Katholiken im südlichen Afrika diskutieren: Homosexuell, afrikanisch, katholisch – Geht das zusammen?

Die Weltsynode der katholischen Kirche hat auch im südlichen Afrika Diskussionen über gesellschaftliche Reizthemen losgetreten. Dabei geht es auch um den richtigen Umgang mit Homosexualität.

Markus Schönherr

Homosexuell, afrikanisch, katholisch – geht das unter einen Hut? Über diese Frage zerbrechen sich derzeit die katholischen Kirchenführer im südlichen Afrika die Köpfe. Ihre Ansätze sind höchst unterschiedlich, weshalb sie auf Rat aus dem Vatikan hoffen.

Homosexualität «komplett unbekannt»

«Es gibt ein neues Phänomen in der Kirche, das in Lesotho bisher komplett unbekannt war: gleichgeschlechtliche Beziehungen», zitiert das jüngst veröffentlichte Arbeitspapier zur Weltsynode die Bischöfe im Königreich Lesotho. Sie sehen eine «Herausforderung» für Pfarreien und Diözesen, da man überhaupt nicht wisse, wie mit dem Thema umzugehen sei. Der von Papst Franziskus eingeleitete mehrjährige Dialogprozess für die Weltkirche soll nun Licht ins Dunkel bringen.

Homosexuelle Katholikinnen und Katholiken in Lesotho wollten von ihrer kirchlichen Gemeinschaft akzeptiert werden, berichteten die Geistlichen nach einer synodalen Befragung. Derzeit fühlten sich Betroffene «ausgeschlossen». Und laut dem vatikanischen Papier, das Ergebnisse aus vielen Ländern zusammenfasst, sind sie damit nicht allein: Auch wiederverheiratete Geschiedene, Alleinerziehende und Menschen in polygamen Beziehungen wünschten sich einen Dialog mit ihrer Kirche.

Kriminelle Handlungen

In Afrika sind Fragen von Sexualmoral, Glaube und Identität gesellschaftspolitisch besonders aufgeladen. Von den 69 Ländern weltweit, die Homosexualität unter Strafe stellen, ist etwa die Hälfte davon auf dem Kontinent. «Homosexuelle Praktiken stellen in Sambia eine kriminelle Handlung dar und das Gesetz muss respektiert werden», betonte vor kurzem der Generalsekretär der Sambischen Bischofskonferenz, Francis Mukosa.

Der Priester äusserte sich in der Debatte um eine Aussage von Erzbischof Alick Banda, der im September das Erstarken einer lokalen Queer-Bewegung angeprangert hatte. Auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) teilen die Bischöfe in der Hauptstadt Lusaka mit: «Bei den Befragungen zur Weltsynode auf lokaler Kirchenebene kam Homosexualität nicht zur Sprache.» Das Thema werde von Sambias Katholiken «wie jedes andere menschliche Laster betrachtet».

Queere Aktivistin zweimal verhaftet

Eine Queer-Aktivistin in Lusaka fühlt sich von der Kirche im Stich gelassen. Sie will anonym bleiben, da sie wegen ihrer sexuellen Orientierung bereits zweimal verhaftet wurde. So wünscht sie sich «die gleiche Sicherheit, die heterosexuelle, christliche Sambier geniessen». Die Position der Bischöfe empfindet sie angesichts der Verfolgung Homosexueller im Land durch Polizei, Politik und konservative Gruppen als «sehr problematisch».

Einen offeneren Zugang pflegt die Südafrikanische Bischofskonferenz. Sie ist auch für Botsuana und das Königreich Eswatini zuständig. Dass Homosexualität in ihrem Synodenbeitrag erwähnt wird, sei ein Anzeichen dafür, «dass die Menschen darüber diskutieren», sagt Priester Hugh O’Connor in Pretoria.

Spaltung in Südafrikas Pfarreien

Der Bischofskonferenz-Generalsekretär berichtet von einer «Spaltung» in Südafrikas Pfarreien und Diözesen bei der Frage nach dem Umgang mit Homosexuellen. «Manche fordern mehr Offenheit, andere wollen sie nicht vor ihrer Haustür, in der Familie oder im Freundeskreis.» Das spiegele wider, was aktuell in der Gesellschaft vorgehe: einerseits eine gewisse Bereitschaft zur Akzeptanz, andererseits aber die Frage, wie man damit in der Familie umgehe.

Der Geistliche wünscht sich, dass Angehörige von Schwulen und Lesben besser seelsorglich betreut werden. Denn sie seien gefangen zwischen konservativen Moralvorstellungen und ihren homosexuellen Söhnen, Töchtern und Enkeln. «Hier beginnt der Wandel: Wenn Menschen offen darüber sprechen und fühlen, dass ihnen jemand zuhört. Darum geht es bei der Synode.»

Rassentrennung als Lehrstück

Niemanden zu verurteilen – dies habe laut O’Connor die Geschichte Südafrikas gelehrt. Das Schwellenland besiegte 1994 die Rassentrennung. «Doch nach wie vor kämpfen wir mit der Rassismus-Problematik: Wer wird akzeptiert, wer nicht? Wer darf in die Gemeinschaft, und über wen richten wir?» Als südafrikanische Kirche habe man durch die gewaltvolle Vergangenheit gelernt, künftig «keine schnellen Antworten» mehr auf gesellschaftliche Fragen zu geben.

Die regionalen Unterschiede erklärt sich O’Connor durch die Vielseitigkeit der katholischen Kirche. Diese verstehe es, «politische, soziale, kulturelle und entwicklungspolitische Gräben» zu überbrücken. Mit Blick auf homosexuelle Katholiken sagt der Priester: «Lange bevor eine universelle Lösung ausgesprochen wird, werden lokale Gemeinden und Pfarreien mit diesem Problem auf unterschiedliche Weise umgehen.» (kna)


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/katholiken-im-suedlichen-afrika-diskutieren-homosexuell-afrikanisch-katholisch-geht-das-zusammen/