Kein Geld für die Schweizergarde: Bistum Basel bedauert Luzerner Nein

Mit 400’000 Franken wollte der Kanton Luzern die neue Kaserne der Schweizergarde im Vatikan bezuschussen. Doch daraus wird nichts: Nur 28.52 Prozent der Luzernerinnen und Luzerner stimmten dem Vorhaben zu. Das Bistum Basel bedauert das Luzerner Nein.

Raphael Rauch

Ausgerechnet der Heimatkanton von Bischof Felix Gmür und Kurienkardinal Kurt Koch verweigert der Schweizergarde die Unterstützung. Nur 28.52 Prozent des Luzerner Stimmvolkes stimmte der 400’000-Franken-Subvention für die neue Kaserne der Schweizergarde im Vatikan zu.

Am deutlichsten war die Ablehnung in Luzern-Stadt – hier stimmten nur 22.54 Prozent mit Ja. In Entlebuch kam das Ja-Lager auf 35.09 Prozent.

Privatisierung des Religiösen

«Wir bedauern das Abstimmungsergebnis», sagt der Sprecher des Bistums Basel, Hansruedi Huber, zu kath.ch. «Es ist Ausdruck einer immer grösseren kulturellen Vielfalt und der damit einhergehenden Privatisierung des Religiösen.»

Stephan Leimgruber, Priester des Bistums Basel und emeritierter Professor für Religionspädagogik, sagt gegenüber kath.ch: «Mein Geist ist betrübt, dass Luzern diese Unterstützung für den Kasernenumbau nicht gewährt. Erwartet habe ich eine Gabe von Luzern in der Höhe von einer Million Franken.»

Die Luzerner Mitte-Politikerin Andrea Gmür hat das Abstimmungsergebnis «überrascht», wie sie gegenüber kath.ch erklärt: «Mit diesem Resultat hätte ich nicht gerechnet. Und erst recht nicht, dass es so klar ausfällt.» Laut der Ständerätin hat sich das Narrativ durchgesetzt, «dass der Vatikan genügend Geld hat und das selbst zahlen kann». Man habe «nicht vermitteln können, dass es um eine Kultur-Botschaft gegangen ist».

Kirchliche Finanzierung

Ganz ähnlich sieht das Annegreth Bienz-Geisseler, Synodalratspräsidentin der römisch-katholischen Kirche im Kanton Luzern. Umso mehr freut sie sich, «dass die Katholische Synode im Frühling 2021 eine Viertelmillion für die Finanzierung des Baus der Familienwohnung in der neuen Kaserne der Schweizergarde gesprochen hat».

Die Schweizergarde bedauert das Luzerner Nein ebenfalls. «Wir finden das sehr schade. Es ist natürlich enttäuschend. Es war aber keine Abstimmung gegen die Garde, sondern in der Debatte ging es um andere Themen», sagt Stefan Wyer. Er leitet die Schweizer Medienstelle der Schweizergarde.

Woran hat’s also gelegen? Zu den Gründen für die Niederlage will sich Stefan Wyer gegenüber kath.ch nicht äussern. Nur so viel: «Auch auf der Gegenseite gibt es Sympathien und Wertschätzung für die Arbeit der Schweizergarde. Strittig war, wer für die Finanzierung aufkommen soll.»

Steuern zur Linderung von sozialen Nöten einsetzen

Urban Frye ist anderer Meinung. Er ist Mitglied des grossen Kirchenrates der Stadt Luzern und gehört zu jenen Kantonsräten, die für ein Nein geweibelt haben. «Gerade das sehr deutliche Nein in der katholisch geprägten Landschaft zeigt, dass die Bevölkerung möchte, dass Steuergelder da eingesetzt werden, wo sie dringend benötigt werden, nämlich zur Linderung von sozialen Nöten bei den weniger gut gestellten Mitmenschen», sagt Urban Frye zu kath.ch.

«Jahrelang hat der Kanton diese Menschen im Regen stehen gelassen. Nun auch noch Geld für etwas aufzuwenden, was der Vatikan ohne Not selbst finanzieren kann und wirklich nicht zur Aufgabe des Kantons gehört, hat offenbar die Bevölkerung dazu gebracht, ein klares Zeichen zu setzen. Hoffen wir, dass die Regierung und die Mehrheit des Parlamentes das verstanden hat.»

Carmen Jud freut sich ebenfalls über das Luzerner Nein: «Ich bin froh über dieses deutliche Resultat. Es zeigt, dass die Luzerner Stimmberechtigten selbst in an sich konservativen ländlichen Gemeinden nicht einverstanden sind damit, dass Steuergelder an eine rein katholische Institution gezahlt werden», sagt die Theologin. «Es bleibt nun zu hoffen, dass diese Gelder für Projekte eingesetzt werden, die zum Gelingen des interreligiösen und interkulturellen Zusammenlebens beitragen.»

Steuern für interkulturelle Projekte

Als Beispiele nennt Carmen Jud das Projekt «Hello welcome». An diesem Begegnungsort kämen Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten und Einheimische zusammen. Als andere Beispiele nennt sie den Chor der Nationen, das Luzerner Solidaritätsnetz oder die interkulturelle Jugendarbeit.

Der in Luzern wohnende Kapuziner Willi Anderau findet: «Die Katholiken sind inzwischen eine Minderheit. Deshalb kann zurecht die Frage gestellt werden, ob in einer säkularen Gesellschaft die gesamte Bevölkerung zur finanziellen Unterstützung des Kasernenneubaus der Schweizergarde beigezogen werden soll.»

Image der Kirche

Willi Anderau vermutet, dass ausser der Säkularisierung auch das Image-Problem der katholischen Kirche zum Nein beigetragen habe. «Die katholische Kirche hat ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem. Nicht nur durch die zahlreichen Missbrauchsfälle, die aufgedeckt wurden, sondern auch durch die zögerlichen und harzigen Fortschritte in der Bearbeitung von überfälligen Reformen. Viele Katholiken haben resigniert und sind ausgetreten. Weshalb soll da noch eine Kasernenneubau finanziert werden, wenn viele wichtigere Fragen nach wie vor der Lösung harren?» Laut Willi Anderau geht vom Luzerner Nein ein klares Signal nach Rom, dass es so nicht mehr weitergehen könne.


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