«Wenn ein Bursche meinen Namen im Liebesbrief falsch schrieb, standen seine Chancen schlecht»

Sylvia Stams Name heisst wörtlich übersetzt: «Waldfrau Stamm». Das passe gut zu ihr, sagt die Pfarrblatt-Redaktorin: «Ich bin gerne im Wald, allerdings bin ich ebenso gerne in den Bergen oder im See.» Von einem Kapuziner hat sie jahrelang eine Postkarte zum Namenstag erhalten.

Raphael Rauch

Warum haben Sie Ihre Eltern Sylvia genannt?

Sylvia Stam*: Meine Mutter bekam in der Primarschule eine neue Mitschülerin, die Sylvia hiess. Dieser Name hat ihr sehr gefallen. 

Gefällt Ihnen Ihr Name – und warum?

Stam: Als Kind mochte ich Namen auf -ia nicht. Bei meiner Tätigkeit als Lehrerin für Deutsch an Fremdsprachige habe ich gemerkt, dass der Name in allen Sprachen gut funktioniert. Heute gefällt er mir gut, auch deshalb, weil er nicht so häufig vorkommt. 

Haben Sie einen Spitznamen?

Stam: Nein. Meine Eltern waren sehr darauf bedacht, dass unsere Namen nicht durch Abkürzungen verhunzt würden. 

Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Junge geworden wären?

Stam: Frank, so heisst jetzt mein jüngerer Bruder. 

«Sylvia» stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «Wald». Was sagen Sie dazu?

Stam: «Silva» ist lateinisch für Wald, «Silvia» bedeutet Waldfrau oder Waldbewohnerin.  Zusammen mit meinem Nachnamen Stam – Niederländisch für Stamm – finde ich das eine wunderbare Kombination.

«Ich wähle grün, seit ich das Schweizer Bürgerrecht habe.»

«Nomen est omen» – was bedeutet das mit Blick auf Ihren Namen?

Stam: Ich bin gerne im Wald, allerdings bin ich ebenso gerne in den Bergen oder im See. Ich bin ein ökologischer Mensch und wähle grün, seit ich das Schweizer Bürgerrecht habe. Ich spiele leidenschaftlich gern Klarinette – ein Holzblasinstrument. Und in meiner Wohnung sind die meisten Möbel aus Holz. Der Name passt also gut zu mir.

Was verbinden Sie mit der Heiligen Silvia?

Stam: Über ihre Person ist wenig bekannt, ausser dass sie die Mutter von Papst Gregor dem Grossen war und in späteren Jahren als Einsiedlerin gelebt hat. Ich bin weder das eine noch das andere. Ich finde aber durchaus, dass alle Mütter es verdient hätten, heiliggesprochen zu werden, weil sie Leben in die Welt bringen. 

Feiern Sie Ihren Namenstag?

Stam: Nach einer Auszeit als Gast im Kloster Rapperswil erhielt ich die letzten zehn Jahren zu meinem Namenstag immer eine Karte von einem der Kapuziner. Diese Treue hat mich sehr berührt. Letztes Jahr ist er gestorben. Seither zünde ich an meinem Namenstag eine Kerze an – in Erinnerung an ihn. 

«Ich liebe den exotischen Buchstaben Y.»

Wird Ihr Name oft falsch geschrieben, zum Beispiel Silvia?

Stam: Mein Vor- und mein Nachname werden oft falsch geschrieben. Silvia wäre eigentlich die korrekte Schreibweise, denn das Lateinische kennt kein Y. Ich liebe diesen exotischen Buchstaben jedoch, weil er dem Namen optisch etwas Spezielles gibt. Zu verdanken habe ich ihn einem Zivilstandsbeamten in Amsterdam. Dieser fand bei der Anmeldung, der Name werde mit Y geschrieben. Als Teenager diente mir das Y als Test: Wenn ein Bursche meinen Namen im ersten Liebesbrief schon falsch schrieb, standen seine Chancen schlecht. 

Sie wurden in den Niederlanden geboren. Funktioniert der Name im Niederländischen einwandfrei?

Stam: Natürlich, als ich geboren wurde, war es noch nicht Thema, dass wir in die Schweiz auswandern würden. Das geschah erst sechs Jahre später.

Warum sind Ihre Eltern in die Schweiz gezogen?

Stam: Eine Schweizer Firma suchte in den 1970er-Jahren per Inserat in den Niederlanden einen Architekten. Mein Vater hat deutsche Wurzeln und sprach darum bereits deutsch. Auch meine Mutter fand die Vorstellung spannend, auszuwandern.

«Mich hat das als Kind immer befremdet, wenn mir zum Geburtstag meiner Eltern gratuliert wurde.»

Gibt es in den Niederlanden eine Namenstagstradition?

Stam: Meines Wissens nicht. Es gibt im Gegenteil eine sehr ausgeprägte Geburtstagstradition. In den Niederlanden kommt es sogar vor, dass man der ganzen Familie zum Geburtstag eines Familienmitglieds gratuliert. Mich hat das als Kind immer befremdet, wenn mir zum Geburtstag meiner Eltern gratuliert wurde. 

Sylvia Stam (55) ist Redaktorin für die Pfarreiblätter der Kantone Luzern und Bern sowie Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Pfarrblätter (Arpf). Davor war sie Redaktorin und Redaktionsleiterin bei kath.ch.


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