmen einer Eucharistiefeier in der Basilika Santa Maria de Finibus Terrae statt. Die Kirche befindet sich im Ortsteil Leuca der südlichsten Gemeinde Apuliens. An der Feier nahm Nicola Zanini als Vertreter des Bistums Lugano teil, schreibt das Newsportal.
Gilberto Agustoni war Tessiner, wurde jedoch am 26. Juli in Schaffhausen geboren. Dort wuchs er zusammen mit vier Geschwistern auf. In Lugano besuchte Agustoni das Gymnasium, das Kollegium und das Priesterseminar. Er studierte in Freiburg (Schweiz) Theologie sowie Kirchenrecht in Rom. Agustoni wurde 1946 vom damaligen Bischof von Lugano, Angelo Jelmini, zum Priester geweiht. Bereits vier Jahre später startete er seine Karriere in Rom. Da war er erst 27 Jahre alt.
Eine entscheidende Rolle soll dabei eine Ordensfrau gespielt haben, wie aus einem Bericht von catt.ch vom Samstag hervorgeht. Elisa Martinez di Galatina, die Gründerin der Kongregation «Figlie di Santa Maria di Leuca», lernte den Tessiner Priester 1947 bei einem Aufenthalt in der Schweiz kennen. Später machte sie ihn mit dem künftigen Kardinal Alfredo Ottaviani bekannt. Ottaviani war es denn auch, der als Assessor im Heiligen Offizium, dem Vorläufer der heutigen Glaubenskongregation, den jungen Priester für eine Tätigkeit in dieser Kurienbehörde anforderte.
Agustoni wirkte während 67 Jahren in Rom, bis zu seinem Tod am 13. Januar 2017 im Alter von 94 Jahren. 1987 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof geweiht. Derselbe Papst ernannte ihn 1994 zum Kardinal. Von 1992 bis 1998 leitete er als Präfekt die Apostolische Signatur, das höchste Gericht der katholischen Kirche.
Der Kardinal lebte während seiner Zeit in Rom bei den Schwestern der Kongregation «Figlie di Santa Maria di Leuca», schreibt catt.ch. Die Ordensgemeinschaft entstand in Apulien. Laut catt.ch leben auch im Tessin Angehörige der Gemeinschaft.
Das Bistum Lugano hat auf seiner Webseite ein Edikt des Bischofs von Ugento-Santa Maria di Leuca publiziert. Darin ruft Vito Angiuli die Gläubigen auf, Informationen über Gilberto Agustoni bei der Generaloberin der Ordensgemeinschaft oder dem Postulator des Seligsprechungsverfahrens einzureichen. Auch Gläubige aus dem Tessin können sich am Verfahren beteiligen, wie catt.ch schreibt.
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https://www.kath.ch/newsd/tessiner-kardinal-gilberto-agustoni-soll-selig-gesprochen-werden/