Im Berner Haus der Religionen hat ein unbekannter Imam Paare vermählt, die nicht zivilrechtlich verheiratet waren. In der Schweiz ist das verboten. Die Institution spricht von einer «missbräuchlichen» Nutzung der Moschee. Und kündigt an, die Gemeinschaften im Haus mehr für die hiesigen Rechtsgrundlagen zu sensibilisieren.
Barbara Ludwig
Im Berner Haus der Religionen sind mehrere Religionsgemeinschaften zuhause. Die Institution engagiert sich seit acht Jahren im interreligiösen Dialog. Es gibt auch eine Moschee, für die der Muslimische Verein Bern verantwortlich ist.
Dort hat ein Imam mehrere Paare getraut, die zuvor keine zivilrechtliche Ehe eingegangen waren. Dies haben Journalisten von SRF aufgedeckt, wie die SRF-Sendung «Echo der Zeit» am Dienstag meldete. Solche Ehen haben in der Schweiz keine rechtliche Wirkung. Laut der Sendung handelte es sich bei den Fällen zudem um Zwangsehen.
Das Haus der Religionen und der Muslimische Verein Bern kennen den betreffenden Imam nicht, heisst es in einer Medienmitteilung des Hauses. «Wir gehen davon aus, dass sich die in unserem Haus ansässigen Religionsgemeinschaften an das schweizerische Recht halten», sagt Geschäftsleiterin Karin Mykytjuk zu kath.ch. Die Religionsgemeinschaften würden sich auch im Vertrag, den sie mit dem Haus der Religionen abschliessen, verpflichten, die Gesetze zu respektieren und sich an die Menschenrechte zu halten.
Nun habe man aber feststellen müssen, dass die Religionsgemeinschaften zu wenig informiert seien über die in der Schweiz geltenden Regeln. «Dies zeigt sich nun beim sogenannten Primat der Zivilehe.»
Mustafa Memeti ist Imam der Moschee im Haus der Religionen. Auch er selber habe es mit den Vorschriften betreffend Eheschliessung nicht so genau genommen, wie er und Karin Mykytjuk gegenüber kath.ch sagen.
«Er hat in einzelnen Fällen nicht sorgfältig geprüft, ob eine zivilrechtliche Trauung vorliegt. Da hat er sich auf mündliche Versicherungen der Beteiligten verlassen», so die Geschäftsleiterin. Mustafa Memeti sagt: «Wir kannten die gesetzlichen Regeln über die Eheschliessung zu wenig und haben in einzelnen Fällen in der Vergangenheit zu wenig sorgfältig geprüft, ob das Paar bereits zivil verheiratet war. Dies bedauern wir sehr.» Karin Mykytjuk betont jedoch, dem Haus der Religionen seien keine Fälle bekannt, bei denen es sich um «Zwangssituationen» handelte.
Wie ist es möglich, dass ein fremder Imam unbemerkt Trauungen durchführen kann? «Unsere Moschee ist den ganzen Tag geöffnet. Es gibt keine Eingangskontrollen oder Überwachungskameras», erklärt Mustafa Memeti. Die Moschee wird laut dem Imam von vielen Menschen besucht, die man nicht kenne. Ein grosser Teil davon sei nicht Mitglied im Verein. Dieser überlege sich nun, mit welchen Massnahmen künftig illegale Trauungen verhindert werden könnten. «Das ist eine grosse Herausforderung für uns.» Noch sei nichts entschieden.
Karin Mykytjuk erklärt, man sei «fassungslos» über die Nutzung der Moschee durch den unbekannten Imam. Die Geschäftsleiterin spricht von einer «missbräuchlichen Nutzung». Die SRF-Recherchen hätten gezeigt, dass der Imam Ehebestätigungen auf veraltetem Briefpapier des Muslimischen Vereins Bern ausgestellt habe. «Wir prüfen deshalb rechtliche Schritte.»
Das Haus der Religionen überlegt sich ebenfalls, «ob und welche Massnahmen nötig und sinnvoll sind», sagt Karin Mykytjuk. Zum einen wolle man die Religionsgemeinschaften stärker für die rechtlichen Grundlagen sensibilisieren, etwa über den Primat der Zivilehe. Es könnten aber auch Sicherheitsmassnahmen getroffen werden.
Sollen die Räume der Religionsgemeinschaften nur noch zugänglich sein, wenn eine Betreuungsperson anwesend ist? «Dies würde unserem Grundgedanken widersprechen», sagt die Geschäftsleiterin. «Wir sind ein offenes Haus.»
Sie betont zudem, die einzelnen Gemeinschaften seien verantwortlich dafür, was in ihren Räumen passiert. Wenn sie diese vermieteten, müssten sie auch dafür sorgen, dass die Mieter die geltenden Regeln beachten.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/verbotene-trauungen-im-haus-der-religionen-wir-sind-fassungslos/