Wird es ein dunkles Weihnachten? Obwohl Putin den Gashahn zugedreht hat, wollen viele Städte und Gemeinden in der Schweiz nicht auf eine helle Advents- und Weihnachtszeit verzichten. In Einsiedeln strahlt auch dieses Jahr der Christbaum, während die Leuchtenstadt Luzern auf traditionellen Lichterschmuck verzichtet.
Wolfgang Holz
Wird es zappenduster an Weihnachten? Keine Weihnachtsbeleuchtung? Keine beleuchteten Christbäume auf öffentlichen Plätzen? Nein, denn Städte in der Schweiz wollen zwar durch Energiesparkonzepte möglichst wenig Energie über den Winter verbrauchen. Aber die Besinnlichkeit soll trotzdem nicht auf den Nullpunkt sinken.
«Um der coronageplagten Bevölkerung während der Wintermonate Besinnlichkeit zu bieten, werden wir nicht vollständig auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichten», sagt Urs Unterlechner. Er ist Stadtschreiber in Solothurn. «Es ist wichtig, dass wir in unserer Stadt trotz dieser unsicheren und turbulenten Zeit Weihnachtsstimmung erleben dürfen.»
Gleichzeitig appelliert Solothurn an Bürgerinnen und Bürger sowie an Gewerbe und Industrie, auf elektrische Weihnachtsdekorationen zu verzichten. Nach Ladenschluss sollten die Schaufenster nur minimal beleuchtet sein.
Auch der Star unter den Schweizer Weihnachtsbeleuchtungen, die «Lämpli» in der Zürcher Bahnhofstrasse, dürfen diesen Advent in die Herzen von Kundinnen und Passanten strahlen. Aufgrund der Energiemangellage werden die Betriebszeiten zwar eingeschränkt. Doch «Lucy», wie die Weihnachtsbeleuchtung seit zwölf Jahren in Zürich heisst, bringt die Bahnhofstrasse auch dieses Jahr zum Funkeln.
In Bern hat man die Weihnachtsbeleuchtung ebenfalls gern. «Dieses Jahr werden bei Weihnachts- und Winteranlässen sowie der Weihnachtsbeleuchtung Energiesparmassnahmen umgesetzt», verkündet die Stadt Bern auf ihrer Homepage. Was die städtische Weihnachtsbeleuchtung angeht, wird diese jeweils um 22 Uhr ausgeschaltet. Insgesamt entsprechen die Energiesparmassnahmen bei den Weihnachts- und Winteranlässen sowie bei der Weihnachtsbeleuchtung in etwa dem städtischen Sparziel von 15 Prozent.
«Ein kompletter Verzicht scheint uns nicht verhältnismässig.»
Walter Lipp, Gemeindepräsident Baar
In Baar will die festfreudige Gemeinde nicht auf ihre Weihnachtsbeleuchtung an der Dorfstrasse verzichten. Die Betriebszeiten werden auf ein paar Stunden vom Einbruch der Dämmerung bis 22 Uhr beschränkt. «Ein kompletter Verzicht scheint uns nicht verhältnismässig», betont Gemeindepräsident Walter Lipp. «Die Weihnachtsbeleuchtung gehört in der dunklen und kalten Jahreszeit für viele dazu.» Deshalb wird auch der grosse Weihnachtsbaum auf dem Platz vor dem Gemeindehaus aufgestellt – und abends wie auch am Morgen beleuchtet sein.
Und wie sieht’s in der benachbarten Stadt Zug aus? Wie Stadtrat Urs Raschle auf Anfrage von kath.ch versichert, «wird es mit grösster Wahrscheinlichkeit eine Weihnachtsbeleuchtung geben – allerdings ebenfalls mit zeitlicher Beschränkung».
Technisch basiert die Installation der Zuger Weihnachtsbeleuchtung auf energieeffizienten LED-Leuchtmitteln. Der Energieverbrauch für die Weihnachtsbeleuchtung beläuft sich pro Jahr auf rund 7’500 kWh. Ein vollständiger Verzicht würde den Sparbemühungen von rund 31 Haushaltungen entsprechen.
«Um dem teilweise in der Bevölkerung vorhandenen Bedürfnis nach einer Weihnachtsbeleuchtung nachzukommen, wird in Zug die Brenndauer auf die Zeit zwischen 17 bis 21.30 Uhr beschränkt. Dies ermöglicht eine Einsparung von gegen 60 Prozent und entspricht den Sparbemühungen von rund 19 Haushalten», so Dieter Müller von der Stadt Zug.
«Um einen Tesla-Personenwagen aufzuladen, benötigt man viel mehr Energie.»
Joseph Birchler, OK Einsiedler Weihnachtsmarkt
Auch in Einsiedeln strahlt die Weihnachtsbeleuchtung in traditionellem Umfang. Wie Joseph Birchler vom Organisations-Komitee des legendären Weihnachtsmarkts berichtet, wird auch wieder der riesige Christbaum auf dem Klosterplatz Licht ins winterliche Dunkel bringen. «Wir haben längst auf LED umgestellt. Unsere Weihnachtsbeleuchtung im Dorf plus die Christbaum-Illumination verbrauchen nur 25 Kilowattstunden Strom. Um einen Tesla-Personenwagen aufzuladen, benötigt man viel mehr Energie.»
Luzern hingegen verzichtet im Advent 2022 auf die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung. Die Leuchtenstadt setzt stattdessen auf ein alternatives Konzept – und zwar Kerzenlicht.
Rund 500 bereits bestellte Kerzenlaternen sollen die Stadt Luzern zum Leuchten bringen. Diese sollen dann etwa auf Steinbrücken und Plätzen zum Einsatz kommen. Möglicherweise werden die Laternen auch den Quai zieren. Das Konzept wird aus Sicherheitsgründen aber noch mit der Feuerwehr besprochen. Die für die Kerzenlaternen benötigten Kerzen werden extra von einer Luzerner Kerzenfabrik produziert und sollen eine lange Brenndauer haben.
«Wir gewichten die Verantwortung für den Energiebeitrag höher als für das Weihnachtsgeschäft.»
André Bachmann, Verein Weihnachtsbeleuchtung Luzern
André Bachmann vom Verein Weihnachtsbeleuchtung ist davon überzeugt, dass der Verzicht auf die Beleuchtung wichtig ist. Auch wenn die Weihnachtsbeleuchtung symbolisch zum wichtigen Weihnachtsgeschäft beiträgt, wie er gegenüber «zentralplus» sagt: «Wir gewichten die Verantwortung für den Energiebeitrag höher als für das Weihnachtsgeschäft.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/trotz-energiekrise-advent-advent-ein-lichtlein-brennt/